Wein statt Au­to­bah­nen

Neue Zurcher Zeitung - - REFLEXE -

Ger­hard Bläs­ke, Mai­land · Die Fa­mi­lie Be­net­ton hat ein be­weg­tes Jahr hin­ter sich. Mit Car­lo und Gil­ber­to sind zwei der vier Ge­schwis­ter, die einst das Strick­pull­over-Im­pe­ri­um be­grün­de­ten, ge­stor­ben. Der Ein­sturz der Ge­nue­ser Au­to­bahn­brü­cke hat für ei­nen dras­ti­schen Wert­ver­lust des gröss­ten Be­net­ton-En­ga­ge­ments ge­sorgt, des Ak­ti­en­an­teils am In­fra­struk­tur­be­trei­ber At­lan­tia. Die Re­gie­rung in Rom droh­te, der At­lan­tia-Toch­ter Au­tostra­de, dem gröss­ten Au­to­bahn­be­trei­ber des Lan­des, die Kon­zes­si­on zu ent­zie­hen. Da­ge­gen weh­ren sich die Be­net­tons. Es ist un­klar, wie es wei­ter­geht.

Die Fa­mi­lie hat ihr Geld im Gros­sen und Gan­zen ge­winn­brin­gend an­ge­legt – über­wie­gend in Un­ter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen (Pi­rel­li, Wirt­schafts­zei­tung «Il So­le 24 Ore», Ban­ca Leo­nar­do, Ge­ne­ra­li, Me­dio­ban­ca), so­wie ne­ben At­lan­tia im Re­stau­rant­be­trei­ber Au­to­grill. Im Ge­gen­satz zu die­sen En­ga­ge­ments dürf­te der Ein­stieg der Be­net­ton-Ge­sell­schaft 21 In­vest beim füh­ren­den ita­lie­ni­schen Wein­pro­du­zen­ten Zo­nin1821 aber auch mit Lei­den­schaft zu tun ha­ben. Denn als Pri­vat­mann be­tä­tigt sich Fa­mi­li­en­ober­haupt Lu­cia­no Be­net­ton als Wein­pro­du­zent (Vil­la Mi­nel­li) und hält ei­ne Be­tei­li­gung am Wein­han­dels­haus Cuz­zi­ol Gran­di Vi­ni.

Die Be­net­tons ha­ben für 36% an dem in sieb­ter Ge­ne­ra­ti­on von der Fa­mi­lie Zo­nin ge­führ­ten Un­ter­neh­men 65 Mio. € hin­ge­blät­tert. Geld, das für die Ex­pan­si­on des Wein­pro­du­zen­ten ver­wen­det wer­den soll. Ziel ist es, Zo­nin in­ner­halb der nächs­ten fünf Jah­re an die Bör­se zu füh­ren. In­so­fern ist das En­ga­ge­ment der Be­net­tons nicht nur der Freu­de am Ge­nuss ge­schul­det, son­dern zu­kunfts­ge­rich­tet: So wie man es bei den Be­net­tons, die wirt­schaft­lich meist ein glück­li­ches Händ­chen ha­ben, nicht an­ders er­war­ten konn­te. Ein Bör­sen­gang ist für Al­tei­gen­tü­mer schliess­lich die Ge­le­gen­heit, Kas­se zu ma­chen. An­ge­sichts des fort­ge­schrit­te­nen Al­ters der bei­den ver­blie­be­nen Fir­men­grün­der dürf­ten da­von vor al­lem de­ren Nach­kom­men pro­fi­tie­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.