Ferien im Bau­denk­mal

Schweizer Familie - - INHALT - — Text Claus Schweit­zer Fo­tos Pa­trik Fuchs

Al­ten Ge­bäu­de wur­de neu­es Le­ben ver­lie­hen. Nun kann man sie mie­ten

In Ober­ter­zen soll­te ein wind­schie­fes Ge­bäu­de Park­plät­zen wei­chen. Doch Pe­ter Hös­li kauf­te und re­no­vier­te das his­to­risch wert­vol­le Schin­del­haus sorg­fäl­tig. Heu­te kann man das Bi­jou für Ferien mie­ten bei ei­ner Stif­tung, die ver­lot­tern­den Bau­wer­ken ein zwei­tes Le­ben ver­leiht.

Bau­ern­wohn­häu­ser», sagt Pe­ter Hös­li, «ha­ben mich im­mer fas­zi­niert. Es sind klu­ge, nachhaltige Bau­ten. Sie wur­den mit den Er­fah­run­gen aus Jahr­hun­der­ten er­rich­tet.» Der cha­ris­ma­ti­sche, frü­her als Arzt in Ba­sel tä­ti­ge Mitt­sech­zi­ger ver­brach­te seit sei­ner Kind­heit un­ge­zähl­te Wo­che­n­en­den in Ober­ter­zen ober­halb des Wa­len­sees, und je­des Mal führ­te ihn die An­fahrt zum fa­mi­liä­ren Fe­ri­en­do­mi­zil am Schin­del­haus vor­bei, das im Her­zen des Berg­dorfs zu­se­hends zer­fiel.

Als dann die St. Gal­ler Denk­mal­pfle­ge die Ab­bruch­ge­neh­mi­gung des 1755 er­bau­ten, in­zwi­schen recht wind­schie­fen Ge­bäu­des er­teil­te und Hös­li Sprü­che zu Oh­ren ka­men, dass sich das Grund­stück her­vor­ra­gend für der Ge­mein­de feh­len­de Park­plät­ze eig­nen wür­de, konn­te er dem Lauf der Din­ge nicht mehr ta­ten­los zu­se­hen. Er er­warb es kur­zer­hand un­ter Ver­drän­gung je­den Ge­dan­kens an ei­nen lang­fris­ti­gen fi­nan­zi­el­len Ge­winn.

Bei den ers­ten Be­sich­ti­gun­gen wur­de schnell klar: Viel Ar­beit war­te­te hier auf den Bau­herrn und die aus Un­ter­ter­zen stam­men­de Ar­chi­tek­tin Pau­la Gi­ger. Die letz­te um­fas­sen­de Re­no­va­ti­on lag weit mehr als hun­dert Jah­re zu­rück, und die da­mals an­ge­brach­ten seit­li­chen Lau­ben wa­ren in ei­nem der­art de­so­la­ten Zu­stand, dass sie nicht er­hal­ten wer­den konn­ten. Aber die Grund­struk­tur des drei­ge­schos­si­gen Block­baus liess bei Hös­li so­fort Bil­der ent­ste­hen, was das Schin­del­haus im Kern aus­macht und was es wie­der sein könn­te.

Er über­leg­te, wie er das Ge­bäu­de am bes­ten nut­zen könn­te, und stell­te fest, dass es ei­gent­lich viel zu scha­de für den Ei­gen­ge­brauch als ge­le­gent­li­cher Rück­zugs­ort sei. Ein Be­kann­ter wies ihn auf die Stif­tung «Ferien im Bau­denk­mal» hin, und so fiel ei­ni­ger­mas­sen spon­tan die Ent­schei­dung, ei­ne Part­ner­schaft mit der Stif­tung ein­zu­ge­hen und Gäs­te aus nah und fern in den Ge­nuss die­ses ein­zig­ar­ti­gen Orts kom­men zu las­sen.

Zwei­jäh­ri­ge Um­bau­zeit

So nahm das Schin­del­haus – zu­erst ge­dank­lich, im Wei­te­ren bau­lich – Rea­li­tät an. In der zwei­jäh­ri­gen Um­bau­zeit bis zur Fer­tig­stel­lung im De­zem­ber 2014 wur­de das Haus auf den Kopf ge­stellt und im al­ten Mit­tel­teil in sei­ne ur­sprüng­li­che Struk­tur zu­rück­ver­setzt. Die his­to­ri­sche Sub­stanz und da­mit die Un­ver­wech­sel­bar­keit und Wär­me der or­ga­nisch ge­wach­se­nen Räu­me mit ih­ren al­ten Holz­bal­ken und ­bö­den soll­ten er­hal­ten blei­ben, doch an­de­rer­seits woll­te Hös­li un­nö­ti­ge, über die Jahr­hun­der­te ein­ge­schli­che­ne «Schnör­kel» ent­fer­nen und zu­gleich das Neue un­miss­ver­ständ­lich als Neu­es sicht­bar ma­chen.

Der Bau ist nun ei­ne ge­lun­ge­ne Kom­po­si­ti­on, die Alt und Neu, Leich­tig­keit

«His­to­ri­sche Häu­ser ha­ben es mir seit je­her an­ge­tan.» Pe­ter Hös­li, Schin­del­haus-be­sit­zer

Mas­si­vi­tät, Of­fen­heit und Rück­zug spie­le­risch mit­ein­an­der ver­bin­det. Und aus­ge­präg­ter als in den meis­ten an­de­ren Häu­sern der Stif­tung «Ferien im Bau­denk­mal», die mit mo­der­nen Ak­zen­ten zu­rück­hal­ten­der um­ge­hen, sind es im Schin­del­haus die Kon­tras­te, die dem In­te­ri­eur ei­ne schö­ne Mu­si­ka­li­tät ver­lei­hen.

Zen­tra­le kon­zep­tio­nel­le Idee war, ein Dach­flä­chen­fens­ter ein­zu­bau­en. Das mag denk­mal­schüt­ze­risch nicht ganz lu­pen­rein sein, doch so fliesst nun Ta­ges­licht durch das ehe­mals düs­te­re Trep­pen­haus, das einst die Rauch­kü­che war, bis ins Erd­ge­schoss. «Den Denk­mal­pfle­gern, die be­ra­tend ein­be­zo­gen wa­ren und de­nen ich man­che gu­te Um­bau­idee ver­dan­ke, war es pein­lich, das Haus zu­vor zum Ab­bruch frei­ge­ge­ben zu ha­ben, und so drück­ten sie be­züg­lich des neu­en Dach­fens­ters ein Au­ge zu», sagt der Haus­herr schmun­zelnd. Ein wei­te­rer Kom­pro­miss wur­de mit der schmu­cken Holz­ter­ras­se im Dach­ge­schoss ge­fun­den.

Ein­hei­mi­sche Höl­zer ver­wen­det

Die Ver­wen­dung von hei­mi­schen Na­tur­ma­te­ria­li­en wie Tan­nen-, Bu­chen- und Lär­chen­holz, Eiche für die Holz­mö­bel und al­pi­nem Ver­ru­ca­no-st­ein für man­che Bö­den so­wie der Ein­be­zug von glä­ser­nen Trep­pen und punk­tu­el­len De­si­gn­ob­jek­ten sind tra­gen­de Grund­ge­dan­ken. Schwar­zund

Die Die­len und die nied­ri­ge Raum­hö­he der Stu­be las­sen er­ah­nen, wie die Berg­bau­ern im 18. Jahr­hun­dert wohn­ten. Die schlich­ten mo­der­nen Mö­bel be­las­sen dem Raum sei­nen ur­sprüng­li­chen Cha­rak­ter.

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