Ge­spräch zur Zeit

Schweizer Familie - - INHALT - — In­ter­view Mar­kus Schnei­der

Mo­ni­ka Fas­nacht, Hun­de­trai­ne­rin

Seit dem Aus bei SRF ist Mo­ni­ka Fas­nacht oft als Hun­de­trai­ne­rin un­ter­wegs. Art­ge­rech­te Hal­tung, sagt sie, ha­be viel mit Er­zie­hung zu tun. Und mit dem rich­ti­gen Ti­ming.

Was ha­ben Sie heu­te vor?

Ich muss­te drin­gend zum Tier­arzt, da mei­ne Kat­ze Mätz­gi blu­tend heim­ge­kom­men ist. Was ihr pas­siert ist, weiss ich nicht.

Vi­el­leicht wur­de sie ge­bis­sen. Sie sind Hun­de­trai­ne­rin. Lässt sich der Jagd­in­stinkt ab­trai­nie­ren?

Nein. Aber der Hal­ter kann sei­nen Hund be­ob­ach­ten, sein Ver­hal­ten rich­tig deu­ten – und ihn zu­rück­ru­fen, be­vor er los­rennt.

Wenn Ihr Hund Fi­lou schnel­ler weg ist, als Sie ru­fen kön­nen, wie be­stra­fen Sie ihn dann?

In­dem ich ihn igno­rie­re. Das ist die schlimms­te Stra­fe für ei­nen Hund. In Aro­sa sprang Fi­lou mal ei­nem Mur­mel­tier hin­ter­her, ich sag­te nach­her ei­ne Vier­tel­stun­de lang kein Wort zu ihm. Er woll­te mit dem Ball spie­len, ich nicht.

Wie hält man sei­nen Hund art­ge­recht?

In­dem man ihn nicht ver­mensch­licht. Ein Tier ist kein Baby, mit dem man auf dem So­fa kuschelt.

Wir sit­zen hier im Ca­fé, Ihr Fi­lou liegt am Bo­den, in un­mit­tel­ba­rem Kon­takt mit mei­nem Fuss.

Ihm ist wohl. Und Sie sind ein ru­hi­ger Mensch. Ist je­mand hek­tisch, über­trägt sich das auf den Hund.

In der Stadt ha­ben Punks oft meh­re­re Hun­de bei sich. Meist sind die­se sehr brav. Warum?

Weil sie in der Re­gel art­ge­recht ge­hal­ten wer­den. Der Hund ist ein Ru­del­tier. Und Ob­dach­lo­se füh­ren ein Le­ben, wie es Hun­de in der frei­en Na­tur füh­ren wür­den. Sie wis­sen nie im Vor­aus, wo sie schla­fen wer­den. Es gibt kei­ne fes­ten Ri­tua­le, kein So­fa, kei­nen vol­len Napf um Punkt 18 Uhr.

Wann be­kommt Fi­lou sein Fres­sen?

Ges­tern Abend kam ich um halb zehn Uhr heim, al­so frass er um halb zehn. Ich be­stim­me den Ta­ges­ab­lauf, nicht Fi­lou. Ich ken­ne

MO­NI­KA FAS­NACHT, 54,

ehe­ma­li­ge Tv-mo­de­ra­to­rin, ist Hun­de­trai­ne­rin und lebt mit Mann Re­to May in Aro­sa GR und Tur­b­en­thal ZH. aber Leu­te, die rich­ten ih­re gan­ze Zeit nach ih­rem Hund, die ge­hen nicht ein­mal mehr ins Ki­no. Schreck­lich!

Wie lang ge­hen Sie mit Fi­lou spa­zie­ren?

Ins­ge­samt zwei St­un­den am Tag, aber nicht un­be­dingt nur am Mor­gen und nicht un­be­dingt am Stück. Je­der Hund soll­te zwei St­un­den Aus­lauf ha­ben, im Mi­ni­mum ei­ne St­un­de.

Das tut auch dem Hal­ter gut.

Stimmt. Hun­de­hal­ter le­ben ge­sün­der, das ist er­wie­sen. Ich bin bei je­dem Wet­ter je­den Tag min­des­tens zwei St­un­den im Frei­en. Und ich bin fast nie krank.

Wenn ein Kind ei­nen Hund will – darf man ihm zu Weih­nach­ten die­sen Wunsch er­fül­len?

Nein. Ei­nen Hund hal­ten heisst Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Die­se Ver­ant­wor­tung kann kein Kind tra­gen. Den El­tern muss be­wusst sein, dass sie sel­ber in der Pflicht ste­hen.

Was be­deu­tet das kon­kret?

«Der Hal­ter kann sei­nen Hund be­ob­ach­ten, sein Ver­hal­ten rich­tig deu­ten – und ihn zu­rück­ru­fen, be­vor er los­rennt.»

Man muss sich Fra­gen stel­len wie: Kann ich den Hund zur Ar­beit mit­neh­men? Was ist, wenn ich den Job oder die Woh­nung wechs­le? Ein Hund wird 10 bis 14 Jah­re alt, so lan­ge ver­pflich­tet man sich.

Nach 25 Jah­ren beim Schwei­zer Fern­se­hen wur­de Ih­nen die­ses Jahr per Te­le­fon ge­kün­digt. Was tun Sie für den Rest Ih­res Le­bens?

Ich hat­te ja schon vor­her ei­nen zwei­ten Job. Ich or­ga­ni­sie­re Jass­wo­chen und ge­be Hun­de­trai­nings. Jetzt tue ich ein­fach bei­des et­was in­ten­si­ver.

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