«ICH WÜNSCH­TE, MIR WÄ­RE MAL LANG­WEI­LIG»

Trai­ning, Phy­sio­the­ra­pie, Fo­to­ter­mi­ne – Jo­lan­da Neff ist kaum zu brem­sen. Die Moun­tain­bi­ke­rin muss­te ler­nen, auch mal Pau­se zu ma­chen.

Schweizer Familie - - MENSCHEN - — In­ter­view Fa­bi­en­ne Ei­chel­ber­ger

Was ha­ben Sie heu­te vor?

Ich wer­de in Lu­zern an ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on teil­neh­men, spä­ter ha­be ich ei­nen Dreh fürs Schwei­zer Fern­se­hen und an­schlies­send ei­nen Ter­min bei mei­ner Phy­sio­the­ra­peu­tin. Bleibt ge­nü­gend Zeit, ge­he ich abends noch jog­gen.

Ih­re Agen­da scheint voll zu sein. Wann war Ih­nen zu­letzt lang­wei­lig?

Dar­an kann ich mich beim bes­ten Wil­len nicht er­in­nern. Ich wünsch­te, mir wä­re mal lang­wei­lig.

Sie sind ei­ne der bes­ten Moun­tain­bi­ke­rin­nen der Welt, ha­ben 2018 zum drit­ten Mal den Ge­samt­welt­cup ge­won­nen. Be­vor­zu­gen Sie auch ab­seits des Sports ein schnel­les Tem­po?

Das ist tat­säch­lich so. Mein Va­ter sagt, ich es­se noch schnel­ler, als ich Ve­lo fah­re. Ich bin im­mer mit Voll­dampf un­ter­wegs.

Wie er­ho­len Sie sich von ei­nem Ren­nen?

Da­von muss ich mich nicht er­ho­len. An­stren­gen­der fin­de ich es, von Ter­min zu Ter­min zu het­zen. Abends mer­ke ich je­weils, wie sehr es mich er­schöpft hat, dau­ernd prä­sent zu sein.

Sie sag­ten einst, Sie wä­ren am liebs­ten über­all gleich­zei­tig. Ha­ben Sie Angst, et­was zu ver­pas­sen?

Es gibt ein­fach so vie­le span­nen­de Din­ge, die ich ger­ne tun wür­de. Mei­ne Mut­ter sag­te mir kürz­lich: «Im­mer wenn du meinst, et­was zu ver­pas­sen, bleibt dir auch et­was er­spart.» Ich bin ihr dank­bar, dass sie mich manch­mal bremst. Und mitt­ler­wei­le ha­be ich auch ge­merkt, wie wich­tig es ist, den Mo­ment zu schät­zen.

Was schät­zen Sie ge­nau?

Dass ich mei­nen Traum le­ben und Sport­le­rin sein kann.

2018 bra­chen Sie Ihr Ge­schichts­stu­di­um zu­guns­ten des Sports ab. Wie schwer fiel Ih­nen das?

Es war die letz­te Ret­tung. Ich hat­te das Stu­di­um zwei Jah­re durch­ge­zo­gen, woll­te es gut ma­chen und ha­be sämt­li­che Prü­fun­gen be­stan­den. Doch ir­gend­wann liess es sich nicht mehr mit mei­nem Be­ruf ver­ein­ba­ren. Ich be­kam zu we­nig Schlaf und konn­te mich nicht er­ho­len.

Ver­mis­sen Sie das Stu­die­ren manch­mal?

Die Ma­te­rie in­ter­es­siert mich noch im­mer, und ich wür­de mich ir­gend­wann ger­ne wei­ter da­mit be­schäf­ti­gen. Aber ich bin froh, kann ich jetzt wie­der Voll­zeit­sport­le­rin sein.

Ihr Freund Lu­ca Shaw ist eben­falls Moun­tain­bi­ker. Dreht sich bei Ih­nen al­les um den Rad­sport?

Vie­les. Wir trai­nie­ren oft ge­mein­sam und ha­ben vie­le Wett­kämp­fe am sel­ben Ort. Ich dis­ku­tie­re ger­ne mit ihm über Sport, aber wir kön­nen auch über an­de­res re­den und ge­nies­sen es, mit Freun­den un­ter­wegs zu sein, die nichts mit Velo­fah­ren zu tun ha­ben.

«Mei­ne Mut­ter sag­te mir kürz­lich: ‹Im­mer wenn du meinst, et­was zu ver­pas­sen, bleibt dir auch et­was er­spart.›»

Wann ver­ges­sen Sie die Zeit?

Lei­der ge­nau dann, wenn ich am meis­ten auf sie ach­ten müss­te. Blei­ben mir bei­spiels­wei­se noch zwan­zig Mi­nu­ten, bis ich los muss, ver­su­che ich noch schnell, schnell die­ses und je­nes zu er­le­di­gen. Und plötz­lich rennt mir die Zeit da­von.

Das heisst, Sie sind un­pünkt­lich?

Das kann man so sa­gen. Doch ich ar­bei­te dar­an.

Ist das Ihr Vor­satz für das Jahr 2019?

Ge­nau, von nun an möch­te ich bei je­dem Tref­fen fünf Mi­nu­ten zu früh vor Ort sein.

Moun­tain­bi­ke­rin, ge­wann 2018 zum drit­ten Mal den Ge­samt­welt­cup und lebt mit ih­rer Fa­mi­lie in Thal SG.

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