Neu­er Bun­des­rat un­ei­nig

Ver­tei­lung der De­par­te­men­te auf­ge­scho­ben

Neue Zurcher Zeitung - - VORDERSEITE - LU­KAS MÄ­DER UND HEI­DI GMÜR, BERN

mdr. Bern · Die neue Ver­tei­lung der De­par­te­men­te ab dem 1. Ja­nu­ar ist noch nicht ge­klärt. Die Lan­des­re­gie­rung in neu­er Zu­sam­men­set­zung mit den Bun­des­rä­tin­nen Vio­la Am­herd (cvp.) und Ka­rin Kel­ler-Sut­ter (fdp.) konn­te sich in ei­nem in­for­mel­len Tref­fen am Frei­tag­nach­mit­tag nicht ei­ni­gen, wie Bun­des­prä­si­dent Alain Ber­set (sp.) im An­schluss sag­te. Die Dis­kus­si­on wird nächs­te Wo­che wei­ter­ge­führt, dem Ver­neh­men nach be­reits am Mon­tag.

Als Grund für den Ent­scheid nann­te Ber­set den prall ge­füll­ten Sit­zungs­ka­len­der der of­fi­zi­el­len Bun­des­rats­sit­zung, in der über das wei­te­re Vor­ge­hen beim In­sti­tu­tio­nel­len Rah­men­ab­kom­men ent­schie­den wur­de. Hin­zu kommt je­doch, dass sich die neue Lan­des­re­gie­rung of­fen­sicht­lich nicht ei­nig war, wie die De­par­te­men­te ver­teilt sein soll­ten. Des­halb ist an­zu­neh­men, dass min­des­tens ei­ner der am­tie­ren­den Bun­des­rä­te den Wunsch zu ei­nem Wech­sel an­ge­mel­det hat.

Be­reits im Vor­feld hat­te es bei meh­re­ren Bun­des­rä­ten ent­spre­chen­de Spe­ku­la­tio­nen ge­ge­ben. Im Zen­trum stand da­bei Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Guy Par­me­lin (svp.), der of­fen­bar ins Wirt­schafts­de­par­te­ment oder ins Ver­kehrs- und Ener­gie­de­par­te­ment wech­seln möch­te. In die­sem Fall wür­de ver­mut­lich erst­mals in der Ge­schich­te ei­ne Frau die Lei­tung des Ver­tei­di­gungs­de­par­te­ments über­neh­men. Die Ver­schie­bung des Ent­scheids gibt Ber­set die Mög­lich­keit, nach ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Lö­sung zu su­chen. So sag­te er, dass er da­zu in den nächs­ten Ta­gen Ge­sprä­che füh­ren wer­de.

Wenn die De­par­te­men­te nach ei­ner Bun­des­rats­wahl ver­teilt wer­den, sind die sie­ben Mit­glie­der der neu­en Lan­des­re­gie­rung ganz al­lei­ne un­ter sich. We­der Bun­des­kanz­ler noch die Vi­ze­kanz­ler neh­men an die­sem in­of­fi­zi­el­len Tref­fen teil. Zu­sätz­lich dringt auch aus dem Um­feld der Bun­des­rä­te we­nig zu den Jour­na­lis­ten durch. Dar­um bleibt weit­ge­hend un­klar, was sich hin­ter den ver­schlos­se­nen Tü­ren ab­ge­spielt hat.

Tref­fen am Mon­tag

Was klar ist: Am Frei­tag ver­lief das Tref­fen un­ter Lei­tung von Bun­des­prä­si­dent Alain Ber­set (sp.) nicht in Min­ne. Die neue Re­gie­rung ha­be sich nicht auf die Ver­tei­lung der De­par­te­men­te ei­ni­gen kön­nen, sag­te Ber­set vor den Me­di­en. Die Dis­kus­si­on wer­de nächs­te Wo­che fort­ge­führt. Dem Ver­neh­men nach soll dies be­reits am Mon­tag ge­sche­hen.

Dass die De­par­te­ments­ver­tei­lung ver­scho­ben wer­den muss­te, kam in den letz­ten Jah­ren nie vor. Am Frei­tag war die Si­tua­ti­on in­so­fern spe­zi­ell, als mit dem Eu­rop­a­dos­sier die of­fi­zi­el­le Bun­des­rats­sit­zung be­reits reich be­frach­tet war. Ber­set be­grün­de­te die Ver­schie­bung denn auch mit dem Ter­min­plan. Doch un­ab­hän­gig da­von muss die Un­ei­nig­keit gross ge­we­sen sein, dau­er­te dem Ver­neh­men nach das in­of­fi­zi­el­le Tref­fen der neu­en Lan­des­re­gie­rung am frü­hen Nach­mit­tag doch ge­gen zwei St­un­den.

Wün­sche zum Wech­sel

Be­reits im Vor­feld der De­par­te­ments­ver­tei­lung gab es Spe­ku­la­tio­nen, dass meh­re­re am­tie­ren­de Bun­des­rä­te ei­nen De­par­te­ments­wech­sel an­streb­ten. Al­len vor­an wol­le Guy Par­me­lin (svp.) sein De­par­te­ment für Ver­tei­di­gung, Be­völ­ke­rungs­schutz und Sport (VBS) ab­ge­ben. Aber auch Si­mo­net­ta Som­maru­ga (sp.) mit dem Jus­tiz- und Po­li­zei­de­par­te­ment (EJPD) und Alain Ber­set (sp.) mit dem In­nen­de­par­te­ment (EDI) wur­de der Wunsch nach ei­nem neu­en De­par­te­ment nach­ge­sagt. Zu­min­dest ei­ner der Bun­des­rä­te hat nun of­fen­sicht­lich ei­nen Wech­sel an­ge­strebt – und ist da­bei auf Wi­der­stand ge­stos­sen.

Vie­les deu­tet dar­auf hin, dass Par­me­lins Wunsch nach ei­nem Wech­sel im Zen­trum der jet­zi­gen Patt-Si­tua­ti­on steht. Er soll mit ei­nem Wech­sel so­wohl ins WBF wie auch ins Ver­kehrs- und Ener­gie­de­par­te­ment (Uvek) lieb­äu­geln, hiess es in den letz­ten Ta­gen. Wäh­rend beim Wirt­schafts­de­par­te­ment (WBF) die FDP mit ih­rer neu­en Bun­des­rä­tin Ka­rin Kel­ler-Sut­ter In­ter­es­se ha­ben dürf­te, gibt es beim Uvek Spe­ku­la­tio­nen, dass Som­maru­ga die­ses über­neh­men möch­te. Er­schwe­rend kommt hin­zu, dass bei ei­nem Wech­sel Par­me­lins ei­ne der bei­den neu­en Bun­des­rä­tin­nen das VBS über­neh­men müss­te. Es wä­re die Pre­mie­re ei­ner weib­li­chen Che­fin an der Spit­ze des VBS und dürf­te bei der Be­trof­fe­nen wohl we­nig Eu­pho­rie aus­lö­sen.

Mit der Ver­schie­bung des Ent­scheids ver­sucht Ber­set ei­ne Ab­stim­mung zu ver­mei­den. Der Grund da­für könn­te sein, dass da­bei ei­ne bür­ger­li­che Mehr­heit der SP ei­ne un­ge­woll­te De­par­te­ments­zu­tei­lung ver­ord­nen wür­de. Mög­li­cher­wei­se will Ber­set aber auch noch­mals Zeit ge­win­nen für ei­ne ein­ver­nehm­li­che Lö­sung. Er wer­de in den nächs­ten Ta­gen noch­mals das Ge­spräch su­chen mit den Be­tei­lig­ten, sag­te er vor den Me­di­en – wie er es be­reits in den St­un­den seit der Wahl am Mitt­woch ge­tan hat­te.

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