Be­ne­dikt Würth auf dem Weg in den Stän­de­rat

Der St. Gal­ler CVP-Re­gie­rungs­rat trifft bei der Er­satz­wahl für Ka­rin Kel­ler-Sut­ter auf we­nig pro­fi­lier­te Kon­kur­ren­ten

Neue Zurcher Zeitung - - SCHWEIZ - JÖRG KRUMMENACHER

Am Frei­tag ist die Ein­ga­be­frist für die Wahl der zwei­ten St. Gal­ler Ver­tre­tung im Stän­de­rat ab­ge­lau­fen. Sie­ben Personen wol­len im «Stöck­li» die Nach­fol­ge der zur Bun­des­rä­tin ge­wähl­ten FDPVer­tre­te­rin Ka­rin Kel­ler-Sut­ter an­tre­ten: Susanne Vin­cenz-St­auf­fa­cher (fdp.), Be­ne­dikt Würth (cvp.), Mi­ke Eg­ger (svp.), Patrick Zil­te­ner (Grü­ne), Sa­rah Bösch (par­tei­los), Andre­as Graf (par­tei­frei) so­wie ei­ne wei­te­re vor­erst an­ony­me Per­son, de­ren Kan­di­da­tur noch nicht va­li­diert ist.

FDP setzt ver­stärkt auf Frau­en

Die Wahl Kel­ler-Sut­ters in die Lan­des­re­gie­rung hat­te sich ab­ge­zeich­net, so­mit konn­ten sich die Par­tei­en gut auf die Er­satz­wahl vom 10. März vor­be­rei­ten. Doch ein­zig die CVP hat mit Re­gie­rungs­rat Be­ne­dikt Würth ein po­li­ti­sches Schwer­ge­wicht no­mi­niert. Würth ist nicht nur als Fi­nanz­di­rek­tor ei­ne an­er­kann­te Grös­se in der St. Gal­ler Po­li­tik, er kennt sich als Chef der Kon­fe­renz der Kan­tons­re­gie­run­gen auch bes­tens in der Bun­des­po­li­tik aus. Die Wahl in den Stän­de­rat wä­re der na­he­lie­gen­de Kar­rie­re­schritt für den 51-Jäh­ri­gen, dem auch Bun­des­rat­sam­bi­tio­nen nach­ge­sagt wer­den.

Der FDP fehlt es im Kan­ton hin­ge­gen an pro­fi­lier­tem Per­so­nal im pas­sen­den Al­ter, um ih­ren Sitz im Stän­de­rat zu ver­tei­di­gen. Ex­po­nen­ten wie Na­tio­nal­rat Wal­ter Mül­ler oder Re­gie­rungs­rat Mar­tin Klö­ti ste­hen vor dem En­de ih­rer po­li­ti­schen Lauf­bahn und tre­ten nach der lau­fen­den Le­gis­la­tur zu­rück. Der zwei­te FDP-Re­gie­rungs­rat Marc Mäch­ler ist erst zu kurz im Amt, um be­reits wie­der zu wech­seln, wäh­rend Na­tio­nal­rat Mar­cel Do­bler als Bis­he­ri­ger mit­hel­fen soll, den zwei­ten FDP-Sitz in der gros­sen Kam­mer zu be­haup­ten.

Die Frei­sin­ni­gen ha­ben des­halb mit der Ju­ris­tin Susanne Vin­cenz-St­auf­fa­cher ei­ne Kan­di­da­tin auf­ge­stellt, die kaum über po­li­ti­sche Er­fah­rung ver­fügt: Erst im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber ist sie in den Kan­tons­rat nach­ge­rückt. Die Par­tei­lei­tung lobt sie für ihr «ju­ris­ti­sches Know-how, ge­paart mit so­zia­lem En­ga­ge­ment». Sie soll für den An­spruch ste­hen, dass St. Gal­len und die FDP wei­ter­hin mit ei­ner Frau in der klei­nen Kam­mer ver­tre­ten sind. FDP-Kan­to­nal­prä­si­dent Ra­pha­el Frei mach­te zwar – selbst­re­dend – klar, dass die FDP bei der Er­satz­wahl an­tre­te, «um zu gewinnen», den­noch zielt die Kan­di­da­tur von Vin­cenz-St­auf­fa­cher vor al­lem auf den kom­men­den Wahl­herbst: Sie steht auf der von der Par­tei­lei­tung auf­ge­stell­ten Lis­te für die Na­tio­nal­rats­wah­len, die kom­men­de Wo­che von der De­le­gier­ten­ver­samm­lung ver­ab­schie­det wird. Und sie soll be­le­gen, dass die FDP ver­stärkt auf Frau­en setzt, was sich auch dar­in ma­ni­fes­tiert, dass die Kan­to­nal­par­tei im Ok­to­ber erst­mals mit ei­ner zu­sätz­li­chen Frau­en­lis­te ins Ren­nen steigt.

Tan­dem aus SP und CVP

Ver­liert die FDP St. Gal­len den Sitz tat­säch­lich, wird sie erst zum zwei­ten Mal in ih­rer Ge­schich­te nicht mehr im Stän­de­rat ver­tre­ten sein. Ein­zig in der Le­gis­la­tur von 1971 bis 1975 stand sie bis­her ab­seits. Sie ver­lor ih­ren Sitz an die SP, ge­wann ihn bei der fol­gen­den Wahl aber wie­der zu­rück. Für vier Jah­re ver­tra­ten da­mals SP und CVP den Kan­ton St. Gal­len im Stän­de­rat – zum bis­her ein­zi­gen Mal. Mit gröss­ter Wahr­schein­lich­keit wird die­se Kon­stel­la­ti­on nun wie­der Rea­li­tät: Die CVP dürf­te dank Be­ne­dikt Würth in den Stän­de­rat zu­rück­keh­ren und Würth so­dann mit Paul Rech­stei­ner, der im Herbst noch­mals für die SP an­tritt, das St. Gal­ler Duo bil­den. Rech­stei­ner war 2011 just auf Kos­ten der CVP ins «Stöck­li» ge­rückt.

2011 hat­te es auch SVP-Na­tio­nal­rat To­ni Brun­ner ver­sucht – und war an Rech­stei­ner ge­schei­tert. Vor vier Jah­ren trat Na­tio­nal­rat Tho­mas Mül­ler für die SVP an; er blieb chan­cen­los. Nun soll es der Fleisch­fach­mann Mi­ke Eg­ger rich­ten, die St. Gal­ler SVP doch noch in den Stän­de­rat zu hie­ven. Neo-Na­tio­nal­rat Eg­ger po­li­ti­siert mit ju­gend­li­chem Un­ge­stüm rechts aus­sen und darf als Er­folg ver­bu­chen, zur Ein­füh­rung des Ver­hül­lungs­ver­bots in St. Gal­len bei­ge­tra­gen zu ha­ben. Doch für ei­nen Gross­teil der Wäh­ler­schaft ist er nicht wähl­bar. Das weiss auch die SVP, die mit der Kan­di­da­tur vor al­lem Eg­gers Wie­der­wahl in den Na­tio­nal­rat si­chern will. Die bei­den va­la­bels­ten SVP-Kan­di­da­ten, Re­gie­rungs­rat Ste­fan Köl­li­ker so­wie Par­tei­se­kre­tä­rin und Brun­ner-Le­bens­part­ne­rin Es­t­her Fried­li, ha­ben auf die Aus­mar­chung ge­gen Be­ne­dikt Würth ver­zich­tet.

Blei­ben bei die­ser Er­satz­wahl noch die Kan­di­da­tu­ren von Patrick Zil­te­ner, Andre­as Graf und Sa­rah Bösch. Der Grü­ne Zil­te­ner ist Ti­tu­lar­pro­fes­sor und Do­zent für So­zio­lo­gie und Wirt­schafts­ge­schich­te an den Uni­ver­si­tä­ten Zü­rich, St. Gal­len und Inns­bruck. Er soll den Grü­nen zur nö­ti­gen Pu­bli­zi­tät ver­hel­fen, um im Herbst den 2015 ver­lo­re­nen Na­tio­nal­rats­sitz zu­rück­zu­er­obern. Einst bei den Grü­nen war auch Andre­as Graf, der nun als Par­tei­lo­ser an­tritt. Ein­zel­kämp­fe­rin ist auch Sa­rah Bösch: Die SVP hat­te sie vor Jah­ren aus­ge­schlos­sen, nach­dem sie an­ge­trun­ken am Steu­er er­wischt wor­den war und da­nach die Po­li­zei auf Face­book be­schimpft hat­te.

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