Mein Tier

Freund­schaft

Schweizer Familie - - INHALT - — text Su­san­ne Ro­then­ba­cher Fo­to Re­né Ru­is

Mir­jam Rust mit ih­rem Maul­tier Edi

«Edi, Kus­si», sagt Mir­jam Rust. Und Maul­tier Edi stupft mit sei­ner gros­sen, sam­te­nen Na­se ge­gen die Na­se der Pfer­de­pfle­ge­rin. Noch­mals? Kein Pro­blem. Edi gibt gern Kus­si: So oft, wie ihn Mir­jam Rust, die im lu­zer­ni­schen Wi­kon ein klei­ne Reit­schu­le führt, da­zu auf­for­dert. Zwi­schen Edi und der 24-Jäh­ri­gen herrscht tie­fes Ein­ver­neh­men. Das war nicht im­mer so. «Mein Bru­der Micha­el hat mit Edi die Train-rs ab­sol­viert und brach­te ihn nach der Re­kru­ten­schu­le nach Hau­se.» Das war 2007. «Ich fand ihn auf den ers­ten Blick cool.» Edi da­ge­gen zeig­te sich vom Te­enager we­nig be­ein­druckt. «Beim Spa­zie­ren zerr­te er mich von Gras­bü­schel zu Gras­bü­schel.» Und als Mir­jam Rust ver­such­te, Edi zu rei­ten, bu­ckel­te er sie ab. Im­mer wie­der. «Ich ha­be mich zwar nie ernst­haft ver­letzt, aber ich be­kam Angst, mich auf Edi zu set­zen.» Maul­tie­re sind ei­ne Kreu­zung zwi­schen ei­nem Esel­hengst und ei­ner Pfer­de­s­tu­te. Das macht sie zu besonderen Cha­rak­te­ren. «Maul­tie­re gel­ten als in­tel­li­gent und ei­gen­wil­lig, bei­des trifft auf Edi zu», sagt Mir­jam Rust: «Er ist sehr do­mi­nant und sehr ge­scheit.» Sie muss­te sich et­was ein­fal­len las­sen, um Edis Re­spekt zu ge­win­nen. Sie be­gann, mit spie­le­ri­schen Übun­gen nach dem Pro­gramm des Us-ame­ri­ka­ni­schen Pfer­de­trai­ners Pat Pa­rel­li an ih­rer Be­zie­hung zu ar­bei­ten. «Das mach­te uns bei­den Spass. Ich spür­te, wie das Ver­trau­en zwi­schen uns wuchs.» Ge­mein­sa­me Un­ter­neh­mun­gen fes­tig­ten die Freund­schaft. So ist Edi stets mit Feu­erei­fer da­bei, wenn Mir­jam Rust mit ihm an ei­nem Ge­schick­lich­keits­wett­be­werb für Pferd und Rei­ter teil­nimmt. Und als sie vor drei Jah­ren auf dem Hof ei­ner Freun­din im Kan­ton Thur­gau aus­half, nahm sie Edi mit. «Weil er im Pfer­de­an­hän­ger Platz­angst hat, kehr­ten wir die 150 Ki­lo­me­ter zu Fuss nach Wi­kon zu­rück.» Meist tut Edi, was ihm sei­ne jun­ge Che­fin sagt, oh­ne je­doch sei­ne Ei­gen­ar­ten auf­zu­ge­ben. «Ist ein Tor nicht ge­si­chert, öff­net er es und geht spa­zie­ren», er­zählt Mir­jam Rust. Da er der Chef ih­rer zwölf­köp­fi­gen Her­de ist, zot­teln die an­dern hin­ter­her. Zu­dem ist er ein gros­ser Fan von Mi­li­tär­mu­sik: «Hört er ei­nen Marsch, steht er bis zum letz­ten Ton stramm.»

Längst lässt sich Edi auch rei­ten. «Er gibt den Menschen, was sie brau­chen, und hat schon ei­ni­gen un­si­che­ren Reit­schü­le­rin­nen zu Selbst­ver­trau­en ver­hol­fen.» Die­sen Sommer je­doch be­scher­te Edi Mir­jam Rust ban­ge St­un­den. «Er litt an ei­ner le­bens­be­droh­li­chen Darm­ver­stop­fung. Ich muss­te ihn in die Tier­kli­nik brin­gen.» Ta­ge­lang war­te­te sie auf das er­lö­sen­de Te­le­fon, ob es Edi schafft. «Ich liess mir nichts an­mer­ken, aber er hät­te mir un­glaub­lich ge­fehlt, wenn er nicht mehr nach Hau­se ge­kom­men wä­re.»

«Hört Edi ei­nen Marsch, steht er bis zum letz­ten Ton stramm.»

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