Ka­bi­la, Bon­go und die Fra­ge des Blu­tes

Neue Zurcher Zeitung - - INTERNATIONAL -

Da­vid Si­g­ner, Da­kar · Es gibt zwei Ge­mein­sam­kei­ten zwi­schen Jo­seph Ka­bi­la, dem Noch-Prä­si­den­ten von Kon­go-Kinsha­sa, und Ali Bon­go Ond­im­ba, dem Staats­chef von Ga­bun, ge­gen den so­eben ein Putsch miss­lang. Bei­de ha­ben auf nicht ganz de­mo­kra­ti­sche Art die Macht von ih­rem Va­ter über­nom­men, und über bei­de kur­sie­ren Ge­rüch­te, sie sei­en gar nicht die Söh­ne ih­rer Vor­gän­ger. Jo­seph Ka­bi­la wur­de nach of­fi­zi­el­ler Ver­si­on 1971 in ei­nem kon­go­le­si­schen Re­bel­len­haupt­quar­tier ge­bo­ren und ging im Al­ter von fünf Jah­ren mit sei­nem Va­ter ins Exil nach Tan­sa­nia. Häu­fig wird je­doch be­haup­tet, er sei ad­op­tiert wor­den und stam­me aus Rwan­da. 2001 starb Ka­bi­la se­ni­or, und Jo­seph über­nahm die Macht. 2006 und 2011 liess er sich durch frag­wür­di­ge Wah­len im Amt be­stä­ti­gen. 2016 wä­re ei­gent­lich Schluss ge­we­sen, aber er zö­ger­te sei­nen Rück­zug bis zu den kürz­lich er­folg­ten Wah­len hin­aus.

Ali Bon­go Ond­im­ba wur­de nach of­fi­zi­el­ler Les­art 1959 als Sohn von Omar Bon­go ge­bo­ren, der Ga­bun 1967 bis 2009 re­gier­te. Nach des­sen Tod wur­de er Prä­si­dent und liess sich 2016 wie­der­wäh­len. Aber es heisst, er sei in Wirk­lich­keit Ni­ge­ria­ner; sein Va­ter ha­be ihn wäh­rend des Biaf­ra­krie­ges ad­op­tiert.

In bei­den Fäl­len wä­ren die Söh­ne, stim­men die Ge­rüch­te, Aus­län­der und hät­ten gar nie Prä­si­dent wer­den kön­nen. Bei der Dis­kus­si­on fragt man sich al­ler­dings, ob die Ab­stam­mungs­fra­ge wirk­lich wich­tig ist. Sie im­pli­ziert, dass die Re­gent­schaft le­gi­ti­mer wä­re, wenn Bluts­ban­de zu den Vor­gän­gern be­stün­den. Die Kri­ti­ker ver­blei­ben in ei­ner mon­ar­chisch-dy­nas­ti­schen Lo­gik, an­statt po­li­tisch zu ar­gu­men­tie­ren.

Ka­bi­las de­si­gnier­ter Nach­fol­ger Fé­lix Ts­hi­se­ke­di ver­dankt sei­ne Kar­rie­re eben­falls sei­nem be­rühm­ten Va­ter, dem «ewi­gen Op­po­si­tio­nel­len» Eti­en­ne Ts­hi­se­ke­di. Bleibt zu gu­ter Letzt der Prä­si­dent von To­go, Fau­re Gnas­sing­bé. Auch er folg­te sei­nem Va­ter, Gnas­sing­bé Eya­dé­ma, nach, der sein Land 38 Jah­re lang ge­knech­tet hat­te. Die To­go­le­sen stel­len sei­ne Ab­stam­mung nicht in­fra­ge, wun­dern sich al­ler­dings, dass er un­ver­hei­ra­tet und kin­der­los ist. Das macht ihn, nebst sei­nem po­li­ti­schen Ver­sa­gen, für vie­le eben­so su­spekt wie ei­ne un­kla­re Her­kunft.

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