Er­nüch­te­rung und Wi­der­spruch aus Brüs­sel

EU-Kom­mis­si­on er­ör­tert Bör­sen­äqui­va­lenz am Di­ens­tag

Neue Zurcher Zeitung - - SCHWEIZ - NIKLAUS NUSPLIGER, BRÜS­SEL

Die EU-Kom­mis­si­on hat am Frei­tag er­nüch­tert auf den bun­des­rät­li­chen (Nicht-)Ent­scheid zum Rah­men­ab­kom­men re­agiert. Per Com­mu­ni­qué teil­te sie mit, sie re­spek­tie­re zwar den Wunsch des Bun­des­ra­tes, al­le in­ter­es­sier­ten Krei­se zu kon­sul­tie­ren. Gleich­zei­tig un­ter­strich die Kom­mis­si­on, sie er­war­te nun zü­gi­ge Kon­sul­ta­tio­nen und hof­fe auf ein po­si­ti­ves Er­geb­nis, da­mit die bi­la­te­ra­len Be­zie­hun­gen auf ei­ne so­li­de Grund­la­ge ge­stellt wer­den könn­ten.

Wi­der­spruch ern­te­te der Bun­des­rat mit sei­ner Darstel­lung, bei den Ver­hand­lungs­er­geb­nis­sen zu den um­strit­te­nen Punk­ten der flan­kie­ren­den Mass­nah­men (Flam) und zur Uni­ons­bür­ger-Richt­li­nie hand­le es sich bloss um «An­ge­bo­te» der EU. Die Kom­mis­si­on be­ton­te viel­mehr, dass der fi­na­le Text mit An­hän­gen und Pro­to­kol­len von der Schweiz und der EU nach lan­gen und kon­struk­ti­ven Ver­hand­lun­gen «ver­ein­bart» wor­den sei.

Ent­spre­chend dämpf­te die Kom­mis­si­on auch Hoff­nun­gen, nach Ab­schluss der Kon­sul­ta­ti­on wer­de sich die EU wei­te­re Kon­zes­sio­nen ab­rin­gen las­sen. Die Brüs­se­ler Be­hör­de be­ton­te viel­mehr, der am Frei­tag ver­öf­fent­lich­te Ver­trags­ent­wurf sei das «best­mög­li­che Ver­hand­lungs­er­geb­nis», zu­mal man der Schweiz et­wa beim Schieds­ge­richt oder den Flam weit ent­ge­gen­ge­kom­men sei. Mit noch deut­li­che­ren Wor­ten warn­te ei­ne EUQu­el­le vor Schwei­zer «Il­lu­sio­nen», weil auch die Mit­glied­staa­ten an­ge­sichts des Br­ex­it-Dra­mas im­mer we­ni­ger ge­willt sei­en, ge­gen­über der Schweiz auch nur kos­me­ti­sche Kon­zes­sio­nen zu ma­chen.

Of­fen blieb am Frei­tag, was der Kom­mis­si­on der (Nicht-)Ent­scheid des Bun­des­rats nun für die Ge­wäh­rung der Bör­sen-Äqui­va­lenz be­deu­tet. Vor­aus­sicht­lich am Di­ens­tag wird EU-Kom­mis­si­ons­Prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker die La­ge mit dem Kol­le­gi­um der Kom­mis­sa­re an ei­ner Sit­zung in Strass­burg er­ör­tern. In den letz­ten Ta­gen hat­ten EU-Qu­el­len er­klärt, die Schweiz könn­te mit ei­ner zwei­jäh­ri­gen Ver­län­ge­rung des noch bis En­de Jahr gül­ti­gen Ent­scheids zur Gleich­wer­tig­keit der Schwei­zer Bör­sen­re­gu­lie­rung rech­nen, soll­te sich der Bun­des­rat klar hin­ter den Rah­men­ver­trag stel­len. Im Fal­le ei­ner Ver­zö­ge­rungs­tak­tik aber lau­fe die Bör­sen­äqui­va­lenz er­satz­los aus.

Nimmt man die­se Ver­laut­ba­run­gen zum Nenn­wert, wird die Kom­mis­si­on den Äqui­va­len­zent­scheid nicht er­neu­ern. In die­sem Sin­ne äus­ser­ten sich am Frei­tag auch EU-Qu­el­len, die be­to­nen, der la­vie­ren­de Bun­des­rat ha­be kei­ner­lei Füh­rungs­stär­ke ge­zeigt und sich bei sei­nem Auf­tritt höchs­tens halb­her­zig hin­ter den Rah­men­ver­trag ge­stellt. Doch ge­fal­len ist der Bör­sen-Ent­scheid, bei dem Juncker ei­ne mass­geb­li­che Rol­le spie­len dürf­te, noch nicht. Ei­ne Ver­län­ge­rung der Äqui­va­lenz um ei­ne kur­ze Frist ist da­her auch noch nicht aus­ge­schlos­sen.

In die­sem Fall müss­te die Kom­mis­si­on den EU-Mit­glied­staa­ten ei­nen for­mel­len Be­schluss­ent­wurf vor­le­gen. Am Di­ens­tag wä­re aber erst mit ei­nem po­li­ti­schen Grund­satz­ent­scheid zu rech­nen. Da­bei dürf­te die Kom­mis­si­on über­le­gen, ob sie an­ge­sichts der nun an­lau­fen­den Kon­sul­ta­ti­on und des an­ste­hen­den Par­la­ments­ent­scheids zum Ko­hä­si­ons­bei­trag ei­nen He­bel in der Hand be­hal­ten will – oder ob sie die Lan­cie­rung der Kon­sul­ta­ti­on durch den Bun­des­rat als Spiel auf Zeit ta­xie­ren und da­her den po­li­ti­schen Druck auf Bern er­hö­hen will.

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