Ita­lie­ni­scher Ex-Ter­ro­rist in Bo­li­vi­en ver­haf­tet

Neue Zurcher Zeitung - - INTERNATIONAL -

Andrea Spa­lin­ger, Rom · Nach ei­ner wo­chen­lan­gen Su­che hat ei­ne Spe­zi­al­ein­heit von In­ter­pol den in Ita­li­en ge­such­ten Links­ter­ro­ris­ten Cesa­re Bat­tis­ti am Sams­tag in San­ta Cruz ver­haf­tet. An den Er­mitt­lun­gen wa­ren bo­li­via­ni­sche, bra­si­lia­ni­sche und ita­lie­ni­sche Agen­ten be­tei­ligt. Laut Ita­li­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent, Gi­u­sep­pe Con­te, ist be­reits ei­ne Re­gie­rungs­ma­schi­ne mit Ver­tre­tern des Aus­land­ge­heim­diens­tes und der Po­li­zei un­ter­wegs nach Bo­li­vi­en und soll dort am Sonn­tag­abend eu­ro­päi­scher Zeit lan­den. Erst müss­ten die nö­ti­gen recht­li­chen Pro­ze­du­ren ge­klärt wer­den und es sei noch un­klar, ob Bat­tis­ti di­rekt an Ita­li­en aus­ge­lie­fert oder erst nach Bra­si­li­en zu­rück­ge­schafft wer­de, er­klär­te der Re­gie­rungs­chef. Qu­el­len aus dem In­nen­mi­nis­te­ri­um schlos­sen je­doch nicht aus, dass der ge­such­te Ex-Ter­ro­rist noch am Sonn­tag oder am Mon­tag in sei­ne Hei­mat ge­flo­gen wer­den könn­te.

Der 63-Jäh­ri­ge ist der letz­te flüch­ti­ge Ter­ro­rist aus den so­ge­nann­ten blei­er­nen Jah­ren. Zwi­schen En­de der sech­zi­ger und An­fang der acht­zi­ger Jah­re wa­ren in Ita­li­en bei po­li­ti­schen Mor­den und An­schlä­gen von lin­ken und rech­ten Ter­ror­grup­pen über 400 Per­so­nen ums Le­ben ge­kom­men. Bat­tis­ti war als Mit­glied der Pro­le­ta­ri Ar­ma­ti per il Co­mu­nis­mo an Raub­über­fäl­len auf Ban­ken und Su­per­märk­te be­tei­ligt und zu­dem für vier Mor­de ver­ant­wort­lich.

Zu zwei­mal le­bens­läng­lich ver­ur­teilt, ge­lang ihm 1981 ihm die Flucht aus dem Ge­fäng­nis. Er tauch­te erst in Frank­reich, dann in Me­xi­ko und spä­ter er­neut in Frank­reich un­ter, wo lin­ke Ex­tre­mis­ten aus Ita­li­en un­ter Prä­si­dent Mit­ter­rand Schutz ge­nos­sen. Als Prä­si­dent Chi­rac 2004 sei­ne Aus­lie­fe­rung be­schloss, flüch­te­te Bat­tis­ti nach Bra­si­li­en. Un­ter Prä­si­dent Lu­la da Silva wur­de er dort 2009 gar als po­li­ti­scher Flücht­ling an­er­kannt. Er leb­te ein un­be­schwer­tes Le­ben in ei­nem am Meer ge­le­ge­nen Städt­chen süd­lich von São Pau­lo und schrieb Kri­mi­nal­ro­ma­ne. Der neu­ge­wähl­te Prä­si­dent Jair Bol­so­na­ro ver­sprach Rom En­de letz­ten Jah­res je­doch die Aus­lie­fe­rung von Bat­tis­ti. Der rech­te ehe­ma­li­ge Mi­li­tär und Ita­li­ens rechts­po­pu­lis­ti­scher In­nen­mi­nis­ter Mat­teo Sal­vi­ni über­schüt­te­ten sich ge­gen­sei­tig mit Kom­pli­men­ten und ver­spra­chen Här­te ge­gen­über Kri­mi­nel­len wie Bat­tis­ti.

Der Ita­lie­ner ver­schwand zwar ein letz­tes Mal von der Bild­flä­che. Doch weit schaff­te er es dies­mal nicht, war sei­ne Ver­haf­tung nun doch auch für Bra­si­li­en zu ei­ner Fra­ge der Eh­re ge­wor­den. Der Sohn von Bol­so­na­ro schrieb in ei­ner an Sal­vi­ni ge­rich­te­ten Nach­richt auf Twit­ter: «Bra­si­li­en ist kein Land mehr für Ban­di­ten. Ein klei­nes Ge­schenk ist un­ter­wegs.» Sal­vi­ni ant­wor­te­te dar­auf, das schö­ne Le­ben des Ter­ro­ris­ten, der von der Lin­ken welt­weit ge­hät­schelt wor­den sei, sei end­lich vor­bei. Er dan­ke Bol­so­na­ro da­für von gan­zem Her­zen.

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