Be­ne­dikt Würth will Ka­rin Kel­ler-Sut­ter be­er­ben

Der St. Gal­ler CVP-Re­gie­rungs­rat macht der FDP den Stän­de­rats­sitz strei­tig

Neue Zurcher Zeitung - - SCHWEIZ - JÖRG KRUMMENACHER

Vor den Wah­len in den Bun­des­rat hat­te er sich noch zu­rück­ge­hal­ten und auf ei­ne Kan­di­da­tur für das CVP-Ti­cket ver­zich­tet. Wä­re der sankt-gal­li­sche Fi­nanz­di­rek­tor Be­ne­dikt Würth an­ge­tre­ten und ge­wählt wor­den, hät­te die Ver­ei­nig­te Bun­des­ver­samm­lung kaum ei­ne zwei­te Ver­tre­tung aus dem Kan­ton St. Gal­len in den Bun­des­rat ge­schickt. Da­mit hät­te Würth, der auch die Kon­fe­renz der Kan­tons­re­gie­run­gen prä­si­diert, der un­be­strit­te­nen Ka­rin Kel­ler-Sut­ter im Weg ge­stan­den – auch wenn er wuss­te, dass er in ei­ner di­rek­ten Aus­mar­chung wohl chan­cen­los ge­we­sen wä­re.

Die Am­bi­tio­nen des 50-Jäh­ri­gen, sei­ne po­li­ti­sche Ar­beit in Bern fort­zu­set­zen, wa­ren aber be­kannt. Nun folgt der lo­gi­sche Schritt: Würth will als Nach­fol­ger von Kel­ler-Sut­ter den va­kan­ten sankt-gal­li­schen Sitz im Stän­de­rat über­neh­men – ein Sitz, den die CVP nach dem Rück­zug von Eu­gen Da­vid vor sie­ben Jah­ren an die SP mit Paul Rech­stei­ner ver­lo­ren hat­te. Die No­mi­na­ti­on Würths an der CVP-De­le­gier­ten­ver­samm­lung, die be­reits am 15. De­zem­ber statt­fin­den wird, ist Form­sa­che.

Rit­ter stellt sich hin­ter Würth

Der eben­falls als mög­li­cher Kan­di­dat ge­nann­te Na­tio­nal­rat und Bau­ern­prä­si­dent Mar­kus Rit­ter ver­zich­tet auf An­fra­ge der NZZ auf ei­ne Kan­di­da­tur. Be­ne­dikt Würth brin­ge für den Stän­de­rat «die idea­len Vor­aus­set­zun­gen mit», sagt Rit­ter. Er wer­de des­sen Kan­di­da­tur mit gros­sem En­ga­ge­ment un­ter­stüt­zen, sich selbst auf die be­ste­hen­den Auf­ga­ben kon­zen­trie­ren und sei­ner­seits selbst­ver­ständ­lich 2019 wie­der für den Na­tio­nal­rat an­tre­ten.

Be­ne­dikt Würth be­grün­det sei­ne Kan­di­da­tur mit der in­ter­es­san­ten und reiz­vol­len po­li­ti­schen Ar­beit im Stän­de­rat: Die klei­ne Kam­mer sei je­ner Ort, «wo in schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen Kom­pro­mis­se und Lö­sun­gen ent­wi­ckelt wer­den». Er wis­se, wie man par­tei­en­über­grei­fend zu trag­fä­hi­gen und gu­ten Er­geb­nis­sen kom­me, und ha­be Er­fah­rung mit kom­ple­xen Ver­hand­lun­gen, sagt der Fi­nanz­di­rek­tor. Zu­dem ha­be er be­wie­sen, dass er re­gio­na­le In­ter­es­sen «wirk­sam ein­brin­gen und durch­set­zen» kön­ne.

Du­ell der Re­gie­rungs­rä­te

Mit wem die FDP ih­ren Stän­de­rats­sitz am 10. März zu ver­tei­di­gen sucht, ist noch of­fen. Sie will erst im neu­en Jahr in den Wahl­kampf stei­gen und über­lässt das Feld bis da­hin den an­de­ren Par­tei­en. In­ter­es­se an­ge­mel­det hat bis­her der vor drei Jah­ren in den Na­tio­nal­rat ge­wähl­te Mar­cel Do­bler. Eben­falls an­tre­ten wird die SVP, die in St. Gal­len beim Kampf um ei­nen Stän­de­rats­sitz bis­her stets ge­schei­tert ist. Be­reit steht mit Bil­dungs­di­rek­tor Ste­fan Köl­li­ker ein Re­gie­rungs­kol­le­ge von Würth. Als Kan­di­da­tin kommt auch Es­t­her Fried­li in­fra­ge, die Le­bens­part­ne­rin To­ni Brun­ners und der­zei­ti­ge Par­tei­se­kre­tä­rin der sankt-gal­li­schen SVP. Sie ver­wei­gert bis jetzt Aus­künf­te zu ei­ner all­fäl­li­gen Kan­di­da­tur. An­tre­ten wol­len zu­dem die Grü­nen: Sie wer­den zwar chan­cen­los blei­ben, kön­nen mit ei­ner Kan­di­da­tur aber Prä­senz zei­gen, um im Herbst den 2015 ver­lo­re­nen Na­tio­nal­rats­sitz zu­rück­zu­ge­win­nen.

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