Das E-Vo­ting ist noch nicht er­le­digt

Ver­wal­tung führt Vor­ar­bei­ten wohl wei­ter, auch wenn der Kan­tons­rat Gel­der aus der Fi­nanz­pla­nung streicht

Neue Zurcher Zeitung - - ZÜRICH UND REGION - RE­TO FLU­RY Kan­to­na­le Ab­stim­mung vom 10. Fe­bru­ar 2019

Da hor­chen die Kri­ti­ker des E-Vo­tings auf: Im Kan­ton Zü­rich hat sich ei­ne Kan­tons­rats­kom­mis­si­on da­für aus­ge­spro­chen, dem Pro­jekt für das elek­tro­ni­sche Ab­stim­men den Geld­hahn zu­zu­dre­hen und es ab­zu­bre­chen, wie die «Lim­mat­ta­ler Zei­tung» be­rich­tet. Steht das um­strit­te­ne E-Vo­ting auch in Zü­rich vor dem Aus? Es wä­re für die Geg­ner ei­ne wei­te­re fro­he Kun­de. Der Kan­ton Genf hat un­längst ent­schie­den, die Wei­ter­ent­wick­lung sei­ner Soft­ware ein­zu­stel­len, und der Glar­ner Land­rat hat am Don­ners­tag mit deut­li­chem Mehr be­schlos­sen, E-Vo­ting aus der Le­gis­la­tur­pla­nung zu strei­chen und ein Mo­ra­to­ri­um zu ver­lan­gen. Dies be­rich­tet die «Süd­ost­schweiz».

Doch we­gen Zü­rich kön­nen die Kri­ti­ker nicht froh­lo­cken. Die Ver­wal­tung wird die Vor­be­rei­tun­gen für das EVo­ting auch im nächs­ten Jahr wei­ter­füh­ren, wie ei­ne Nach­fra­ge beim fe­der­füh­ren­den Sta­tis­ti­schen Amt er­gibt. Die An­trä­ge der Kom­mis­si­on – der ei­ne von ei­nem Grü­nen ein­ge­bracht, der an­de­re von ei­nem SVP-Mit­glied – wer­den den Gang der Din­ge kaum be­ein­flus­sen und ha­ben eher sym­bo­li­schen Cha­rak­ter. Denn ers­tens sind sie für den Re­gie­rungs­rat nicht ver­bind­lich, und zwei­tens geht es um Geld, das ge­mäss Aus­kunft des Sta­ti­schen Amts der­zeit oh­ne­hin nicht ge­braucht wird.

Kon­kret will die Kom­mis­si­on für Staat und Ge­mein­den zwei Än­de­run­gen am kon­so­li­dier­ten Ent­wick­lungs- und Fi­nanz­plan vor­neh­men, mit dem sich der Kan­tons­rat ab Mon­tag gleich­zei­tig mit dem Bud­get be­schäf­tigt. Ers­tens soll auf ei­ne neue Stel­le ver­zich­tet wer­den, die für Aus­schrei­bung, Ein­füh­rung und Be­trieb ei­nes E-Vo­ting-Sys­tems vor­ge­se­hen ist. Zwei­tens geht es um die Strei­chung von ins­ge­samt 800 000 Fran­ken, die 2020 und 2021 in Com­pu­ter­sys­te­me im Um­feld des E-Vo­tings hät­ten flies­sen sol­len. Zum Bei­spiel in Schnitt­stel­len zum heu­te schon ver­wen­de­ten Sys­tem für Wah­len und Ab­stim­mun­gen Wab­sti, zum kan­to­na­len Ein­woh­ner­re­gis­ter oder zum Hoch­la­den der Ab­stim­mungs­un­ter­la­gen.

Die Crux: Selbst wenn der Kan­tons­rat die Strei­chung der Gel­der un­ter­stützt, muss der Re­gie­rungs­rat sich nicht dar­an hal­ten. Denn an­ders als beim Bud­get kann der Rat nicht di­rekt in die Fi­nanz­pla­nung ein­grei­fen. Die Er­klä­run­gen sind eher ei­ne Auf­for­de­rung an die Re­gie­rung, zu der sie Stel­lung be­zie­hen, aber die sie nicht un­be­dingt um­set­zen muss.

Hin­zu kommt, dass das Sta­tis­ti­sche Amt das Geld nach der­zei­ti­gem Stand bis 2022 oh­ne­hin nicht be­nö­tigt, wie der Amts­lei­ter Ste­fan Lan­ge­nau­er sagt. Denn der Re­gie­rungs­rat hat im Früh­ling zwar ent­schie­den, E-Vo­ting als zu­sätz­li­chen Weg der Stimm­ab­ga­be an­zu­bie­ten. Mo­men­tan sind aber we­der Ver­su­che im Gang noch In­ves­ti­tio­nen – et­wa die Be­schaf­fung ei­nes Sys­tems – ge­plant. Viel­mehr be­rei­tet das Amt ei­ne Ge­set­zes­an­pas­sung vor, da vor der Ein­füh­rung das Ge­setz über die po­li­ti­schen Rech­te ge­än­dert wer­den muss. Sie soll 2019 in der zwei­ten Jah­res­hälf­te in die Ver­nehm­las­sung ge­hen. Erst wenn das Ge­setz ver­ab­schie­det wer­den soll­te, sind In­ves­ti­tio­nen nö­tig. Man kön­ne da­her mit den Strei­chun­gen le­ben, sagt Lan­ge­nau­er. Die Mit­tel in der Fi­nanz­pla­nung stamm­ten noch aus ei­ner Zeit, da mit ei­ner Ein­füh­rung des E-Vo­tings im Jahr 2020 ge­rech­net wur­de.

Die Vor­ar­bei­ten am E-Vo­ting wird sie kaum er­schüt­tern, aber als Stim­mungs­test wird die De­bat­te im Kan­tons­rat al­le­mal span­nend sein. Si­cher­heits­be­den­ken gibt es nicht nur bei der SVP und den Grü­nen, son­dern auch in an­de­ren Frak­tio­nen. Jörg Mä­der, der Re­gie­rungs­rats­kan­di­dat der tech­ni­kaf­fi­nen Grün­li­be­ra­len, hat am ver­gan­ge­nen Mon­tag in ei­ner Frak­ti­ons­er­klä­rung ei­nen Ab­bruch ge­for­dert: «Un­ser Ver­stand sagt: E-Vo­ting? Nein, dan­ke!»

Der Kan­ton Genf hat­te En­de No­vem­ber ent­schie­den, sein ei­ge­nes Sys­tem für die elek­tro­ni­sche Stimm­ab­ga­be nicht wei­ter­zu­füh­ren und spä­tes­tens An­fang 2020 ein­zu­stel­len. Die Wei­ter­ent­wick­lung stell­te sich schliess­lich als zu kom­plex und zu teu­er her­aus, auch weil die an­de­ren Kan­to­ne, die das Gen­fer «CHVo­te» ein­set­zen, sich fi­nan­zi­ell nicht stär­ker en­ga­gie­ren woll­ten. Dies hat­te al­ler­dings kei­nen Zu­sam­men­hang mit der Schwach­stel­le der In­ter­net-Adres­sie­rung, die der Cha­os Com­pu­ter Club An­fang No­vem­ber pu­blik ge­macht hat­te. Nach dem Aus­stieg von Genf gibt es in der Schweiz nur noch ein zu­ge­las­se­nes E-Vo­ting-Sys­tem – das­je­ni­ge der Schwei­ze­ri­schen Post.

Die Lin­ke be­haup­tet, es dro­he die Pri­va­ti­sie­rung des Trink­was­sers. Da­ge­gen ver­wehrt sich das Ko­mi­tee. Pri­va­ti­sie­run­gen sei­en ge­ra­de nicht mehr mög­lich. All­fäl­li­ge pri­va­te Be­tei­li­gun­gen wür­den auf ma­xi­mal 49 Pro­zent be­schränkt – die Stimm­rech­te so­gar auf 33 Pro­zent. Das Prin­zip der kos­ten­de­cken­den und ver­ur­sa­cher­ge­rech­ten Ge­büh­ren wer­de noch­mals ex­pli­zit im Ge­setz ver­an­kert. Dar­über hin­aus wür­den im Ge­setz auch Um­welt­schutz, Hoch­was­ser­schutz, Land­wirt­schaft und Ei­gen­tums­rech­te aus­ge­wo­gen be­rück­sich­tigt. rund 190 Fran­ken. Das ist mehr Geld, als man für ei­nen ver­gleich­ba­ren Weg­werf­baum aus­ge­ben wür­de, aber schon nach zwei Weih­nachts­fes­ten ist die Tan­ne si­cher amor­ti­siert. Für ei­nen et­wa drei Me­ter ho­hen Baum be­zahlt man in­des­sen be­reits 1600 Fran­ken. Da muss die Tan­ne gu­te fünf Jah­re über­le­ben, bis es sich aus­zahlt. Aber be­reits ste­hen auch die ers­ten klei­nen Bäum­chen im Topf vor dem Bau­markt, und die Kon­kur­renz wird bald die Prei­se drü­cken, so dass die Tan­ne im Topf zum Ge­schenk wer­den könn­te.

Das Hand­ling ist bei ro­bus­ten Baum­sor­ten un­pro­ble­ma­tisch. Man holt den Baum so spät wie mög­lich von sei­nem Platz im Gar­ten, wo er über­som­mert hat, und lässt ihn dann im nicht über­heiz­ten Raum ste­hen. So früh wie mög­lich, wenn die Fes­ti­vi­tä­ten vor­bei sind, ent­klei­det man ihn von sei­nem Schmuck und stellt ihn wie­der ins Freie. Wer al­ler­dings die Mög­lich­keit hat, lässt ihm in ei­nem nicht wirk­lich ge­heiz­ten, aber frost­frei­en Raum (im Trep­pen­haus oder in der Ga­ra­ge) ein, zwei Ta­ge Zeit für die Ak­kli­ma­ti­sa­ti­on, da­mit der Wech­sel zu­rück in den Gar­ten nicht wie ein Schock wirkt. Tan­nen sind ro­bus­te Bäu­me: In den Ber­gen wech­seln sich eis­kal­te Näch­te und war­me Föhn­ta­ge oft ab. Für Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen sind sie ge­wapp­net. Auf Was­ser sind sie al­ler­dings im­mer an­ge­wie­sen.

Das Pro­blem ist viel­mehr, dass grös­se­re Bäu­me auch grös­se­re Wur­zel­bal­len ha­ben und sich nur un­gern in ei­nen hand­li­chen Topf ver­pflan­zen las­sen. Am bes­ten ist des­halb, man kauft ei­nen be­reits im Topf gross ge­wor­de­nen Baum. Lei­der sind die schöns­ten Ar­ten wie No­bi­lis-, Ko­rea- oder Pins­apoTan­ne et­was hei­kel. Meist bleibt nur die Nord­mann­tan­ne, wenn man ei­nen Baum will, der in Eta­gen wächst, so dass man auch Ker­zen und Ku­geln be­fes­ti­gen kann.

GORAN BA­SIC / NZZ

Wer on­line stimmt und wählt, kann dies tun, wann im­mer es ihm be­liebt – nicht nur an den vor­ge­ge­be­nen Ta­gen.

IL­LUS­TRA­TI­ON EVA KLÄUI

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