«Brrrr» – so füh­len sich 110 Grad un­ter null an

Schweizer Familie - - GESUNDHEIT -

kei­nem Ort in der Na­tur: auf mi­nus 110 Grad. Mit mul­mi­gem Ge­fühl be­tre­te ich die Ka­bi­ne. Ich tra­ge mei­nen Ba­de­an­zug, ei­ne Müt­ze, Ski­hand­schu­he, Schu­he und Mund­schutz. «Um die emp­find­lichs­ten Stel­len zu schüt­zen», sagt die Phy­sio­the­ra­peu­tin Fran­zis­ka Schul­te, die mei­nen Selbst­ver­such be­auf­sich­tigt.

An­ders als nach dem Sprung in ei­nen Berg­see ver­schlägt es mir im blau­en Ne­bel der Käl­te­kam­mer nicht den Atem. Trotz­dem durch­dringt mich die trockene, wind­lo­se Käl­te er­bar­mungs­los. Ich er­star­re zur Salz­säu­le. Mit Ges­ten gibt mir Fran­zis­ka Schul­te hin­ter der Glas­tür zu ver­ste­hen, dass ich in Be­we­gung blei­ben soll. Al­so ge­he ich im Kreis her­um, klat­sche in An­net­te Wirth­lin, «Schwei­zer Fa­mi­lie»re­dak­to­rin, ver­brach­te in ei­nem Selbst­ver­such lan­ge drei Mi­nu­ten in der Käl­te­kam­mer. Un­mit­tel­bar nach mei­nem Selbst­ver­such sind mei­ne Bei­ne knall­rot und die Haut mei­ner Ar­me zu­sam­men­ge­schrum­pelt. Wie­der in den Klei­dern, brei­tet sich ei­ne an­ge­neh­me Wär­me in mir aus. Ich füh­le mich wie nach ei­ner sport­li­chen An­stren­gung und bin hung­rig. Das er­staunt nicht: In drei Mi­nu­ten Käl­te­kam­mer ver­braucht man et­wa so vie­le Ka­lo­ri­en, wie wenn man ei­ne hal­be St­un­de joggt. Ich ha­be die Kält­kam­mer zwar nicht we­gen ei­nes be­stimm­ten Lei­dens ge­tes­tet. Doch am Abend stel­le ich in der Yo­ga­stun­de fest, dass ich wie­der ei­nen ein­wand­frei­en Schnei­der­sitz hin­krie­ge. Die­se Po­si­ti­on hat­te mir mo­na­te­lang we­gen ei­nes blo­ckier­ten Hüft­ge­lenks Mü­he be­rei­tet. Viel­leicht soll­te ich bald wie­der Eis­bär spie­len.

die Hän­de, hüp­fe im Takt der ein­ge­spiel­ten La­tin­pop-mu­sik auf und ab. Mit Schrift­ta­feln teilt mir die Phy­sio­the­ra­peu­tin mit, wie viel Zeit ab­ge­lau­fen ist. Nach ei­ner Mi­nu­te schei­nen sich tau­send fei­ne Na­deln in mei­ne Haut zu boh­ren. Am ärgs­ten ist es an den Ar­men. Ich knei­fe die Au­gen zu­sam­men, beis­se auf die Zäh­ne, zapp­le fleis­sig wei­ter und ver­su­che ru­hig zu

Die Käl­te­ka­bi­ne der Re­haund Kur­kli­nik Eden in Ober­ried BE ist nicht grös­ser als ein WC und trägt den film­rei­fen Na­men «Kryo­s­pace». Dar­in fällt das Ther­mo­me­ter so tief wie an at­men. End­lich. Die an­ge­ord­ne­ten drei Mi­nu­ten sind um. Ich öff­ne die Tür und ret­te mich in die Wär­me.

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