Die be­lieb­tes­ten Lü­gen von Herrn und Frau Schwei­zer

Zeug­nis­se blü­hen­der Phan­ta­sie in der «Fa­ke»-Aus­stel­lung im Stap­fer­haus Lenz­burg

Neue Zurcher Zeitung - - PANORAMA - REBEKKA HAEFELI

Ha­ben Sie heu­te schon ge­lo­gen? – Ge­lo­gen nicht, den­ken Sie jetzt wahr­schein­lich. Aber viel­leicht ha­ben Sie ge­schum­melt oder ge­schwin­delt, je­man­dem nicht die gan­ze Wahr­heit ge­sagt oder ei­ne Not­lü­ge auf­ge­tischt? Fa­cet­ten des Lü­gens gibt es vie­le, und um die­sen auf die Spur zu kom­men, hat sich das Stap­fer­haus in Lenz­burg für sei­ne neue Aus­stel­lung in das «Amt für die gan­ze Wahr­heit» ver­wan­delt.

Ver­rä­te­ri­sches Schwit­zen

Das Stap­fer­haus rich­tet den Fo­kus auf all das, was sich un­ter dem Ti­tel «Fa­ke» zu­sam­men­fas­sen lässt. An­hand von un­ter­schied­li­chen Ex­po­na­ten und in­ter­ak­ti­ven Sta­tio­nen wer­den die Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher mit Lü­gen, Fäl­schun­gen und mit der Su­che nach der Wahr­heit kon­fron­tiert. So gibt es zum Bei­spiel raf­fi­nier­te Spick­zet­tel, ge­fälsch­te Uh­ren und ein ech­tes, mil­lio­nen­teu­res Ge­mäl­de von Paul Gau­gu­in aus dem Aar­gau­er Kunst­haus zu be­sich­ti­gen.

Im «La­bor für Lü­gen­er­ken­nung» kann man sich ei­nem Test mit ei­nem Lü­gen­de­tek­tor un­ter­zie­hen und prü­fen, wie gut man schwin­deln kann, oh­ne mit der Wim­per zu zu­cken. Der Lü­gen­de­tek­tor misst den Haut­wi­der­stand, der durch die Ak­ti­vi­tät der Schweiss­drü­sen und durch Stress be­ein­flusst wird. In ei­ner an­de­ren Ab­tei­lung des «Am­tes für die gan­ze Wahr­heit» lässt sich an­hand ei­ner Welt­kar­te mit ro­ten Leucht­punk­ten in Echt­zeit ver­fol­gen, wie schnell sich ein Tweet von US-Prä­si­dent Trump, der den Be­griff Fa­ke-News ge­prägt hat, über die Er­de ver­brei­tet.

Die Aus­stel­lung, die bis im No­vem­ber nächs­ten Jah­res läuft, ent­wi­ckelt sich stän­dig wei­ter. In der «Zen­tra­len Lü­ge­n­an­lauf­stel­le» sind die Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher auf­ge­for­dert, ech­te Lü­gen­ge­schich­ten aus dem All­tag zu be­wer­ten. Da ist die Er­zäh­lung ei­ner Frau zu hö­ren, die ih­rer Mut­ter am Ster­be­bett ver­spro­chen hat, den un­ter ei­ner be­gin­nen­den De­menz lei­den­den Va­ter nie ins Heim zu ge­ben: ei­ne Not­lü­ge, da­mit die Mut­ter ru­hig ster­ben konn­te. Ein jun­ger Mann be­rich­tet, wie er sei­ne Ho­mo­se­xua­li­tät über Jah­re ver­heim­licht ha­be. Er be­fürch­te­te, von den Mit­schü­lern und Kol­le­gen aus­ge­schlos­sen und von den El­tern be­straft zu wer­den.

Die «schlimms­ten» Lü­gen

Die Be­su­cher sol­len die­se Lü­gen auf ei­ner Ska­la ein­schät­zen und be­ur­tei­len, ob sie die Phan­ta­sie­geschich­ten für zu­läs­sig bis un­to­le­rier­bar hal­ten. Die Be­wer­tung kann mit al­len an­de­ren bis da­hin ab­ge­ge­be­nen Ein­schät­zun­gen ver­gli­chen wer­den, und es wird ein Ran­king er­stellt, wie Son­ja Enz, Pro­jekt­lei­te­rin im Stap­fer­haus, er­klärt. «Als schlim­me Lü­gen be­ur­tei­len vie­le Be­su­cher zum Bei­spiel die Leug­nung ei­nes Völ­ker­mords, ver­heim­lich­te Dro­gen­sucht oder Fremd­ge­hen.»

Von den Be­su­chern, die mit­ma­chen, wer­den laut Son­ja Enz so­zio­de­mo­gra­fi­sche Da­ten wie das Al­ter, das Ge­schlecht und der Wohn­ort er­ho­ben. Die Beur­tei­lung der Lü­gen kann so­mit auf­grund die­ser Be­su­cher­da­ten aus­ge­wer­tet wer­den. «Zu se­hen, dass ei­ne be­stimm­te Lü­gen­ge­schich­te von Land- und Stadt­be­woh­nern oder von al­ten und jun­gen Leu­ten ganz un­ter­schied­lich be­ur­teilt wird, wird sehr span­nend sein», sagt Son­ja Enz. Zur­zeit sei aber noch nicht ent­schie­den, wie die Aus­wer­tung in die Schau ein­ge­bun­den wer­de.

Auch in ei­nem an­de­ren Punkt be­fin­det sich die «Fa­ke»-Aus­stel­lung noch in Ent­wick­lung: Die Be­su­cher wer­den ge­be­ten,

PD

Lü­ge! Das ro­te Licht «be­weist», dass der Aus­stel­lungs­be­su­cher nicht die Wahr­heit ge­sagt hat.

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