Ge­schich­te schrei­ben

Alex­an­der Gau­land, Vi­ze-Prä­si­dent der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land, fei­ert mit sei­ner na­tio­nal-kon­ser­va­ti­ven und Brüs­sel-kri­ti­schen Par­tei be­acht­li­che Er­fol­ge. Im Vi­sier hat er auch lin­ke Wäh­ler.

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - SCHWEIZ - Von Joa­chim Riecker, Ber­lin

Kann man zu­gleich deutsch­na­tio­nal, an­glo­phil und pro­rus­sisch sein, Bü­cher über Hel­mut Kohl und die Wind­sors schrei­ben und als be­ken­nen­der Kon­ser­va­ti­ver die Wäh­ler der Link­s­par­tei um­wer­ben? Für Alex­an­der Gau­land, Vi­ze-Chef der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD), ist das kein Kunst­stück. Der 73-jäh­ri­ge Pots­da­mer tritt heu­te Sonn­tag als Spit­zen­kan­di­dat bei der Land­tags­wahl im ost­deut­schen Bun­des­land Bran­den­burg an, wo die erst im April 2013 ge­grün­de­te Par­tei laut Um­fra­gen eben­so wie in Thü­rin­gen si­cher ins Par­la­ment ein­zie­hen wird. Schon bei der Bun­des­tags­wahl im Sep­tem­ber 2013 schei­ter­te die AfD mit zwei Mil­lio­nen Stim­men und 4,7 Pro­zent nur recht knapp an der Fün­fPro­zent-Hür­de. Nach mehr als sie­ben Pro­zent bei der Eu­ro­pa­wahl im Mai ge­lang ihr nun vor zwei Wo­chen in Sach­sen mit fast zehn Pro­zent sou­ve­rän der Ein­zug in den Land­tag. Soll­te sie sich eta­blie­ren, wä­re der jahr­zehn­te­lang gül­ti­ge Grund­satz über­holt, dass es in Deutsch­land rechts von CDU/CSU kei­ne de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te Par­tei ge­be.

Nach­dem er mehr als vier Jahr­zehn­te lang Mit­glied der CDU ge­we­sen war und von 1987 bis 1991 die Staats­kanz­lei in Hes­sen ge­lei­tet hat­te, spiel­te Gau­land schon bei der AfDG­rün­dung ei­ne zen­tra­le Rol­le. Als viel be­schäf­tig­ter Pu­bli­zist hat­te er in den Jah­ren zu­vor dar­über ge­klagt, dass die CDU un­ter der Füh­rung von An­ge­la Mer­kel im­mer be­lie­bi­ger wer­de und ih­re kon­ser­va­ti­ven Grund­sät­ze preis­ge­be. Be­son­ders em­pör­te ihn die Eu­ro-Ret­tungs-Po­li­tik. Im Herbst 2012 ver­liess er die Par­tei und grün­de­te we­ni­ge Mo­na­te spä­ter mit dem Ham­bur­ger Volks­wirt­schafts­pro­fes­sor Bernd Lu­cke und wei­te­ren Mit­strei­tern die AfD. Wäh­rend Lu­cke vor al­lem öko­no­mi­sche Ar­gu­men­te ge­gen die Eu­ro-Ret­tung an­führt, ist Gau­land über­zeugt, dass Deutsch­land vor al­lem des­halb für über­schul­de­te Nach­bar­län­der Bürg­schaf-

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