Lei­se Tö­ne sind sei­ne Sa­che nicht

Richard Gren­ell, der Bot­schaf­ter der USA in Berlin, droht deut­schen Fir­men mit Sank­tio­nen

Neue Zurcher Zeitung - - INTERNATIONAL - BE­NE­DICT NEFF, BERLIN

Richard Gren­ell ist seit Mai des ver­gan­ge­nen Jah­res ame­ri­ka­ni­scher Bot­schaf­ter in Berlin. Als sol­cher wä­re er ei­gent­lich ver­pflich­tet, sich nicht in die in­ne­ren An­ge­le­gen­hei­ten sei­nes Gast­lan­des ein­zu­mi­schen – so will es das Wie­ner Über­ein­kom­men über di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen. Gren­ell hat aber von al­lem An­fang an ge­zeigt, dass er sei­ne Rol­le als Di­plo­mat et­was ei­gen­wil­li­ger aus­zu­üben ge­denkt. An sei­nem ers­ten Amts­tag for­der­te er deut­sche Un­ter­neh­men auf, Ge­schäf­te mit Iran «so­fort her­un­ter­zu­fah­ren». We­nig spä­ter ver­kün­de­te er im rechts­po­pu­lis­ti­schen Nach­rich­ten­por­tal Breit­bart, dass er kon­ser­va­ti­ve Po­li­ti­ker in Eu­ro­pa stär­ken wol­le.

Sei­ne ak­ti­ve bis an­mas­sen­de Di­plo­ma­tie kommt bei deut­schen Po­li­ti­kern und Jour­na­lis­ten ins­ge­samt äus­serst schlecht an. Kurz nach sei­nem Amts­an­tritt schrieb der «Spie­gel» ein Por­trät mit der Über­schrift: «Der schil­lern­de Fal­ke». Es zeug­te noch von ei­ner ge­wis­sen Fas­zi­na­ti­on für den un­ge­wöhn­li­chen Gast. Am Sams­tag ist ein wei­te­res er­schie­nen, es heisst: «Der klei­ne Trump». Der ehe­ma­li­ge SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz nann­te ihn auch schon ei­nen «rechts­ex­tre­men Ko­lo­nia­l­of­fi­zier». Im Lau­fe sei­ner noch kur­zen Amts­zeit wur­de pu­bli­zis­tisch auf­ge­rüs­tet. Aber auch Gren­ell lässt nach ei­ner län­ge­ren Pha­se der Ru­he wie­der von sich hö­ren. Sorg­ten bis­her vor al­lem sei­ne Twit­terNach­rich­ten für Ge­tö­se, so sind es im vor­lie­gen­den Fall Brie­fe. In der Wahl des Me­di­ums ei­ne Zu­wen­dung zur klas­si­schen Di­plo­ma­tie zu se­hen, wä­re falsch. Gren­ell be­weist auch hier, dass er ra­di­ka­le We­ge geht.

Kri­tik an Nord Stream 2

Laut ei­nem Ar­ti­kel der «Bild am Sonn­tag» wand­te sich Gren­ell an meh­re­re deut­sche Un­ter­neh­men, die am Bau der Gas­pipe­line Nord Stream 2 be­tei­ligt sind, und droh­te ih­nen mit Sank­tio­nen, soll­ten sie an ih­ren Ge­schäf­ten fest­hal­ten wol­len. Die Zei­tung zi­tiert aus ei­nem sol­chen Schrei­ben: «Wir be­to­nen, dass Fir­men, die sich im rus­si­schen Ener­gie­ex­port­sek­tor en­ga­gie­ren, sich an et­was be­tei­li­gen, das ein er­heb­li­ches Sank­ti­ons­ri­si­ko nach sich zie­hen kann.» Mit dem Bau von Nord Stream 2 ma­che sich Eu­ro­pa im Ener­gie­sek­tor von Russ­land ab­hän­gig, ar­gu­men­tiert Gren­ell. Gleich­zei­tig wer­de die Ukrai­ne si­cher­heits­po­li­tisch ge­schwächt, weil sie als Tran­sit­land für rus­si­sches Gas aus­ge­he­belt wür­de.

Die ge­plan­te Nord-Stream-2-Pi­pe­line soll rus­si­sches Gas mit ei­ner Un­ter­was­ser­röh­re von St. Pe­ters­burg di­rekt nach Greifs­wald in Deutsch­land be­för­dern. Die Ukrai­ne ver­lö­re als Tran­sit­land da­durch stark an Be­deu­tung – zur­zeit trans­por­tiert das Land die Hälf­te des rus­si­schen Erd­ga­ses nach Eu­ro­pa. Gren­ell kri­ti­siert dar­über hin­aus auch den ge­plan­ten Bau der Turk-Stream-Pi­pe­line. Das Droh­schrei­ben mag für ei­nen Di­plo­ma­ten un­kon­ven­tio­nell sein, in­halt­lich und sti­lis­tisch han­delt Gren­ell aber ganz auf der Li­nie sei­nes Vor­ge­setz­ten, Prä­si­dent Do­nald Trump. Die­ser hat Deutsch­land für den Nord-Stream-2-De­al mit Russ­land schon mehr­fach ge­rügt. Das Aus­wär­ti­ge Amt mo­nier­te, Gren­ells Brie­fe an die deut­sche Wirt­schaft ent­sprä­chen nicht den di­plo­ma­ti­schen Ge­pflo­gen­hei­ten. Man wol­le, so schreibt die «Bild am Sonn­tag», über die­se The­men mit den Ge­sprächs­part­nern in Washington di­rekt spre­chen.

Gren­ells Spre­cher sag­te, der Brief sei nicht als «Dro­hung», son­dern als «kla­re Bot­schaft der Po­li­tik der USA» auf­zu­fas­sen. Gren­ell ist zwar ein Freund der kla­ren Wor­te, rück­wir­kend fe­dert er sie aber gern di­plo­ma­tisch ab. Im Fal­le sei­ner Kom­men­ta­re zu Iran sag­te er spä­ter, es lie­ge ihm fern, der deut­schen Wirt­schaft An­wei­sun­gen zu ge­ben.

Ge­plän­kel mit dem «Spie­gel»

Im jüngs­ten Por­trät über den Bot­schaf­ter im «Spie­gel» heisst es: «Wer Gren­ell nicht un­be­dingt tref­fen muss, mei­det ihn.» Der Di­plo­mat zog es vor, im Ar­ti­kel nicht zi­tiert zu wer­den. Schrift­li­che Fra­gen des Jour­na­lis­ten wies er mit der Be­mer­kung zu­rück: «Je­de Ih­rer sie­ben Fra­gen be­ruht auf er­fun­de­nen Ge­schich­ten.» Mit dem «Spie­gel» lie­fert er sich oh­ne­hin ein Ge­plän­kel. Als das Ma­ga­zin be­kannt­gab, dass ei­ner sei­ner Jour­na­lis­ten über Jah­re er­fun­de­ne Ge­schich­ten als Re­por­ta­gen ver­kauf­te, schrieb Gren­ell ei­nen be­sorg­ten Brief an die «Spie­gel»-Chef­re­dak­ti­on: Die USA sei­en «Op­fer ei­ner Kam­pa­gne in­sti­tu­tio­nel­ler Vor­ein­ge­nom­men­heit» ge­wor­den. Gren­ell legt sich mit der Po­li­tik, der Wirt­schaft und den Me­di­en an. Mit al­len.

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