«Wir ha­ben noch kei­ne Ka­pi­tu­la­ti­on ge­se­hen»

Nach kur­zer Zwi­schen­er­ho­lung dro­hen tie­fe­re Ak­ti­en­kur­se

Neue Zurcher Zeitung - - GELDANLAGE - Man­fred Wer­gen Ge­schäfts­füh­rer von Wer­gen & Part­ner

cri. · In den ver­gan­ge­nen Ta­gen ist es an den Welt­bör­sen nach ei­nem schwa­chen Jahr 2018 zu ei­nem Kurs­feu­er­werk ge­kom­men. Glaubt man op­ti­mis­ti­schen Zeit­ge­nos­sen, so wird das noch ei­ne Wei­le so wei­ter­ge­hen. Zu die­sen zählt auch Man­fred Wer­gen, wenn auch nur auf Zeit. Der Ge­schäfts­füh­rer des im Be­sitz der Bank Ju­li­us Bär be­find­li­chen Ver­mö­gens­ver­wal­ters Wer­gen & Part­ner rech­net in den kom­men­den Mo­na­ten pri­mär aus markt­tech­ni­schen Grün­den mit ei­ner wei­te­ren Kurs­er­ho­lung, fürch­tet da­nach aber er­neu­te Kurs­rück­schlä­ge. «Wir ha­ben noch kei­ne Ka­pi­tu­la­ti­on in den Märk­ten ge­se­hen», sagt er.

Kur­ze Er­ho­lung vom Schock

aber sie wür­den in der nächs­ten Ab­wärts­be­we­gung über­pro­por­tio­nal ver­lie­ren. Aus die­sem Grund set­zen die Ver­mö­gens­ver­wal­ter auch auf phy­si­sches Gold und Sil­ber. Der Hy­pe um die Kryp­towäh­run­gen sei ty­pisch ge­we­sen für ei­ne Pha­se der Über­trei­bun­gen, in de­nen das Geld oft in Struk­tu­ren und Fir­men flies­se, die qua­li­ta­tiv nicht so gut sei­en. An­hand sol­cher Phä­no­me­ne las­se sich der Hö­he­punkt ei­nes Bul­len­mark­tes aus­ma­chen, und der da­nach zu er­war­ten­de Nor­ma­li­sie­rungs­pro­zess las­se künf­tig an den Bör­sen wei­te­res Kur­s­po­ten­zi­al nach un­ten be­fürch­ten.

Die Ver­mö­gens­ver­wal­ter rech­nen künf­tig mit stär­ke­ren Kurs­schwan­kun­gen als in der Ver­gan­gen­heit und viel­fach auch mit ei­ner Aus­wei­tung der so­ge­nann­ten Credit-Spreads. Die An­le­ger möch­ten künf­tig al­so hö­he­re Ren­di­ten se­hen, be­vor sie Zins­pa­pie­re we­nig so­li­der Fir­men kau­fen. «Ich wä­re nicht über­rascht, wenn wir auf der Kre­dit­sei­te mehr Aus­fäl­le se­hen wür­den im Lau­fe des Jah­res. Die­se könn­ten da­zu füh­ren, dass es zu ei­nem pa­nik­ar­ti­gen Ver­kauf kommt, der dann Um­wäl­zun­gen nach sich zö­ge. Bei so­li­der Qua­li­tät kann man aber auch ein­mal Ob­li­ga­tio­nen kau­fen, die ein paar Jah­re Lauf­zeit ha­ben.» Auf der Ak­ti­en­sei­te dürf­ten die Schwei­zer Blue-Chip­Wer­te im be­schrie­be­nen Sze­na­rio zu ei­nem Fels in der Bran­dung wer­den. Sie sol­len un­ter an­de­rem auf­grund der Di­vi­den­den­ren­di­ten ei­ne ge­wis­se Ru­he in die Port­fo­li­os brin­gen und als An­ker die­nen.

Wann stot­tert der Mo­tor?

Wer­gen denkt, ein un­ge­re­gel­ter Br­ex­it könn­te für Grossbritannien und Eu­ro­pa «ziem­lich blu­tig» wer­den, zum Cha­os füh­ren und auch an­de­re Märk­te an­ste­cken. Glei­cher­mas­sen sei­en die po­pu­lis­ti­schen Strö­mun­gen für ei­ne of­fe­ne Welt­wirt­schaft nicht gut. Er wä­re von ei­ner Re­zes­si­on im Jahr 2020 nicht über­rascht, da selbst die Welt­bank die Wachs­tums­pro­gno­sen nach un­ten kor­ri­giert ha­be, Chi­na zu Sti­mu­lie­rungs­mass­nah­men grei­fe und nach der künst­li­chen Über­hit­zung der US-Wirt­schaft ei­ne Ab­küh­lung dro­he. Ge­sprä­che mit Un­ter­neh­mern lies­sen dar­auf schlies­sen, dass die­se vor­sich­ti­ger als in der Ver­gan­gen­heit ge­wor­den sei­en. «Wird das Öl knapp, fängt der Mo­tor leicht an zu stot­tern», so er­läu­tert er sei­ne An­sicht plas­tisch. Im Ge­gen­satz zu den Ame­ri­ka­nern ha­ben die Eu­ro­pä­er und die Schwei­zer dann ein Pro­blem – de­ren Zen­tral­ban­ken kön­nen die Zin­sen auf tie­fem Ni­veau nicht mehr wei­ter sen­ken.

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