Ban­gui greift dank­bar nach dem rus­si­schen Ret­tungs­ring

Neue Zurcher Zeitung - - INTERNATIONAL -

Da­vid Si­g­ner, Da­kar · Der star­ke Ein­fluss, den Russ­land in Zen­tral­afri­ka aus­übt, hängt mit dem Rück­zug der Fran­zo­sen zu­sam­men. Im Mai 2013 wur­de der da­ma­li­ge Staats­chef Bo­zi­zé ge­stürzt. Frank­reich in­ter­ve­nier­te im Herbst des­sel­ben Jah­res mi­li­tä­risch mit der Ope­ra­ti­on San­ga­ris, die das Land so weit sta­bi­li­sier­te, dass An­fang 2016 Wah­len durch­ge­führt wer­den konn­ten. Die­se ge­wann der Ma­the­ma­tik­pro­fes­sor Faus­tin Arch­an­ge Toua­dé­ro. Im Ok­to­ber 2016 be­en­de­te Pa­ris «San­ga­ris», ob­wohl das Land al­les an­de­re als si­cher war. Auf die ver­blie­be­nen Mi­nu­s­ca-Blau­hel­me ist kaum Ver­lass. Die Macht der zen­tral­afri­ka­ni­schen Re­gie­rung be­schränkt sich mehr oder we­ni­ger auf die Haupt­stadt Ban­gui. Der Rest, mit­samt den Gold- und Dia­man­ten­mi­nen, wird gröss­ten­teils von Re­bel­len­grup­pen kon­trol­liert.

Toua­dé­ro fehl­te es an Geld, Waf­fen und aus­ge­bil­de­ten Sol­da­ten. Das Va­ku­um füll­te Mos­kau, erst mit Waf­fen­lie­fe­run­gen, dann mit In­struk­to­ren und Söld­nern. Du­bio­se Grup­pie­run­gen wie Wa­gner be­wa­chen nicht nur Mi­nen, son­dern sind auch für die Si­cher­heit des Prä­si­den­ten zu­stän­dig, der ihnen so­mit buch­stäb­lich aus­ge­lie­fert ist. Die EU re­agier­te im Som­mer 2018 auf den wach­sen­den Ein­fluss Russ­lands, in­dem sie die mi­li­tä­ri­sche Aus­bil­dungs­mis­si­on EUTM RCA ver­län­ger­te und aus­wei­te­te.

Im Kampf zwi­schen den mus­li­mi­schen Se­le­ka-Re­bel­len und den christ­li­chen Anti-Ba­la­ka geht es vor­der­grün­dig um Re­li­gi­on, hin­ter­grün­dig je­doch um Roh­stof­fe. Des­halb un­ter­band das Kim­ber­ley-Pro­to­koll, das das in­ter­na­tio­na­le Dia­man­ten­ge­schäft re­gu­liert, 2013 den le­ga­len Han­del mit Zen­tral­afri­ka. Nach der Wahl von Toua­dé­ro im Jahr 2016 wur­de die Su­s­pen­die­rung auf­ge­ho­ben, aber nur für das Ge­biet um Ber­be­ra­ti im Wes­ten des Lan­des. Im Som­mer 2018 kam es noch­mals zu ei­ner Ver­ein­fa­chung, in­dem die Prüf­frist für Dia­man­ten ver­kürzt wur­de. Aber die Li­mi­tie­rung der Aus­fuhr ist um­strit­ten, denn möglicherweise schnei­det man den Staat da­durch von drin­gend be­nö­tig­ten De­vi- sen­ein­nah­men ab, weil er die Roh­stof­fe nicht auf dem nor­ma­len Welt­markt ver­kau­fen kann, und drängt den Han­del erst recht in den Un­ter­grund. So ist die Re­gie­rung ge­zwun­gen, im le­ga­len Grau­be­reich zu ope­rie­ren, und de­le­giert die Dreck­ar­beit an Fir­men wie Wa­gner.

Als Toua­dé­ro im Ok­to­ber 2017 den Waf­fen­deal mit Pu­tin ab­schloss, ent­hielt die Ver­ein­ba­rung auch ei­ne Klau­sel, die Russ­land grü­nes Licht für den Ab­bau von Roh­stof­fen gab. Es ist ge­nau die­ser schlei­chen­de Über­gang von In­struk­to­ren zu Söld­nern und zu halb­kri­mi­nel­ler Aus­beu­tung von Bo­den­schät­zen, den Russ­land auch schon in an­de­ren in­sta­bi­len oder dik­ta­to­risch re­gier­ten afri­ka­ni­schen Län­dern wie dem Su­dan, An­go­la, Mo­çam­bi­que oder Ni­ge­ria prak­ti­zier­te. Was oft mit Pro­pa­gan­da ge­gen Eu­ro­pa ein­her­geht und wie zu Zei­ten des Kal­ten Kriegs als an­ti­im­pe­ria­le Bru­der­hil­fe da­her­kommt, macht die­se Staa­ten oft noch fra­gi­ler, als sie es schon sind. Selbst wenn Toua­dé­ro woll­te, wür­de er die Geis­ter, die er rief, wohl nicht mehr so bald los.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.