Wenn ein Schlä­ger zum Hel­den wird

Neue Zurcher Zeitung - - INTERNATIONAL -

Ni­na Belz, Pa­ris · Als Chris­to­phe Det­tin­ger am ver­gan­ge­nen Sams­tag in Pa­ris auf zwei Po­li­zis­ten ein­schlug, trug er kein «gi­let jau­ne». Auch sein Ge­sicht war nicht ver­deckt, was es leicht­mach­te, den ehe­ma­li­gen fran­zö­si­schen Box­meis­ter als Ag­gres­sor zu iden­ti­fi­zie­ren. Doch erst am Mon­tag kam er in Po­li­zei­ge­wahr­sam. Der 37-Jäh­ri­ge stell­te sich, nach­dem er sich zwei Ta­ge ver­steckt ge­hal­ten und ein Vi­deo ins In­ter­net ge­stellt hat­te. Dar­in er­klärt er, wes­halb er sich als «gi­let jau­ne» se­he und war­um er am Sams­tag, sei­ner ach­ten De­mons­tra­ti­on, aus­ge­ras­tet sei: Er ha­be viel Po­li­zei­ge­walt mit­be­kom­men. Er ha­be sich ver­tei­digt, aber er ha­be schlecht re­agiert.

Am Tag, als sich Det­tin­ger auf ei­nem Po­li­zei­pos­ten mel­de­te, star­te­te ein Be­kann­ter auf der On­li­ne-Platt­form Leet­chi.com ei­ne Kol­lek­te, mit­tels de­ren sei­ne Fa­mi­lie un­ter­stützt und die An­walts- und Ge­richts­kos­ten ge­tra­gen wer­den soll­ten. Dass in­ner­halb von 48 St­un­den über 100 000 Eu­ro zu­sam­men­ka­men und Det­tin­ger von vie­len Spen­dern ge­lobt wur­de, weck­te nicht nur die Em­pö­rung von Kom­men­ta­to­ren und Po­li­ti­kern, son­dern auch von vie­len Fran­zo­sen. Ab Di­ens­tag gab es zahl­rei­che Kol­lek­ten für die von Det­tin­ger ver­letz­ten Po­li­zis­ten und für die Si­cher­heits­kräf­te über­haupt. Die­se, so schrei­ben die Initia­to­ren, ris­kier­ten bis­wei­len ihr Le­ben, um «un­se­res» zu schüt­zen. Die er­folg­reichs­te Ge­gen­kol­lek­te brach­te bis En­de der Wo­che über ei­ne Mil­li­on Eu­ro zu­sam­men. Dass die Un­ter­stüt­zung für die «gi­lets jau­nes» nicht mehr über­ra­gend ist, zei­gen auch jüngs­te Um­fra­gen: Nur 51 Pro­zent der Be­frag­ten sind für die Fort­set­zung der Pro­tes­te, 78 Pro­zent ver­ur­tei­len die Ge­walt.

Die De­bat­ten in den Me­di­en brach­ten Leet­chi.com un­ter Druck: Kann man für al­les Geld sam­meln? Die ur­sprüng­li­che Kol­lek­te für Det­tin­ger wur­de «an­ge­sichts der Hö­he der ge­sam­mel­ten Geld­men­ge» ge­schlos­sen. We­gen der Vor­wür­fe ge­gen den Emp­fän­ger wer­de man das Geld nur aus­zah­len, wenn es nach­weis­lich für die De­ckung von Ge­richts- und An­walts­kos­ten ge­nutzt wer­de, teil­te das Un­ter­neh­men mit. Die­se wer­den mit Si­cher­heit auf Det­tin­ger zu­kom­men. Die fünf Wo­chen bis zu sei­nem Pro­zess wird er im Ge­fäng­nis ver­brin­gen.

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