Zü­richs schöns­te Aus­sicht soll un­ein­ge­schränkt er­hal­ten blei­ben

Der VCS will die Seil­bahn über den Zü­rich­see mit Ein­spra­che stop­pen

Neue Zurcher Zeitung - - ZÜRICH UND REGION - JO­HAN­NA WEDL

Ge­gen die ZKB-Seil­bahn über den See for­miert sich Wi­der­stand. Der Ver­kehrs­club Schweiz be­kämpft das Pro­jekt mit ei­ner Ein­spra­che. Nach der Lan­des­aus­stel­lung 1939 und der Gar­ten­bau­aus­stel­lung 1959 könn­te 2020 zum drit­ten Mal ei­ne Seil­bahn das Zürcher See­be­cken über­span­nen. Al­lein, ob die ZKB ihr Pro­jekt tat­säch­lich bis in zwei Jah­ren rea­li­sie­ren kann, ist frag­lich. Ei­ne Ver­zö­ge­rung wird zu­min­dest wahr­schein­li­cher, denn nun zeich­net sich ab, dass die Zü­ri­bahn die Ge­rich­te be­schäf­ti­gen wird.

Die Zürcher Sek­ti­on des Ver­kehrs­clubs der Schweiz (VCS) legt am Mon­tag Ein­spra­che ein beim Bun­des­amt für Ver­kehr. Der VCS for­dert das Plan­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren zu sis­tie­ren, bis der kan­to­na­le Gestal­tungs­plan und die was­ser­recht­li­che Kon­zes­si­on rechts­kräf­tig vor­lie­gen. Das Plan­ge­neh­mi­gungs­ge­such schliess­lich soll ab­ge­wie­sen und die Bau­be­wil­li­gung nicht er­teilt wer­den.

Nach­ah­mer be­fürch­tet

Die Seil­bahn ist im kan­to­na­len Richt­plan nicht ein­ge­tra­gen, son­dern im re­gio­na­len Richt­plan vor­ge­se­hen. Das rei­che nicht aus, ist der VCS über­zeugt. Die In­stal­la­ti­on stel­le kein «ver­nach­läs­sig­ba­res Pro­vi­so­ri­um» dar, son­dern sei wie ei­ne dau­er­haf­te An­la­ge zu be­ur­tei­len. Sie sei ein gros­ses Ver­kehrs­pro­jekt, das in­ter­na­tio­na­les Pu­bli­kum an­zie­he, und ge­hö­re auf ei­ne kan­to­na­le Pla­nungs­stu­fe, heisst es in der Ein­spra­che. Die Grund­la­ge im kan­to­na­len Richt­plan feh­le aber.

Wei­ter feh­le das öf­fent­li­che In­ter­es­se. Der ZKB ge­he es mit der Seil­bahn nur dar­um, Wer­bung für sich zu ma­chen. Die Bahn sei nicht als ÖV-Trans­port­mit­tel kon­zi­piert, son­dern ei­ne rei­ne Tou­ris­ten­at­trak­ti­on. «Die ZKB nimmt für sich in An­spruch, ei­ne Son­der­be­hand­lung ge­nies­sen zu dür­fen. Da­für gibt es je­doch we­der ei­ne Grund­la­ge noch Grün­de», sagt Ga­bi Pe­tri, Co-Ge­schäfts­füh­re­rin des VCS Zü­rich. Feie­re je­des Un­ter­neh­men ein Ju­bi­lä­um mit sol­chen Pro­jek­ten im öf­fent­li­chen Raum, «wür­de die ge­sam­te Schweiz zum Er­leb­nis­park ver­kom­men», be­tont Pe­tri.

Das Bun­des­amt für Ver­kehr dür­fe die Plan­ge­neh­mi­gung auch des­halb nicht er­tei­len, weil die Bahn nicht nur un­ge­nü­gend, son­dern sehr schlecht an den öf­fent­li­chen Ver­kehr an­ge­schlos­sen sei. Die SBahn-Sta­tio­nen sei­en zu weit weg und die Bus­hal­te­stel­len le­dig­lich von Orts­bus­sen be­dient. Die Takt­fre­quen­zen sei­en zu nied­rig, und die Ve­lo­we­ge auf bei­den See­sei­ten im Misch­ver­kehr ge­führt. Der An­teil an Be­su­chern, die mit dem Au­to kä­men, sei zu tief be­rech­net. Be­reits heu­te be­ste­he ein Park­platz­man­gel in den Quar­tie­ren, auch ein Ver­kehrs­dienst lö­se das Pro­blem des Such­ver­kehrs nicht.

Aus Sicht des VCS wür­den durch die Seil­bahn wei­ter das Orts­bild, das von na­tio­na­ler Be­deu­tung ist, so­wie die Zü­rich­see-Land­schaft er­heb­lich be­ein­träch­tigt. Der Blick auf den Zü­rich­see mit Al­pen­ket­te sei von ein­ma­li­ger land­schaft­li­cher Be­deu­tung.

Tat­säch­lich ist das Zü­rich­horn im In­ven­tar der Gar­ten­denk­mal­pfle­ge der Stadt Zü­rich auf­ge­führt. Dort acht Bäu­me zu fäl­len, hält der VCS für un­zu­läs­sig. Sich in den Grün­an­la­gen am See­be­cken zu er­ho­len, wer­de durch die Seil­bahn ver­un­mög­licht. Schon heu­te sei­en das Strand­bad My­then­quai und die Blat­ter­wie­se gut be­sucht, der Nut­zungs­druck sei be­son­ders bei schö­nem Wet­ter enorm. Die Ver­kehrs­an­la­ge neh­me der­art viel Flä­che ein, dass die Er­ho­lung auf un­zu­läs­si­ge Wei­se be­ein­träch­tigt wer­de

Auch An­woh­ner ma­chen mo­bil

Ins sel­be Horn wie der VCS bläst die IG See­be­cken seil­bahn­frei. In ihr ha­ben sich An­woh­ner und Quar­tier­ver­ei­ne zu­sam­men­ge­schlos­sen. Sie macht, wie Martin Ma­letins­ky, der Prä­si­dent der In­ter­es­sen­ge­mein­schaft, saft, ei­ne Ein­spra­che aus den­sel­ben Grün­den.

Bei der ZKB gibt man sich ge­las­sen. Man ver­su­che, mit den Be­tref­fen­den Lö­sun­gen zu fin­den. Falls man sich aus­ser­ge­richt­lich nicht ei­ni­ge, sei man be­reit, den In­stan­zen­weg zu be­schrei­ten, führt Me­dien­spre­cher Patrick Fried­li aus. «Wir ge­hen da­von aus, dass wir die Zü­ri­bahn bis 2020 rea­li­sie­ren kön­nen.»

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