Wo die gröss­ten Geld­wä­sche­rei­ri­si­ken lau­ern

Neue Zurcher Zeitung - - WIRTSCHAFT -

Z. B. · Wer­den in­ter­na­tio­nal Un­ter­su­chun­gen we­gen des Ver­dachts auf Geld­wä­sche­rei ge­gen Ein­zel­per­so­nen ein­ge­lei­tet, sind oft auch Schwei­zer Ban­ken in­vol­viert, wie im Fall Fi­fa und je­nem des staat­li­chen Erd­öl­kon­zerns Ve­ne­zue­las. We­gen der ex­zel­len­ten Po­si­tio­nie­rung im welt­wei­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­schäft hät­ten Schwei­zer Ban­ken na­tür­lich ei­ne hö­he­re Ri­si­ko­klas­si­fi­zie­rung als Ban­ken in an­de­ren Län­dern, sagt Gün­ter De­gitz, Geld­wä­sche­rei-Ex­per­te bei Ali­xPart­ners. Da­für wür­den die hie­si­gen Ban­ken ih­re Kun­den und die wirt­schaft­lich Be­rech­tig­ten hin­ter Ver­mö­gens­kon­struk­ten aber deut­lich bes­ser ken­nen als aus­län­di­sche Ban­ken. Der Grund da­für sei­en die sich lau­fend ver­schär­fen­den re­gu­la­to­ri­schen Vor­ga­ben hier­zu­lan­de, aber auch, dass Ban­ken das Ge­schäft ih­rer Kun­den sehr gut ver­stün­den.

Die Be­deu­tung der Com­p­li­an­ce hat in den letz­ten Jah­ren stark zu­ge­nom­men. Die Her­aus­for­de­rung liegt heu­te dar­in, als Schwei­zer Bank auch al­le aus­län­di­schen Kun­den sehr gut zu ken­nen. Das ist oft schwie­rig. Wer­de ein Kun­den­porte­feuille im Aus­land über­nom­men, sei der Auf­wand enorm. Es gel­te, un­ter­schied­li­che IT-Sys­te­me und Stan­dards so­wie ei­nen Kun­den­be­stand auf die ei­ge­nen Platt­for­men zu über­füh­ren, was un­an­ge­neh­me Über­ra­schun­gen ber­gen kön­ne, so De­gitz. Ein gros­ser Ri­si­ko­fak­tor sind Alt­da­ten. Neu­kun­den wer­den heu­te auf Herz und Nie­ren ge­prüft. Bei äl­te­ren Kon­to­be­zie­hun­gen da­ge­gen be­ste­he das Ri­si­ko, dass un­voll­stän­di­ge oder fal­sche In­for­ma­tio­nen vor­lä­gen, die zu­dem elek­tro­nisch nicht zur Ver­fü­gung stün­den, sagt De­gitz.

Ein wei­te­rer Ri­si­ko­fak­tor sind Kun­den oder Mit­ar­bei­ter, die re­le­van­te In­for­ma­tio­nen ver­schlei­ern oder gar fäl­schen. Das kann die rich­ti­ge Klas­si­fi­zie­rung als Ri­si­ko­kun­de zu­min­dest zu Be­ginn ver­hin­dern. Geld­wä­sche­rei lau­fe heu­te oft über ein kom­ple­xes Kon­strukt, das meh­re­re Fir­men, Ein­zel­per­so­nen und Län­der ein­be­zie­he, sagt De­gitz. Um sol­che Mus­ter auf­zu­de­cken, be­nö­tig­ten die Ban­ken noch viel zu­sätz­li­ches Wis­sen. Veit Büt­ter­lin von Ali­xPart­ners führt aus, dass die rasch ge­stie­ge­nen re­gu­la­to­ri­schen An­for­de­run­gen zu ei­nem Mehr­auf­wand bei den In­sti­tu­ten ge­führt hät­ten. Er be­tont aber, dass selbst in Län­dern, die als sehr kor­rupt gäl­ten, vie­le Kun­den le­gi­tim und da­mit sau­ber ar­bei­te­ten.

Noch ein wei­te­rer ve­ne­zo­la­ni­scher Ri­si­ko­kun­de soll ein Kon­to bei Bär ge­habt ha­ben. Der frü­he­re Vi­ze-Ener­gie­mi­nis­ter Ner­vis Vil­lalo­bos hat laut ei­nem Ein­ge­weih­ten bis im Früh­jahr 2017 Gel­der bei der Bank an­ge­legt. Bär nimmt da­zu kei­ne Stel­lung. Si­cher ist, dass meh­re­re Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den ge­gen Vil­lalo­bos er­mit­teln. Auch ihm wird un­ter an­de­rem Geld­wä­sche­rei im Fall PDVSA vor­ge­wor­fen.

Wei­te­re Fin­ma-Ver­fah­ren

War­um Bär-Mit­ar­bei­ter jah­re­lang be­trü­ge­risch han­deln konn­ten und Ri­si­ko­kun­den wohl nicht aus­rei­chend über­wacht wur­den, ist bis heu­te un­klar. Gor­rín und Vil­lalo­bos sind be­kann­te Per­sön­lich­kei­ten in Ve­ne­zue­la. Letzt­ge­nann­ter war Mit­glied der Chá­vez-Re­gie­rung, Erst­ge­nann­ter ar­bei­te­te eng mit der Re­gie­rung von Ma­du­ro zu­sam­men. Bei bei­den stell­ten lo­ka­le Me­di­en und On­line-Por­ta­le in Ar­ti­keln seit Jah­ren Fra­gen rund um Vor­wür­fe zu kri­mi­nel­len Ak­ti­vi­tä­ten. Auch zu Bär gibt es vie­le Fra­gen. Ver­lies­sen sich die Com­p­li­an­ce-Ver­ant­wort­li­chen zu sehr auf die Aus­sa­gen der Ban­ker vor Ort? Wur­den sie an­ge­lo­gen? Wur­den die be­sag­ten kri­ti­schen Ar­ti­kel, die gröss­ten­teils auf Spa­nisch ver­fasst und nicht im­mer ein­fach zu ver­ste­hen wa­ren, nicht ge­nü­gend be­ach­tet? Oder aber gab es War­nun­gen der Com­p­li­an­ce, wel­che die Ge­schäfts­lei­tung, die in je­nen Jah­ren stark auf Wachs­tum setz­te, nicht ge­nü­gend ernst nahm?

Die Fin­ma hat auch ge­gen wei­te­re Schwei­zer In­sti­tu­te En­force­ment-Ver­fah­ren in bei­den Fäl­len an­ge­strengt. Be­reits ab­ge­schlos­sen wur­de die Un­ter­su­chung ge­gen die Cre­dit Suis­se. Ei­ne in­of­fi­zi­el­le Lis­te zeigt wei­te­re Ban­ken, mit de­nen Raúl Gor­rín ei­ne Kun­den­be­zie­hung ge­habt ha­ben soll. So soll Gor­rín im Mai die­ses Jah­res ei­nen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag von der Bank Bär an die Gen­fer Pri­vat­bank Mi­ra­baud über­wie­sen ha­ben. Mi­ra­baud nimmt da­zu kei­ne Stel­lung, be­ton­te aber, es lau­fe kein En­force­ment-Ver­fah­ren ge­gen die Bank.

Ei­ni­ges Licht ins Dun­kel brin­gen dürf­ten die Er­geb­nis­se des Fin­ma-Ver­fah­rens ge­gen Bär. Mög­lich wä­re es, dass Un­ter­su­chun­gen ge­gen Ein­zel­per­so­nen ein­ge­lei­tet wer­den. Bär scheint im­mer­hin aus den Er­fah­run­gen ge­lernt zu ha­ben. So fährt die Bank seit ei­ni­ger Zeit ei­nen har­ten Kurs bei der Kun­den­über­prü­fung. Ge­lernt hat dem Ver­neh­men nach auch der da­mals zu­stän­di­ge BärKon­zern­chef Bo­ris Col­lar­di: Er soll bei sei­ner neu­en Ar­beit­ge­be­rin, der Pri­vat­bank Pic­tet, je­weils deut­lich vor den Com­p­li­an­ce-Ri­si­ken bei la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Kun­den war­nen.

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