Ge­spräch zur Zeit

In den USA hat sie den Raum ge­fun­den, sich zu ent­fal­ten. Jetzt stellt Au­to­rin Mi­le­na Moser in der Schweiz das Re­sul­tat vor: Ei­ne Ge­schich­te, die von drei Ge­ne­ra­tio­nen er­zählt.

Schweizer Familie - - INHALT - — In­ter­view Ga­b­rie­la Mei­le

Mi­le­na Moser, Schrift­stel­le­rin

Was ha­ben Sie heu­te vor?

Ich ha­be ei­nen Jet­lag, bin erst ges­tern aus den USA in die Schweiz ge­kom­men, um mei­nen neu­en Ro­man «Land der Söh­ne» vor­zu­stel­len. Heu­te ge­be ich In­ter­views und hal­te am Abend ei­ne Le­sung.

Sie woh­nen seit 2015 in San­ta Fe, New Me­xi­co, und sind bloss bis En­de Ok­to­ber hier. Fin­den Sie Zeit, Ih­re Fa­mi­lie und Ih­re Freun­de zu tref­fen?

Ja, ich ha­be zwi­schen den ver­schie­de­nen Auf­trit­ten min­des­tens ei­ne Wo­che frei. Dann ge­nies­sen wir un­ser Bei­sam­men­sein aus­gie­big.

Ha­ben Sie sich in den letz­ten drei Jah­ren gut in Ih­rer neu­en Hei­mat ein­ge­lebt?

Sehr. Mein Um­feld fühlt sich mitt­ler­wei­le ver­traut an. San­ta Fe ist zu mei­nem rich­ti­gen Zu­hau­se ge­wor­den, wo ich mich si­cher füh­le, Freun­de ge­fun­den ha­be und zur Ru­he ge­kom­men bin. Ein­zig die Sehn­sucht nach mei­nen Söh­nen Li­no und Cy­ril plagt mich nach wie vor.

Nach Ih­rer Aus­wan­de­rung in die USA wur­de Do­nald Trump zum Prä­si­den­ten ge­wählt, der un­ter an­de­rem die Ein­wan­de­rungs­po­li­tik ver­schärft hat. Sind Sie von sei­ner Re­gie­rung be­trof­fen?

Seit kur­zem hal­te ich mich mit Kom­men­ta­ren da­zu zu­rück. Denn die­sen Mo­nat soll mein Vi­sum er­neu­ert wer­den, und ich will kei­ne Ab­sa­ge pro­vo­zie­ren.

Fürch­ten Sie, der Prä­si­dent über­prüft Ih­re Aus­sa­gen in Schwei­zer Me­di­en?

Kaum. Aber ich möch­te nichts ris­kie­ren. Im schlimms­ten Fall könn­te ich nicht mehr ein­rei­sen. Da­ran will ich nicht mal den­ken.

Ihr Part­ner Vic­tor wohnt in San Fran­cis­co. Wä­re ein ge­mein­sa­mer Wohn­sitz et­was für Sie?

Mei­ne Auf­ent­hal­te bei Vic­tor sind in den vier Jah­ren, in de­nen wir zu­sam­men sind, ste­tig län- ger und häu­fi­ger ge­wor­den. Aber ich bin noch nicht be­reit, San­ta Fe auf­zu­ge­ben.

Weil Sie dort mit «Land der Söh­ne» Ihr bis­her bes­tes Buch ver­fasst ha­ben, wie Kri­ti­ker ur­tei­len?

Viel­leicht. Ich hat­te schon län­ger das Ge­fühl, dass et­was in mir schlum­mert – tie­fer grei­fen­de Ge­schich­ten. Doch in der Schweiz hat­te ich nicht den Raum, mich zu ent­fal­ten, rann­te von Ter­min zu Ter­min, gab Kur­se, schrieb Ko­lum­nen. In der Wei­te von New Me­xi­co ha­be ich mich we­ni­ger ver­zet­telt.

Ihr Ro­man spielt in den USA und in ver­schie­de­nen Epo­chen: in den Vier­zi­gern, den Sieb­zi­gern und im Heu­te. War­um er­zäh­len Sie von drei Ge­ne­ra­tio­nen?

Weil ich mich für die Ent­wick­lun­gen in­ner­halb ei­ner Fa­mi­lie über De­ka­den in­ter­es­sier­te. Mich be­schäf­tigt, wie Men­schen un­ter­schied­lich mit trau­ma­ti­schen Er­leb­nis­sen aus ih­rer Kind­heit um­ge­hen. War­um man­che da­ran zer­bre­chen, an­de­re hin­ge­gen da­ran wach­sen.

«Mich be­schäf­tigt, wie Men­schen un­ter­schied­lich mit trau­ma­ti­schen Er­leb­nis­sen aus ih­rer Kind­heit um­ge­hen.»

Auch Sie ha­ben schwie­ri­ge Zei­ten hin­ter sich: Schei­dung, Zu­sam­men­bruch, Neu­an­fang. Wie ha­ben Sie Ih­re Ver­gan­gen­heit ver­ar­bei­tet?

Der Bud­dhis­mus, das Yo­ga ha­ben si­cher ge­hol­fen. Da­durch ha­be ich ge­lernt, dass man Schmer­zen aus­hal­ten kann – kör­per­li­che wie emo­tio­na­le. Dass sie ver­ge­hen. Ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen de­fi­nie­ren mich nicht, sie sind nur ein­zel­ne Fä­den in mei­nem gros­sen, bun­ten Le­ben­step­pich.

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