Die Ku­lis­se des neu­en Frank­reich wa­ckelt

Neue Zurcher Zeitung - - WIRTSCHAFT -

Ni­na Belz, Pa­ris · Nach der Fussball-Welt­meis­ter­schaft hat Frank­reich noch ei­nen Eu­ro­pa­meis­ter­ti­tel ge­holt. Wie die OECD mit­teil­te, hat Frank­reich 2017 die höchs­te Steu­er­quo­te un­ter den 36 Mit­glied­staa­ten er­reicht. Fast die Hälf­te des Brut­to­in­land­pro­duk­tes, ge­nau­er 46,2%, stammt aus Steu­ern und Ab­ga­ben. An­ders aus­ge­drückt: Von ei­nem er­wirt­schaf­te­ten Eu­ro stam­men fast 50 Cent aus Ab­ga­ben, die Pri­vat­per­so­nen oder Fir­men an den Staat leis­ten. Zum glei­chen Schluss kommt die eu­ro­päi­sche Sta­tis­tik­be­hör­de Eu­ro­s­tat.

Dass die Steu­er­be­las­tung in Frank­reich hoch ist, drückt sich der­zeit in den Pro­tes­ten der so­ge­nann­ten Gelb­wes­ten aus. Die ge­plan­te Steu­er­er­hö­hung auf Ben­zin und Die­sel war nur der Trop­fen, der das Fass zum Über­lau­fen brach­te. Vie­le Fran­zo­sen, die in gel­ben Warn­wes­ten an Kreu­zun­gen im gan­zen Land ste­hen, be­kla­gen, dass sie an­ge­sichts der ho­hen Steu­ern und Ab­ga­ben kaum über die Run­den kä­men. Das hin­dert die staat­li­che Agen­tur Bu­si­ness Fran­ce nicht dar­an, den Wirt­schafts­stand­ort Frank­reich in den hells­ten Far­ben zu ma­len. Das Land ha­be in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren im Ran­king der An­zie­hungs­kraft für aus­län­di­sche Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen zehn Plät­ze gut­ge­macht, heisst es in ei­nem kürz­lich ver­sand­ten News­let­ter mit dem Ti­tel «At­trak­ti­ver und si­che­rer Ha­fen für in­ter­na­tio­na­le In­ves­to­ren». Laut ei­ner Stu­die, die Bu­si­ness Fran­ce in Auf­trag ge­ge­ben hat, fusst das ge­stei­ger­te In­ter­es­se «auf der gu­ten In­fra­struk­tur, ei­nem ver­bes­ser­ten re­gu­la­to­ri­schen Um­feld und ei­ner funk­tio­nie­ren­den Un­ter­neh­mens­fi­nan­zie­rung mit Schwer­punkt auf for­schungs­star­ken Un­ter­neh­men».

Doch in die­sen un­ru­hi­gen Ta­gen wa­ckelt die Ku­lis­se der in­no­va­ti­ven, ge­schäfts­freund­li­chen «Star­t­up-Na­ti­on», die Em­ma­nu­el Ma­cron auf­ge­baut ha­ben will, ge­wal­tig. Die Streit aus­lö­sen­de Treib­stoff­s­teu­er hat die Re­gie­rung zwar vor­erst ge­stri­chen. Aber schon ist die Re­de da­von, die Ver­mö­gens­steu­er, die Ma­cron zu Be­ginn sei­ner Amts­zeit ab­ge­schafft hat­te, wie­der ein­zu­füh­ren. Es ist nicht al­lein die Steu­er­last, die auf in­ter­na­tio­na­le Un­ter­neh­mer ab­schre­ckend wirkt. Es ist auch die re­gu­la­to­ri­sche Un­si­cher­heit, der Ma­cron zu ver­fal­len scheint.

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