Was es mit dem «Slot Free­ze» auf sich hat

Neue Zurcher Zeitung - - ZÜRICH UND REGION -

mvl. · Nicht nur der ZFI, son­dern auch die Lärm­schutz­vor­ga­ben des Bun­des wer­den re­gel­mäs­sig über­schrit­ten. Die­se sind im Ge­gen­satz zum ZFI rechts­ver­bind­lich. Das Bazl hat den Flug­ha­fen des­halb die­sen Som­mer ge­rügt. Die­ser darf seit­her kei­ne zu­sätz­li­chen Zeit­fens­ter (Slots) in den Abend­stun­den ver­ge­ben. Vom «Slot Free­ze» ist die Re­de. Dar­auf­hin liess der Flug­ha­fen Lärm­be­rech­nun­gen durch­füh­ren und reich­te die­se beim Bazl ein, mit dem Ziel, neue Grenz­wer­te zu er­hal­ten. Der Vor­gang er­in­nert an ei­nen Au­to­mo­bi­lis­ten, der in­ner­orts mit 80 Ki­lo­me­tern pro St­un­de un­ter­wegs ist, er­wischt wird und als Re­ak­ti­on for­dert, die In­ner­orts­be­gren­zung zu er­hö­hen. Doch die­se Sicht wä­re ver­kürzt. Um ei­nen Flug­ha­fen über­haupt be­trei­ben zu kön­nen, muss ein be­stimm­tes Ge­biet be­lärmt wer­den dür­fen. Aber der Mecha­nis­mus, wie die­ses Ge­biet fest­ge­legt wird, ist ins Sto­cken ge­ra­ten.

Um den Vor­gang zu ver­ste­hen, muss man sich den Pla­nungs­pro­zess der Be­lär­mung vor Au­gen füh­ren. Er lässt sich mit der Raum­pla­nung in Bauf­ra­gen ver­glei­chen. Dort legt der Kan­ton in der Richt­pla­nung das Sied­lungs­ge­biet ei­ner Ge­mein­de fest. Rechts­gül­tig bau­en darf man aber erst, wenn die Ge­mein­de das Sied­lungs­ge­biet mit Zo­nen­plä­nen aus­ge­füllt hat. Bei der Be­lär­mung funk­tio­niert es ver­gleich­bar: Der Bund legt mit dem Sach­plan In­fra­struk­tur der Luft­fahrt (SIL) das Ge­biet fest, in dem der Flug­ha­fen grund­sätz­lich Lärm ver­ur­sa­chen kann. Rechts­ver­bind­lich fest­ge­legt wird das kon­kre­te be­lärm­te Ge­biet aber erst mit dem Be­triebs­re­gle­ment des Flug­ha­fens.Im Som­mer 2017 wur­de der SIL 2 ver­ab­schie­det. So­mit wä­re das Ge­biet, das man grund­sätz­lich be­lär­men darf, grund­sätz­lich de­fi­niert. Aber rechts­ver­bind­lich fest­ge­legt ist es nicht, weil die aus dem SIL fol­gen­den Be­triebs­re­gle­men­te durch Rechts­ver­fah­ren blo­ckiert sind.

In Kraft ist heu­te im­mer noch das Be­triebs­re­gle­ment aus den nul­ler Jah­ren. Das Ge­biet, das theo­re­tisch be­lärmt wer­den dürf­te, ist al­so mas­siv grös­ser als je­nes Ge­biet, in dem der Lärm heu­te rechts­ver­bind­lich ge­neh­migt ist. Hin­zu kommt, dass man in den nul­ler Jah­ren falsch pro­gnos­ti­zier­te. Vor al­lem das Wachs­tum der Langstre­cken­ver­bin­dun­gen wur­de un­ter­schätzt. Die Lärm­be­las­tung ist heu­te deut­lich grös­ser als da­mals an­ge­nom­men. Auch das tat­säch­lich be­lärm­te Ge­biet ist al­so mas­siv grös­ser als je­nes Ge­biet, in dem der Lärm rechts­ver­bind­lich ge­neh­migt ist. Die Fol­ge: Der Flug­ha­fen ver­letzt die Vor­ga­ben im­mer wie­der stark.

Weil die Be­triebs­re­gle­men­te noch lan­ge nicht ver­ab­schie­det wer­den kön­nen, prüft das Bazl ei­ne Art Ab­kür­zung, um das Ge­biet mit mög­li­cher Lärm­be­las­tung aus­zu­deh­nen – bis an die Gren­zen des im SIL um­ris­se­nen Ge­bie­tes. Das Bazl spricht von «Sa­nie­rung». Es kom­mu­ni­zier­te die­se zeit­gleich mit dem «Slot Free­ze» im Som­mer 2018. Dies er­klärt, war­um er den Flug­ha­fen zu Lärm­be­rech­nun­gen auf­for­der­te. Ziel sind zwar tat­säch­lich neue Grenz­wer­te, aber die­se sind le­gi­tim: Der Flug­ha­fen muss sich nach wie vor an die Vor­ga­ben des SIL 2 han­deln. Es geht dar­um, aus all­ge­mei­nen Vor­ga­ben rechts­ver­bind­li­che zu ma­chen.

Al­ler­dings ver­letzt der Flug­ha­fen der­zeit selbst die SIL-2-Grenz­wer­te, be­lärmt al­so zu den Nacht­stun­den ein grös­se­res Ge­biet. Das Bazl hat den Flug­ha­fen des­halb zu ver­schie­de­nen Ein­zel­mass­nah­men auf­ge­for­dert, um den Nacht­lärm zu re­du­zie­ren. Ziel ist es, den Lärm in das im SIL de­fi­nier­te Ge­biet «zu­rück­zu­drän­gen». Erst wenn dem Flug­ha­fen dies ge­lingt, dürf­te der «Slot Free­ze» wie­der auf­ge­ho­ben wer­den. ei­ner­seits, dem Flug­be­trieb an­de­rer­seits. 2017 fiel der Flug­be­trieb beim An­stieg leicht stär­ker (56 Pro­zent) ins Ge­wicht. Da­bei gilt es im Au­ge zu be­hal­ten, dass die An­zahl der Flug­be­we­gun­gen im­mer noch deut­lich un­ter dem Stand des Jah­res 2000 liegt. Kon­se­quen­zen hat die Über­schrei­tung nicht, weil es sich beim ZFI be­kannt­lich um ei­ne Zürcher Ei­gen­er­fin­dung aus­ser­halb der Lärm­schutz­ge­setz­ge­bung han­delt.

Ide­en, wie dem Flug­ver­kehr des Nachts bei­zu­kom­men wä­re, gibt es man­che. Aber der Ein­fluss des Kan­tons auf Än­de­run­gen am Flug­be­trieb ist ge­ring. Die­se Ein­sicht mag der Grund da­für ge­we­sen sein, dass man an der Kon­fe­renz viel von Mass­nah­men im Klei­nen hör­te. So wird die Swiss zu­sätz­li­ches Per­so­nal im Bo­den­be­reich ein­set­zen, um die Pünkt­lich­keit zu ver­bes­sern. Zu die­sem Zweck nimmt man auch Puf­fer in der Flug­pla­nung in Kauf. Da­mit will man dem Pro­blem be­geg­nen, dass sich die Ver­spä­tung bei ei­nem Flug­zeug im Kurz­stre­cken­ein­satz im Ta­ges­ver­lauf ku­mu­liert. Die ent­spre­chen­den Kos­ten müs­se man in Kauf neh­men, um die Pünkt­lich­keit zu ver­bes­sern, sag­te Tho­mas Klühr – zu­guns­ten der An­woh­ner, aber na­tür­lich auch der Kun­den.

Stei­ler und ru­hi­ger an­flie­gen

Der­zeit wird an ei­nem neu­en, stei­le­ren An­flug­ver­fah­ren ge­forscht, das deut­lich lei­ser sein soll. Be­tei­ligt an dem Pro­jekt sind un­ter an­de­rem der Flug­ha­fen, die Stif­tung Sky­lab und die Swiss. 2021 könn­te das Ver­fah­ren ein­ge­führt wer­den. Pro­fi­tie­ren wür­den länd­li­che Ge­bie­te in ge­wis­ser Ent­fer­nung zum Flug­ha­fen, in de­nen die Be­las­tung nicht be­son­ders gross sei, der Lärm aber sehr stark wahr­ge­nom­men wer­de, sag­te Denn­ler. Er kün­dig­te zu­dem an, dass die Em­pa ih­re Flug­lärm­mes­sun­gen ak­tua­li­sie­ren wer­de. Es sei zu er­war­ten, dass man bis­her zu kon­ser­va­tiv ge­rech­net ha­be, dass al­so die tat­säch­li­che Lärm­be­las­tung ge­rin­ger sei als an­ge­nom­men. Dies wer­de sich nächs­tes Jahr auf den ZFI aus­wir­ken.

Han­deln will die Re­gie­rung schliess­lich, in­dem sie den ZFI ver­än­dert. Sie hat vom Kan­tons­rat da­zu den Auf­trag er­hal­ten. Es lau­fe kei­nes­wegs auf ei­ne Ab­schaf­fung hin­aus, be­ton­te Wal­ker Späh. Aber es brau­che ein ehr­li­ches In­stru­ment, das die Ent­wick­lung rich­tig ab­bil­de. Es kön­ne nicht sein, dass sich das vom Kan­ton ge­för­der­te Be­völ­ke­rungs­wachs­tum der­art ne­ga­tiv aus­wir­ke. «Ei­gent­lich zei­gen die Zah­len doch, dass wir er­folg­reich sind: dass wir den Flug­ver­kehr ab­wi­ckeln kön­nen und dass die Leu­te in die Flug­ha­fen­re­gi­on zie­hen wol­len.» Dies müs­se end­lich bes­ser zum Aus­druck kom­men.

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