Sinn­vol­le Apps

Der Fa­mi­li­en­all­tag ist ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Her­aus­for­de­rung. Sinn­vol­le Apps kön­nen El­tern beim Be­wäl­ti­gen der viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben oder in Not­fäl­len un­ter­stüt­zen.

Schweizer Familie - - INHALT - — Text Mar­kus Schmid

Di­gi­ta­le Hel­fer für den Fa­mi­li­en­all­tag

Ich füh­re ein sehr er­folg­rei­ches klei­nes Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men», er­klärt die jun­ge Mut­ter und Haus­frau im Wer­be­spot ei­ner Haus­halts­ge­rä­te­fir­ma. Der Spruch ist wohl nicht zu­letzt des­halb zum ge­flü­gel­ten Wort ge­wor­den, weil sich die meis­ten El­tern in dem selbst­be­wuss­ten Job­be­schrieb wie­der­er­ken­nen. Denn mit Ter­min­pla­nung, Be­spre­chun­gen, Ar­beits­kon­trol­le und an­de­ren ver­ant­wor­tungs­vol­len Füh­rungs­funk­tio­nen se­hen ih­re Auf­ga­ben in der Fa­mi­lie nicht viel an­ders aus als die ei­nes Ma­na­gers in ei­nem Un­ter­neh­men.

Es ist des­halb nur kon­se­quent, dass es auch für die Fa­mi­li­en­ma­na­ge­rin­nen und Fa­mi­li­en­ma­na­ger elek­tro­ni­sche Un­ter­stüt­zung in Form von Apps für Han­dy und Ta­blet gibt, die ih­nen hel­fen, das Le­ben mit Kin­dern zu or­ga­ni­sie­ren und im all­täg­li­chen Fa­mi­li­en­cha­os den Über­blick zu be­hal­ten. Dass dies of­fen­sicht­lich auf ein Be­dürf­nis trifft, zeigt die wach­sen­de Zahl an Pla­nungs- und Ver­wal­tungs­pro­gram­men für El­tern, die vom ein­fa­chen Ter­min­ka­len­der über Ein­kaufs­lis­ten bis zu Such­hil­fen für Spiel­plät­ze rei­chen.

Die Spreu vom Wei­zen tren­nen

Dass sich un­ter den vie­len Apps auch manch selt­sa­me Idee fin­det, mag nie­mand über­ra­schen. So wird et­wa die App Run­pee (kos­ten­los für IOS und An­dro­id) als be­son­ders nütz­lich für Schwan­ge­re und Kin­der be­wor­ben, die ei­nen Druck auf die Bla­se nicht so leicht aus­sit­zen kön­nen. Die App in­for­miert, wann bei ei­nem Ki­no­film der bes­te Mo­ment ist, das stil­le Ört­chen auf­zu­su­chen. Doch da­mit nicht ge­nug: Sie gibt zu­dem ei­ne Zu­sam­men­fas­sung der ver­pass­ten Sze­nen.

Noch recht jung sind in­ter­ak­ti­ve Er­zie­hungs­pro­gram­me wie Muse, die El­tern hel­fen wol­len, dass ih­re Kin­der ge­sund blei­ben, glück­lich und er­folg­reich wer­den. Da­mit die da­hin­ter ar­bei­ten­de künst­li­che In­tel­li­genz den Cha­rak­ter und das Wis­sen ei­nes Kin­des ein­schät­zen kann, müs­sen sie die Er­zie­her mit In­for­ma­tio­nen über sein Ver­hal­ten in­klu­si­ve Zeich­nun­gen und Ton­auf­nah­men füt­tern. Ob die El­tern be­reit sind, sol­che per­sön­li­chen Da­ten an die Ent­wick­ler zu schi­cken, müs­sen sie selbst ent­schei­den.

Ei­ne drit­te Ka­te­go­rie von Fa­mi­li­en­apps, die man nicht vor­be­halt­los emp­feh­len kann, sind Or­tungs­sys­te­me. Die­se Über­wa­chungs-apps er­fas­sen die Be­we­gung des Nach­wuch­ses und sol­len den El­tern da­durch Si­cher­heit bie­ten, sind aber bei Ex­per­ten um­strit­ten.

Im Fol­gen­den wer­den nur Pro­gram­me für das Fa­mi­li­en­ma­nage­ment vor­ge­stellt, de­ren Ein­satz un­be­denk­lich ist und die ei­ne wirk­li­che Hil­fe im All­tag bie­ten kön­nen. Den­noch soll­te man sich be­wusst sein, dass man bei na­he­zu al­len Apps sei­ne per­sön­li­chen Da­ten preis­gibt, die un­ter Um­stän­den an Wer­be- und Ser­vice­part­ner wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Ei­ne der we­ni­gen Aus­nah­men ist Fruux, ei­ne Ka­len­der-app, die kom­plett auf die Da­ten­er­he­bung ver­zich­tet. Ei­gent­lich ist es ei­ne pro­fes­sio­nel­le Soft­ware für Un­ter­neh­men. Aber Fa­mi­li­en sind ja schliess­lich nichts an­de­res als klei­ne Un­ter­neh­men.

SUCH­HIL­FEN

Der Na­me ver­rät es schon: Apps für die Spiel­platz-or­tung zei­gen, wo El­tern ei­nen klei­nen Ver­gnü­gungs­park für die Klei­nen fin­den. Das ist bei Spiel­platz­treff (kos­ten­los für IOS und An­dro­id und wie fast al­le Gra-

tis-apps mit Wer­bung) oder

Spiel­platzapp (nur für IOS) aber nicht al­les. Be­wer­tun­gen an­de­rer El­tern zei­gen, in wel­chem Zu­stand sich der Spiel­platz be­fin­det, und ge­ben vie­le nütz­li­che Hin­wei­se. So er­fährt man et­wa, ob es Schat­ten spen­den­de Bäu­me oder in der Nä­he ein Ca­fé gibt. Lei­der fin­den sich in der Schweiz nur we­ni­ge Ein­trä­ge, hier ist noch Mit­ma­chen ge­fragt.

EIN­KAUF

(kos­ten­los für IOS, An­dro­id und Web) ist die elek­tro­ni­sche Ver­si­on des Ein­kaufs­zet­tels, den dank Ver­net­zung und Han­dy al­le Fa­mi­li­en­mit­glie­der stän­dig da­bei ha­ben. Je­der kann die Lis­te je­der­zeit mit ei­nem Pro­dukt aus ei­nem Ka­ta­log er­gän­zen und bei pas­sen­der Ge­le­gen­heit da­mit ein­kau­fen ge­hen. Ei­ne Re­zept­samm­lung er­leich­tert die Me­nü­pla­nung, die für ein Ge­richt nö­ti­gen Zu­ta­ten wer­den au­to­ma­tisch in die Ein­kaufs­lis­te über­tra­gen. Wer will, kann sich al­les schliess­lich von ei­nem Online-ver­sand brin­gen las­sen. Bring! ist ein­fach zu hand­ha­ben und über­sicht­lich, nervt aber mit Wer­be­mails für den an­ge­schlos­se­nen Shop. Eben­falls ei­ne Ein­kaufs­lis­te für al­le kann man in Fa­ma­nice (kos­ten­los in ei­ner ab­ge­speck­ten Ver­si­on für IOS, An­dro­id und Web) an­le­gen. Die App bie­tet al­ler­dings noch weit mehr. El­tern und Kin­der kön­nen da­mit ih­re Ter­mi­ne ko­or­di­nie­ren, Nachrichten aus­tau­schen und To-do-lis­ten er­stel­len. Zu­dem gibt es ei­nen Be­reich für die Schu­le, in dem klas­sen­wei­se zu­sam­men mit Leh­rern und El­tern In­fos, Ter­mi­ne und Adres­sen er­fasst wer­den kön­nen. Ord­nung im Ter­min­zet­tel-cha­os, die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Schu­le, El­tern und Schü­lern so­wie die Spei­che­rung al­ler Da­ten ver­spricht die Schwei­zer Ent­wick­lung Shu­bi­du (kos­ten­los für IOS und An­dro­id). Ein Vor­teil die­ser →

Bring!

App ist die Syn­chro­ni­sie­rung der Ter­mi­ne mit Ge­schäfts- oder Pri­vat­ka­len­der in Out­look oder Goog­le.

NOT­FALL

Ei­gent­lich un­er­läss­lich ist die

Ers­te-hil­fe-app des Schwei­ze­ri­schen Ro­ten Kreu­zes (kos­ten­los für IOS und An­dro­id). Schritt für Schritt zeigt sie, was bei ei­nem Not­fall von Asth­ma bis Zer­run­gen zu tun ist. Den Arzt kann Me­di­kid vom deut­schen Kin­der­arzt Jürg Na­se (2.20 Fran­ken für IOS und An­dro­id) nicht er­set­zen. Aber sie hilft bei ei­ner ers­ten Dia­gno­se von Krank­hei­ten, gibt Tipps für die Be­hand­lung und ist vor al­lem bei Not­fäl­len ein nütz­li­cher Rat­ge­ber. Ei­ne eben­so un­er­setz­li­che App ist Ver­gif­tungs­un­fäl­le bei Kin­dern (kos­ten­los für IOS und An­dro­id). Die Tipps zur kin­der­si­che­ren Auf­be­wah­rung von Me­di­ka­men­ten und gif­ti­gen Haus­halt­s­pro­duk­ten wie auch die Hin­wei­se und Not­fall­mass­nah­men bei aku­ten Ver­gif­tun­gen kön­nen Le­ben ret­ten. Die App stammt vom deut­schen Bun­des­in­sti­tut für Ri­si­ko­be­wer­tung, die Adres­sen der No­t­ruf­zen­tra­len gel­ten des­halb nur für Deutsch­land. In der Schweiz hilft die No­t­ruf-app

Ue­paa (kos­ten­los für IOS und An­dro­id). Für Wan­der-, Aus­flugs- und Rei­se­fans un­ter den Fa­mi­li­en ist na­tür­lich die un­ab­ding­bar (kos­ten­los für IOS, An­dro­id und Win­dows). Bei­de Apps schi­cken welt­weit den Hil­fe­ruf und den Stand­ort an die nächs­te Ret­tungs­stel­le.

Re­ga-app

BABYFON

Babyfon-apps wie das Ba­by­pho­ne 3G sind schnell in­stal­liert und ha­ben ei­ne prak­tisch un­be­grenz­te Reich­wei­te. Gleich­wer­tig ist die App Ba­by­phon (bei­de rund 4 Fran­ken für IOS und An­dro­id). Doch Han­dys kön­nen ge­hackt wer­den, und nicht al­le El­tern wer­den be­geis­tert sein, wenn die Vi­deo-auf­nah­men von ih­rem Kind in frem­de Hän­de ge­ra­ten. Zu­dem sen­den Han­dys Strah­len aus, und die Apps sind Strom­fres­ser. Das Han­dy soll­te des­halb nicht in der Nä­he des Säug­lings plat­ziert wer­den, am Strom­netz an­ge­schlos­sen und auf stumm ge­stellt sein. Emp­feh­lens­wert sind Han­dys mit mög­lichst ge­rin­gen Sar-wer­ten (Hö­he der elek­tro­ma­gne­ti­schen Strah­lung).

FREI­ZEIT

Über 1200 Aus­flugs­tipps hat Schweiz Tou­ris­mus in der App

Fa­mi­ly Trips (kos­ten­los für IOS und An­dro­id) ge­sam­melt. Mit Stich­wor­ten kann man den pas­sen­den Aus­flug und bei Be­darf ei­ne fa­mi­li­en­freund­li­che Un­ter­kunft su­chen. Bei schlech­tem Wet­ter hel­fen Spie­le-apps wie die War­te-spie­le-app vom deut­schen Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fa­mi­lie, Se­nio­ren, Frau­en und Ju­gend (kos­ten­los für IOS und An­dro­id). Sie lie­fert über 100 Spiel­ide­en für zu Hau­se, aber auch für lan­ge Au­to­fahr­ten oder ge­gen Lan­ge­wei­le beim War­ten. Das Schö­ne da­bei: Die Spie­le kom­men oh­ne Bild­schirm und mit we­ni­gen oder kei­nen All­tags­ge­gen­stän­den aus.

TA­GE­BUCH

Weisst du noch? Dies ist wohl ei­ne der häu­figs­ten Fra­gen in Fa­mi­li­en. Das Fo­to­ta­ge­buch Lov­li – Dein Fa­mi­li­en­netz­werk (kos­ten­los für IOS und An­dro­id) hält wich­ti­ge Mo­men­te im Fa­mi­li­en­le­ben chro­no­lo­gisch in Bild und Vi­de­os fest und hilft der Er­in­ne­rung so auf die Sprün­ge. Man kann die Er­leb­nis­se mit an­de­ren Fa­mi­li­en­mit­glie­dern tei­len oder als Post­kar­te ver­schi­cken. Fast schon ei­ne ver­film­te Fa­mi­li­en­ge­schich­te lässt sich mit 1 se­cond ever­y­day (5 Fran­ken für IOS und kos­ten­lo­se 30-tä­gi­ge Test­ver­si­on für An­dro­id) dre­hen. Die Idee: Je­den Tag nimmt man ei­ne Se­kun­de auf Vi­deo auf und do­ku­men­tiert so über die Jah­re wie in ei­nem Zei­t­raf­fer bei­spiels­wei­se die Ent­wick­lung sei­ner Kin­der.

Aus­flü­ge pla­nen, Spiel­plät­ze su­chen oder ein­fach nur War­te­zeit über­brü­cken: Apps ma­chen dies mög­lich.

Geht es dem Klei­nen gut? Mit ei­ner Ba­by­pho­neapp kön­nen El­tern den Schlaf ih­rer Kin­der über­wa­chen.

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