SO SE­HE ICH DAS

DA­NI­EL RIND­LIS­BA­CHER, 55, ÜBER SEI­NEN WEG ZUM NICHT­RAU­CHER

Schweizer Familie - - MENSCHEN - — Aufgezeichnet von Da­ni­el Ganz­fried Fo­to So­phie Stie­ger

Nach vier­zig Jah­ren Rau­chen ha­be ich letz­ten Fe­bru­ar auf­ge­hört. Mein Atem pfiff, wie mei­ne Freun­din sag­te, so­gar wenn ich schlief. Al­so ha­be ich an ei­nem Mor­gen ein­fach die ers­te Zi­ga­ret­te nicht an­ge­zün­det. Und da­nach auch kei­ne mehr. Heu­te bin ich so weit, dass es mir der Stolz nicht zu­lässt, wie­der ei­ne zu neh­men. Ich ge­nies­se die Frei­heit, nicht mehr dar­an den­ken zu müs­sen, ob ich die Zi­ga­ret­ten da­bei ha­be, wann ich die nächs­te an­zün­de, soll ich oder doch lie­ber nicht, der gan­ze Zir­kus. Und ich fin­de es schön, da­heim zu hö­ren, ich rie­che wie­der bes­ser. Aber na­tür­lich, die Sucht bleibt, die­ser Sau­hund, der sich hin und wie­der mel­det. Das ist jetzt wie ein klei­nes Spiel. Wir rin­gen kurz, und ich ge­win­ne im­mer. Zum Bei­spiel, wenn mich der Kol­le­ge fragt, ob ich mit in die Pau­se kä­me. Ich weiss, dass er zum Kaf­fee ei­ne Zi­ga­ret­te raucht. Ihm da­bei zu­zu­schau­en, ist für mich Trai­ning. Kürz­lich blin­zel­te mir in ei­nem Schrank ein vergessenes Päck­chen Zi­ga­ret­ten zu. Ich er­schrak, als hät­te ich den Leib­haf­ti­gen ge­se­hen. Am schwie­rigs­ten ist es im Aus­gang. Mei­ne Freun­de ste­hen vor der Bar. Ei­ner hält mir ei­ne of­fe­ne Pa­ckung hin. Da muss der Wil­le die Hand zu­rück­hal­ten.

Ich ha­be von An­fang an ge­fun­den, dass es mei­ne Sa­che ist, wenn ich mit Rau­chen auf­hö­re. Dar­um stört es mich über­haupt nicht, wenn je­mand ne­ben mir an ei­ner Zi­ga­ret­te zieht. Wer es wirk­lich auf­ge­ben will, wird ir­gend­ein­mal auf­ste­hen und sa­gen: «So, es reicht jetzt», ganz für sich. Rauch­ver­bo­te in Re­stau­rants und an an­de­ren öf­fent­li­chen Or­ten fin­de ich zwar gut, weil das sonst ein ziem­li­cher Gestank wä­re. Aber dar­über hin­aus brin­gen Ver­bo­te nichts. Das zeigt sich ja beim Can­na­bis und bei den har­ten Dro­gen. Ich glau­be, Prä­ven­ti­on ist auch beim Rau­chen die bes­te Lö­sung. Es wun­dert mich, dass trotz­dem im­mer noch so vie­le Jun­ge mit dem Dreck be­gin­nen. Man soll­te an ih­re Ver­nunft ap­pel­lie­ren, re­den, auf­klä­ren, oh­ne Druck, aber im­mer mit der Hal­tung: «Du musst sel­ber wis­sen, ob du das willst.»

«Die Sucht bleibt, die­ser Sau­hund, der sich hin und wie­der mel­det.»

hat im Fe­bru­ar 2018 das Rau­chen auf­ge­ge­ben. Er ist di­plo­mier­ter Kran­ken­pfle­ger und wohnt mit sei­ner Freun­din und de­ren Toch­ter in Sem­pach LU.

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