Ras­sis­mus: Bas­ler Mu­si­ker ver­ur­teilt

Staats­an­walt­schaft er­lässt Straf­be­fehl ge­gen An­zei­ge­er­stat­ter im Fall Mas­si­mo Roc­chi

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - SCHWEIZ - Af­fä­re To­eltl

Weil er Mus­li­me mit Na­zis ver­gli­chen hat, ist der Bas­ler Mu­si­ker Da­vid Klein ver­ur­teilt wor­den. Klein hat­te sel­ber den Ko­mi­ker Mas­si­mo Roc­chi we­gen Ras­sis­mus an­ge­zeigt. Pas­cal Hol­len­stein

Die Af­fä­re sorg­te vor gut ei­nem Jahr für ei­ni­ge Auf­merk­sam­keit, denn das dar­an be­tei­lig­te Per­so­nal ist ei­ni­ger­mas­sen pro­mi­nent: Da ist ei­ner­seits der Ko­mi­ker Mas­si­mo Roc­chi. In der SRF-Sen­dung «Stern­stun­de Phi­lo­so­phie» äus­ser­te sich die­ser un­ter an­de­rem zum jü­di­schen Witz. Man konn­te Roc­chis un­voll­stän­di­ge und nur teil­wei­se zu­sam­men­hän­gen­de Sät­ze so ver­ste­hen, als spie­le er auf ein an­ti­jü­di­sches Ste­reo­typ an; Roc­chi hat ei­ne sol­che Ab­sicht stets ent­schie­den ver­neint.

Auf der an­de­ren Sei­te ist der Bas­ler Mu­si­ker Da­vid Klein. Wie er spä­ter der «Sonn­tags-Zei­tung» sag­te, ha­be er Roc­chi zu­nächst um ein klä­ren­des Ge­spräch er­sucht. Da­mit sei er aber ge­schei­tert. Des­halb ha­be er Straf­an­zei­ge ge­gen Roc­chi ein­ge­reicht. Die­ser ha­be mit sei­nen Äus­se­run­gen ei­ne Wi­der­hand­lung ge­gen das An­ti­ras­sis­mus­ge­setz be­gan­gen.

«Die Na­zis von heu­te!»

Als Anzeige und An­zei­ge­er­stat­ter be­kannt­wur­den, forsch­te al­ler­dings der Pri­vat­sen­der Te­le Zü­ri auf Kleins Web­site nach – und stiess auf ei­nen bri­san­ten Ein­trag: «Mus­li­me, die Na­zis von heu­te!» be­ti­tel­te Klein da ei­nen Bei­trag. In­dem sie Ju­den be­läs­tig­ten, führ­ten sich Mus­li­me heu­te in Je­ru­sa­lem auf wie die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten, so Klein. Und wei­ter: «Aber die ‹Welt­ge­mein­schaft› soll die­sem Ab­schaum nur im­mer wei­ter Geld in den Hin­tern bla­sen und die­ses ver­kom­me­ne Pack al­ler­orts recht fleis­sig ‹in­te­grie­ren›, da­mit sie welt­weit ih­ren Ju­den­hass prak­ti­zie­ren kön­nen.» Die­se Äus­se­run­gen tru­gen dem Ras­sis­mus-An­zei­ger Klein sei­ner­seits ei­ne Straf­an­zei­ge ein – dies­mal von Bas­ler Mus­li­men. Dass der An­zei­ger nun sel­ber an­ge­zeigt wor­den war, wur­de da und dort mit Hä­me kom­men­tiert.

Klein hat sich bei den Bas­ler Mus­li­men für sei­ne Wort­wahl zwar mitt­ler­wei­le ent­schul­digt, und die­se ha­ben die Anzeige zu­rück­ge­zo­gen. Klein ha­be in sei­ner Ent­schul­di­gung «auf die tra­gi­sche Ver­gan­gen­heit sei­ner jü­di­schen Vor­fah­ren» ver­wie­sen, schrieb die Bas­ler Mus­lim-Kom­mis­si­on in ei­nem Com­mu­ni­qué: «Die Gü­te zu ver­zei­hen und die Ga­be, um Ver­zei­hung zu bit­ten» ge­hör­ten zu den wich­tigs­ten Ei­gen­schaf­ten des Is­lam.

Da es sich bei Wi­der­hand­lun­gen ge­gen den An­ti­ras­sis­musPa­ra­gra­fen aber um ein Of­fi­zi­al­de­likt han­delt, setz­te die Bas­ler Staats­an­walt­schaft ihr Straf­ver­fah­ren den­noch fort. Und nicht nur das, wie jetzt be­kannt wird: Klein ist von der Staats­an­walt­schaft mitt­ler­wei­le per Straf­be­fehl ver­ur­teilt wor­den, wie ein Spre­cher der Staats­an­walt­schaft sagt. Im glei­chen Straf­be­fehl ha­be man zu­dem ein zwei­tes Ver­fah­ren we­gen üb­ler Nach­re­de er­le­digt. Die­ses ste­he al­ler­dings in kei­nem Zu­sam­men­hang mit Kleins ver­ba­len Ent­glei­sun­gen zu den Mus­li­men. Wei­te­re An­ga­ben macht der Spre­cher nicht.

Klein schweigt

Der Straf­be­fehl ist nicht rechts­kräf­tig, denn Klein hat ihn beim Bas­ler Straf­ge­richt an­ge­foch­ten, wie das Ge­richt be­stä­tigt. Ein Ver­hand­lungs­ter­min sei noch nicht an­ge­setzt, ein Ent­scheid aber «in ab­seh­ba­rer Zeit» zu er­war­ten, heisst es beim Straf­ge­richt wei­ter.

Da­vid Klein moch­te Fra­gen zu sei­ner erst­in­stanz­li­chen Ver­ur­tei­lung nicht be­ant­wor­ten. Das von ihm ins Rol­len ge­brach­te Straf­ver­fah­ren ge­gen Mas­si­mo Roc­chi ist der­weil noch pen­dent, «da noch ei­ne Be­schwer­de ge­gen ei­ne Ver­fü­gung der Staats­an­walt­schaft am Ober­ge­richt hän­gig ist», wie ei­ne Spre­che­rin der in die­sem Fall zu­stän­di­gen Zürcher Staats­an­walt­schaft mit­teilt. Es ge­he hier­bei um ei­ne «for­mel­le Fra­ge­stel­lung», teilt Kleins An­walt in der Sache Roc­chi, Da­vid Gi­bor, auf An­fra­ge mit. Ge­naue­res ist von kei­ner der in­vol­vier­ten Par­tei­en zu er­fah­ren.

Da­vid Kleins Fall liegt nun beim Bas­ler Straf­ge­richt.

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