DER MEIS­TER DES MA­GI­SCHEN FLIEGENS

Schweizer Familie - - VORDERSEITE - Text An­ge­la Lem­bo Fotos Ba­sil Stü­che­li

Pe­ter Marvey hat die Pas­si­on sei­ner Kind­heit zum Be­ruf ge­macht. Der Ma­gier von Welt­rang lässt in sei­nen Shows Men­schen durch die Luft schwe­ben und ver­blüfft Zu­schau­er rund um den Glo­bus.

Schon als er klein war, hat­te er Gros­ses vor. Er woll­te das Meer­schwein­chen der Nach­barn un­sicht­bar ma­chen. Der Jun­ge nahm es zwei Wo­chen bei sich auf. Und tat­säch­lich, als die Nach­barn aus den Fe­ri­en zu­rück­ka­men, war das Wun­der voll­bracht: Vor den Au­gen der ver­blüff­ten Tier­be­sit­zer lös­te sich das Meer­schwein­chen in Luft auf und – Sim­sa­la­bim – er­schien an an­de­rer Stel­le wie­der.

Rund 35 Jah­re sind seit­her ver­gan­gen, und aus dem klei­nen Zau­be­rer ist ei­ner der be­kann­tes­ten Ma­gier der Welt ge­wor­den. Pe­ter Wol­len­mann, 47, aus Feu­sis­berg SZ nennt sich heu­te Pe­ter Marvey und steht in der Hier­ar­chie auf glei­cher Stu­fe wie David Cop­per­field, Sieg­fried und Roy oder an­de­re Stars der Zau­ber­sze­ne. Er wur­de mehr­fach aus­ge­zeich­net, un­ter an­de­rem mit dem gol­de­nen Zau­ber­stab aus den Hän­den des heu­ti­gen Fürs­ten Al­bert von Mo­na­co. Letz­tes Jahr über­reich­te ihm die in­ter­na­tio­na­le Ge­sell­schaft für Ma­gie zum drit­ten Mal den Mer­lin-award – den Os­car für Zau­be­rer. «Pe­ter Marvey ist der krea­tivs­te und bes­te Gros­sil­lu­sio­nist der Ge­gen­wart», sagt Sieg­fried Fisch­ba­cher vom Duo Sieg­fried

«Pe­ter Marvey ist der krea­tivs­te und bes­te Gros­sil­lu­sio­nist der Ge­gen­wart, ein St­ar­ma­gi­er.» Sieg­fried Fisch­ba­cher vom Duo Sieg­fried und Roy

Ex­per­te im ma­gi­schen Flie­gen

Was ihn welt­weit be­kannt ge­macht hat, ent­steht in Feu­sis­berg, wo Marvey vor zehn Jah­ren sein «Ma­gic Hou­se» er­bau­te. Hier tüf­telt er im Ge­hei­men an sei­nen Kunst­stü­cken. Selbst über sei­nen al­ten Trick mit dem un­sicht­ba­ren Meer­schwein­chen schweigt er sich bis heu­te aus. «Das Meer­schwein­chen muss­te ei­ne stren­ge Di­ät, har­tes Trai­ning und Ver­schwin­di­bus-übun­gen ma­chen», sagt er nur und schmun­zelt. Er ist in der obe­ren Eta­ge sei­nes «Ma­gic Hou­ses», das er mit sei­ner Part­ne­rin Vi­vi Ve­ga, 38, be­wohnt. Das Paar bringt sich in Po­si­ti­on für ei­ne Dar­bie­tung, die es sich für die Le­ser der «Schwei­zer Fa­mi­lie» aus­ge­dacht hat: frei­es Sit­zen in der Luft, oh­ne Stuhl, oh­ne Ho­cker, oh­ne nichts. Statt mit Meer­schwein­chen ver­blüfft Pe­ter Marvey sein Pu­bli­kum heu­te mit flie­gen­den Men­schen. Er und Roy, «ein St­ar­ma­gi­er der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on.»

Sei­ne Shows führ­ten Pe­ter Marvey um die hal­be Welt, von Las Ve­gas über Kua­la Lum­pur bis nach Mos­kau. In über fünf­zig Län­dern auf fünf Kon­ti­nen­ten ist er be­reits auf­ge­tre­ten. Im De­zem­ber gas­tiert er mit sei­ner Show «Pe­ter Marvey & Fri­ends» in der Schweiz. lässt sich und an­de­re al­lei­ne oder in über­di­men­sio­na­len Ku­geln, Kris­tal­len und – wie am Spring­rei­ter-tur­nier CSI in Zü­rich – in ei­ner Pfer­de­kut­sche weit über dem Bo­den schwe­ben. Marvey ist ein Meis­ter der gros­sen Il­lu­sio­nen und der füh­ren­de Ex­per­te im ma­gi­schen Flie­gen.

Auf­ge­wach­sen ist der Sohn ei­nes Phy­si­kers und ei­ner Leh­re­rin mit sei­ner Schwes­ter Bea in ei­nem be­schau­li­chen Rie­gel­haus in Rü­ti ZH. «Er war ein zu­rück­hal­ten­des, fast schon scheu­es Kind», sagt sei­ne Mut­ter Irm­gard Wol­len­mann. Ei­nes, das gern werk­te und sich mit sei­nen Freun­den in ir­gend­wel­chen Pro­jek­ten ver­lor. Er bau­te ei­ne In­sel, ei­nen Hoch­sitz, ein­mal so­gar ei­nen ge­hei­men Raum mit ei­ner Tür, die man von Au­ge kaum er­kann­te.

Tag und Nacht am Tüf­teln

Mit 14 – er hat­te ge­ra­de die Pro­be­zeit am Gym­na­si­um be­stan­den – fiel ihm in der Bi­b­lio­thek ein Buch mit An­lei­tun­gen zum Zau­bern in die Hän­de. Er leg­te es wäh­rend der gan­zen Fe­ri­en nicht weg. «Ich rea­li­sier­te, dass Zau­be­rei kei­ne Ga­be ist, die man erbt, son­dern ei­ne Kunst, die man ler­nen kann», sagt er. Und Pe­ter lern­te. Tag und Nacht pro­bier­te er Neu­es aus. In der Schu­le üb­te er heim­lich un­ter der Bank Kar­ten­kunst­stü­cke und ar­bei­te­te an sei­ner Fin­ger­fer­tig­keit. Nach Schul­schluss zau­ber­te er zu Hau­se wei­ter. Im Zim­mer. Im Estrich. Im Gar­ten. Und in der Ga­ra­ge, die er mehr und mehr in Be­schlag nahm und zur Werk­statt um­funk­tio­nier­te. Er näh­te, säg­te, schliff und schraub­te an den Kon­struk­tio­nen, die er für sei­ne Zau­ber­kunst­stü­cke brauch­te.

Gemeinsam über Ide­en brü­ten

Wäh­rend er von sei­ner Kind­heit er­zählt, schwebt Pe­ter Marvey noch im­mer mit Vi­vi, pros­tet ihr mit ei­nem Cham­pa­gner­glas zu. Vor gut zehn Jah­ren ver­lieb­te er sich wäh­rend ei­nes ge­mein­sa­men En­ga­ge­ments in die Tän­ze­rin aus Pu­er­to Ri­co. Die stu­dier­te Psy­cho­lo­gin blieb an Pe­ter Mar­veys Sei­te. Nicht nur pri­vat, auch be­ruf­lich als Re­gis­seu­rin, Cr­ew-ma­na­ge­rin, Ko­s­tüm­de­si­gne­rin und Büh­nen­part­ne­rin. Gemeinsam brü­ten sie über neu­en Ide­en und per­fek­tio­nie­ren ih­re Il­lu­sio­nen.

Per­fek­ti­on. Sie war stets der An­trieb in Pe­ter Mar­veys Kar­rie­re. Er be­such­te zu Schul­zei­ten al­le mög­li­chen Zau­ber­shows, sam­mel­te Vi­deo­kas­set­ten von Dar­bie­tun­gen und dach­te: «Ich will ver­su­chen, die­ses Kunst­stück bes­ser zu ma­chen.» Er er­fand neue Tech­ni­ken, kon­stru­ier­te neue In­stal­la­tio­nen für sei­ne Il­lu­sio­nen und reis­te mit ih­nen zu Kon­gres­sen und

Zau­ber­trick für die «Schwei­zer Fa­mi­lie»: Pe­ter Marvey schwebt mit sei­ner Part­ne­rin Vi­vi Ve­ga im Ma­gic Hou­se in Feu­sis­berg sit­zend in der Luft.

Pe­ter Marvey und sei­ne «flie­gen­de Pfer­de­kut­sche» 2007 im Hal­len­sta­di­on Zü­rich.

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