Wee­kend­tipp

Im Whirl­pool ent­span­nen, im Fluss­bad da­hin­trei­ben, im Aus­sen­be­cken Län­gen schwim­men: Ein Win­ter­tag im Bad Schinz­nach stei­gert das Wohl­be­fin­den.

Schweizer Familie - - INHALT - — Text Ma­ri­an­ne Sie­gen­tha­ler

Ein Win­ter­tag im Bad Schinz­nach stei­gert das Wohl­be­fin­den

Grau­pel­schau­er, kräftige Wind­bö­en und die Tem­pe­ra­tur nur we­nig über dem Ge­frier­punkt – es ist das per­fek­te Wet­ter für mein Vor­ha­ben: Ich will ab­tau­chen. Zwar nur für ein paar St­un­den, aber da­für rich­tig. Und so lie­ge ich schon bald im 35 Grad war­men Ther­mal­was­ser und schaue hin­auf in den grau­en Him­mel. Im Aqua­re­na fun in Schinz­nach-bad im Aar­gau gibt es na­tür­lich auch ein In­nen­be­cken – aber draus­sen ist es ein­fach schö­ner. Der Wind bläst Dampf­schwa­den übers Was­ser und wir­belt bun­te Blät­ter von den Bäu­men und Bü­schen, die die gross­zü­gi­ge An­la­ge um­ge­ben. Mas­sa­ge­dü­sen las­sen das Was­ser auf­schäu­men, und der Ge­ruch des Ther­mal­was­sers er­in­nert ans Meer. Schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten im war­men Be­cken bin ich ent­schleu­nigt. Of­fen­bar geht es den anderen Ba­de­gäs­ten gleich: Ge­mäch­lich be­we­gen sie sich von Mas­sa­ge­dü­se zu Mas­sa­ge­dü­se, ent­span­nen in den Whirl­pools oder las­sen sich im Fluss­bad im Kreis her­um­trei­ben.

Halb Eu­ro­pa zu Be­such

Die Ther­me zwi­schen Brugg und Aarau hat ei­ne lan­ge Ge­schich­te. Nach ei­ner Über­schwem­mung der Aa­re im Jahr 1651 spru­del­te war­mes, schwef­li­ges Was­ser aus ei­ner Kies­bank bei Schinz­nach. Ein Arzt nahm Pro­ben und emp­fahl dar­auf­hin sei­nen Pa­ti­en­ten das «köst­li­che und war­me Ge­sund-bad bei Schinz­nacht». Bald wur­de die Heil­quel­le re­ge ge­nutzt, bis 1670 ein Hoch­was­ser die Ba­de­häu­ser und -an­la­gen weg­spül­te. Und da­mit auch die

Ther­mal­quel­le zum Ver­sie­gen brach­te. Jah­re­lang such­te der Zürcher «Bad­gra­ber» Li­en­hard Bind­sched­ler nach der ver­schwun­de­nen Qu­el­le – und wur­de schliess­lich im Win­ter 1691 fün­dig. In der Fol­ge ent­stan­den Gast­häu­ser und Ba­de­stu­ben, und 200 Jah­re nach der Ent­de­ckung der Ther­mal­quel­le ge­hör­te Bad Schinz­nach zu ei­nem der an­ge­se­hens­ten Heil- und Kur­bä­der Eu­ro­pas. Bis heu­te schwö­ren vie­le Men­schen auf die ge­sund­heits­för­dern­de Wir­kung der «hei­len­den Was­ser» bei Ab­nüt­zun­gen und Schä­den am Be­we­gungs­ap­pa­rat, an Ge­len­ken und Mus­keln, Durch­blu­tungs­und Kreis­lauf­stö­run­gen, Stress­zu­stän­den und vie­lem mehr.

Mit dem Well­ness­boom in den Neun­zi­ger­jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts er­leb­te das Heil­ba­den ei­ne Re­nais­sance. Al­ler­dings nicht nur für Pa­ti­en­ten, die das Ther­mal­was­ser ge­gen ver­schie­dens­te Be­schwer­den nut­zen, son­dern auch für Men­schen, die ganz all­ge­mein et­was zu ih­rem Wohl­be­fin­den bei­tra­gen möch­ten. Und so wur­de 1991 das Frei­zeit-ther­mal­bad Aqua­re­na fun er­öff­net.

Spass in der Röh­re

Nebst Ent­span­nung gibt es hier aber auch Spass und Ac­tion. Al­so nichts wie raus aus dem Be­cken und pflot­sch­nass im eis­kal­ten Wind die Trep­pe rauf zur Grot­ten­rut­sche. 65 Me­ter lang ist sie

ver­läuft in ei­ner kur­ven­rei­chen Röh­re. Man sieht bis zur ers­ten Bie­gung, wie es wei­ter­geht, lässt sich nur er­ah­nen. Es braucht et­was Mut, aber ein­fach um­keh­ren und die Trep­pe wie­der run­ter­stei­gen, ist kei­ne Op­ti­on. Ich will mir doch kei­ne Blös­se ge­ben. Al­so ab in die Röh­re. Erst leuch­tet sie in ver­schie­de­nen Far­ben – dann wirds schwarz. Schon ein biss­chen un­heim­lich, und die Blitz­lich­ter sor­gen für zu­sätz­li­ches Ad­re­na­lin. Doch schon nach ein paar Se­kun­den lan­de ich si­cher am En­de der Rut­sche in ei­nem Was­ser­be­cken.

Sport im Be­cken

Was jetzt noch fehlt, sind ein paar Län­gen schwim­men. Da­für bie­tet sich das 25-Me­ter-be­cken an, das «nur» ge­ra­de 28 Grad warm ist. Im Ver­gleich zur Luft­tem­pe­ra­tur von sechs Grad Cel­si­us hier draus­sen aber sehr an­ge­nehm. Liegt es am Wet­ter, an der Ta­ges­zeit oder ist es ein­fach ein Zu­fall, dass ich das gan­ze Be­cken für mich al­lei­ne zur Ver­fü­gung ha­be? Je­den­falls kann ich un­ge­stört mei­ne Länund gen schwim­men – und ge­nies­se es in vol­len Zü­gen. Schliess­lich be­su­che ich noch das In­ha­la­to­ri­um, wo sich fei­ne Düf­te in der war­men Luft ent­fal­ten.

Nach an­dert­halb St­un­den Er­ho­lung, Spass und Be­we­gung im Ther­mal­was­ser füh­le ich mich herr­lich ent­spannt und auf­ge­wärmt – und hung­rig. Im ers­ten Stock, wo sich auch das Sau­na­dorf be­fin­det, hat man im Re­stau­rant die Qu­al der Wahl zwi­schen ei­nem sehr reich­hal­ti­gen Sa­lat­buf­fet und täg­lich wech­seln­den Me­nüs. Fein!

Mein Fa­zit: So las­sen sich Herbst- und Win­ter­ta­ge gut aus­hal­ten, und mit et­was Glück fin­det mein nächs­ter Be­such im Aus­sen­pool des Aqua­re­na fun im Schnee­ge­stö­ber statt.

Aus­sen­be­reich des Ther­mal­ba­des Aqua­re­na fun mit 25-Me­ter-be­cken. Das war­me Was­ser ist be­le­bend und er­hol­sam.

Auch Kin­der ha­ben im Bad ih­ren Spass. Kur­ven­reich ist die 65 Me­ter lan­ge Grot­ten­rut­sche.

Mond­schein­ba­den wird ab 22 Uhr an­ge­bo­ten.

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