Die Opec wi­der­setzt sich Trumps Wunsch

Ge­rin­ge­re Öl­för­de­rung ab Ja­nu­ar

Neue Zurcher Zeitung - - WIRTSCHAFT - GERALD HOSP

Es ist ei­ne schwe­re Ge­burt ge­we­sen. Nach­dem am Don­ners­tag die Ge­sprä­che un­ter den Mit­glie­dern der Or­ga­ni­sa­ti­on erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der (Opec) er­geb­nis­los ge­en­det hat­ten, kam es am Frei­tag in Wi­en doch noch zu ei­ner Ei­ni­gung zwi­schen der Opec und an­de­ren Pe­tro-Staa­ten, die von Russland an­ge­führt wer­den. Die Erd­öl­mi­nis­ter der ver­schie­de­nen Län­der ei­nig­ten sich auf ei­ne ge­mein­sa­me Dros­se­lung der För­de­rung um 1,2 Mio. Fass Roh­öl pro Tag. Die Pro­duk­ti­ons­kür­zung soll im neu­en Jahr be­gin­nen und zu­nächst für sechs Mo­na­te gel­ten.

Die An­kün­di­gung liess den Preis für die Nord­see-Erd­öl­sor­te Brent um mehr als 5% auf knapp 63 $ pro Fass stei­gen. In den zwei Mo­na­ten zu­vor war die Erd­öl­no­tiz um rund 30% von mehr als 85 $ auf we­ni­ger als 60 $ ge­fal­len. Die Pe­troStaa­ten möch­ten mit der Dros­se­lung ei­nen neu­er­li­chen Preis­an­stieg er­wir­ken. Im Vor­feld hat­te es ge­heis­sen, dass die För­der­men­ge um min­des­tens 1,3 Mio. bis 1,5 Mio. Fass Erd­öl je Tag ge­kürzt wer­den müs­se, um An­ge­bot und Nach­fra­ge wie­der in Ein­klang zu brin­gen.

In den ver­gan­ge­nen Ta­gen gab der sau­di­sche Erd­öl­mi­nis­ter Kha­lid al-Fa­lih je­doch zu ver­ste­hen, dass die För­de­rung wohl nur um 1 Mio. Fass ge­dros­selt wer­de – wenn über­haupt. Weil das Er­geb­nis des Opec-Tref­fens jetzt über die­sen Er­war­tun­gen lag, zog der Erd­öl­preis zu­nächst kräf­tig an. Denn die For­de­rung

Sau­di­ara­bi­en be­müh­te sich für ein­mal, nicht all­zu do­mi­nant auf­zu­tre­ten.

des ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Do­nald Trump, die Erd­öl­häh­ne of­fen zu las­sen, wur­de nicht er­hört.

Die Staa­ten ver­ein­bar­ten, dass die Opec-Mit­glie­der ih­re För­der­men­ge um ins­ge­samt 0,8 Mio. Fass kür­zen, die üb­ri­gen Pe­tro-Staa­ten über­neh­men den Rest. Als Grund­la­ge wird die Pro­duk­ti­ons­men­ge im Ok­to­ber ge­nom­men. Die Opec-Mit­glie­der Iran, Ve­ne­zue­la und Li­by­en dürf­ten Aus­nah­me­re­ge­lun­gen er­hal­ten ha­ben. Be­son­ders um die Rol­le Irans, das un­ter Sank­tio­nen der USA steht, wur­de ge­strit­ten. Sau­di­ara­bi­en, der Rä­dels­füh­rer in der Opec, woll­te dem re­gio­na­len Kon­kur­ren­ten Iran of­fen­bar kei­ne Aus­nah­me zu­ge­ste­hen. Erst un­ter Ver­mitt­lung von Mos­kau kam es nach lang­wie­ri­gen Ver­hand­lun­gen zu ei­ner Ei­ni­gung.

Sau­di­ara­bi­en be­müh­te sich für ein­mal, nicht all­zu do­mi­nant auf­zu­tre­ten. Das Di­lem­ma von Ri­ad be­stand dar­in, dass es we­gen des ge­fal­le­nen Erd­öl­prei­ses un­ter wirt­schaft­li­chem Druck steht. Gleich­zei­tig möch­ten die Sau­di Prä­si­dent Trump nicht ver­prel­len, der ei­nen nied­ri­gen Erd­öl­preis ge­for­dert hat. Der sau­di­sche Kron­prinz Mo­ham­med bin Sal­man ist Trump zu­dem zu Dank ver­pflich­tet, weil der US-Prä­si­dent an sei­nem Ver­bün­de­ten fest­hielt, trotz der mut­mass­li­chen Ver­stri­ckung des Kron­prin­zen in den Mord am sau­di­schen Jour­na­lis­ten Ja­mal Khas­hog­gi. Die Ver­hand­lun­gen dürf­ten auch län­ger ge­dau­ert ha­ben, weil Sau­di­ara­bi­en die an­de­ren Pe­tro-Staa­ten über­zeu­gen muss­te, ei­nen gros­sen Teil der Last zu über­neh­men.

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