Le­bens­be­ra­tung

Schweizer Familie - - INHALT -

Er­kal­te­te Freundschaft und un­mo­ti­vier­te Te­enager

Nör­geln

Wenn ei­ne al­te Freundschaft ab­kühlt.

GA­BI, 52 Mein Mann und ich fra­gen uns, wie wir in Zu­kunft mit un­se­rer lang­jäh­ri­gen Kol­le­gin um­ge­hen sol­len. Ich ken­ne sie seit der Schu­le, wir wa­ren gu­te Ka­me­ra­din­nen, hal­fen uns bei den Auf­ga­ben und strick­ten bei­de sehr ger­ne. Spä­ter kam das Kar­ten­spie­len da­zu. Mit mei­nem ers­ten Mann führ­ten wir die sams­täg­li­chen Jass­run­den wei­ter. Seit ei­ni­gen Jah­ren ver­än­dert sie sich aber im­mer mehr zum Schlech­ten. Trotz­dem ha­ben mein zwei­ter Mann und ich uns be­müht, sie re­gel­mäs­sig ein­zu­la­den und den Kon­takt zu hal­ten. Sie will al­ler­dings nichts an­de­res un­ter­neh­men, als ein­fach bei uns zu sit­zen, zu es­sen und dann stri­ckend Fern­se­hen zu schau­en. Sie schaut ei­nem nicht mehr in die Au­gen, fragt zwar al­les Mög­li­che, zeigt dann aber Des­in­ter­es­se, wenn man zu er­zäh­len be­ginnt. Sie wie­der­um gibt nichts von sich preis, ant­wor­tet auf Fra­gen aus­wei­chend und mit All­ge­mein­plät­zen. Aus­ser­dem kri­ti­siert sie stän­dig an mei­ner Fi­gur her­um oder an Din­gen, die mein Mann und ich neu an­ge­schafft ha­ben. Meis­tens al­ler­dings schweigt sie ein­fach. Ich weiss aber, dass sie sich durch­aus mit anderen trifft und Din­ge un­ter­nimmt. Die Treffen mit uns wer­den im­mer sel­te­ner, auf ih­ren Wunsch. Nun hat sie ge­fragt, ob wir uns in zwei Mo­na­ten wie­der­se­hen sol­len. Ich ha­be kei­ne Lust mehr auf ei­nen Abend mit Stri­cken und An­schwei­gen. Was sol­len wir tun?

Lie­be Ga­bi

Ih­re Kol­le­gin ist miss­mu­tig und un­höf­lich. Sie ver­brei­tet schlech­te Lau­ne und kri­ti­siert her­um, wäh­rend Sie sich be­mü­hen, ei­nen net­ten Kon­takt auf­recht­zu­er­hal­ten. Wes­halb um Got­tes wil­len tun Sie das? War­um wol­len Sie sich un­be­dingt wei­ter­ hin mit je­man­dem treffen, der sich al­le Mü­he gibt, Sie vor den Kopf zu stos­sen? Ei­ne Freundschaft soll­te doch auf Ge­gen­sei­tig­keit be­ru­hen. Es zwingt Sie doch nie­mand, sich mit je­man­dem zu treffen, der deut­lich Dis­tanz und Ab­wehr si­gna­li­siert und über den Sie sich bloss är­gern müs­sen. Neh­men Sie al­so Ihr Bauch­ge­fühl ernst, und ra­ckern Sie sich nicht mehr ver­geb­lich um je­man­den ab, der Ih­re Freundschaft und Ih­re Be­mü­hun­gen mit Füs­sen tritt.

Schwän­zen

Wenn der Te­enager kei­ne Lust auf Schu­le hat.

ARIA­NE, 46 Un­ser Sohn, 18, geht ins Gym­na­si­um. Lei­der aber zu­neh­mend un­mo­ti­viert. Er hat schlech­te No­ten, lernt aber trotz­dem kaum und schwänzt so­gar die Schu­le. Da­für geht er oft abends aus. Wir ha­ben stän­di­ge Dis­kus­sio­nen dar­über, dass er mehr ler­nen soll­te, am Wo­che­n­en­de frü­her auf­ste­hen oder in den Fe­ri­en mehr tun soll­te. Er zeigt sich über­haupt nicht ein­sich­tig, son­dern wird im Ge­gen­teil frech: Er sei er­wach­sen und las­se sich von uns nichts mehr vor­schrei­ben. Kön­nen wir denn wirk­lich gar nichts mehr ma­chen?

Lie­be Aria­ne

Sol­che Kla­gen hö­re ich von vie­len El­tern in mei­ner Pra­xis: Ih­re Ju­gend­li­chen ha­ben ihr Le­ben nicht im Griff, for­dern aber dau­ernd, als Er­wach­se­ne be­han­delt zu wer­den. Sie als El­tern ha­ben hier viel mehr in der Hand, als Sie den­ken! Un­se­re Kin­der wol­len Gren­zen und Kon­se­quen­zen spü­ren. Ap­pel­le an die Ver­nunft sind kei­ne Gren­zen, son­dern from­me Bit­ten um Ein­sicht. Vie­le El­tern ha­ben Angst vor Kon­flik­ten und neh­men lie­ber end­lo­se Dis­kus­sio­nen in Kauf, an­statt ein­fach ein­mal Nein zu sa­gen. So ver­lie­ren sie zu­neh­mend den Re­spekt ih­rer Kin­der. Ihr Mit­tel der Au­to­ri­tät ist das Geld. Sie könn­ten die No­ten im nächs­ten Zeug­nis an das Ta­schen­geld knüp­fen. Oder Sie kön­nen für je­des Schwän­zen oder Ab­ma­chun­gen­nicht­ein­hal­ten ei­nen Ab­zug fest­le­gen. Set­zen Sie auf Re­geln und Kon­se­quen­zen, die Sie mit Ih­rem Sohn vor­her fest­le­gen. Da­mit knüp­fen Sie die For­de­run­gen Ih­res Soh­nes an ei­ne Ge­gen­leis­tung. Die Re­dak­ti­on be­hält sich vor, ab­ge­druck­te Brie­fe zu än­dern oder zu kür­zen. Bit­te schi­cken Sie uns nur Brie­fe, die an­ony­mi­siert im Heft oder in ei­nem Buch ver­öf­fent­licht wer­den kön­nen. Je­de Zu­schrift wird per­sön­lich be­ant­wor­tet. Ha­ben Sie ei­ne per­sön­li­che Fra­ge? Schrei­ben Sie per Post an: Re­dak­ti­on «Schwei­zer Fa­mi­lie», «Le­bens­be­ra­tung», Post­fach, 8021 Zü­rich oder via Mail an: chris­ti­ne.hef­[email protected] Al­le Brie­fe kön­nen on­li­ne un­ter www.psy­cho­lo­gi­sche-pra­xis.ch/ blog ge­le­sen und kommentiert wer­den.

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