KALT ER­WISCHT

Schweizer Familie - - KOLUMNE - FRÖLEIN DA CA­PO, 39, ist Mu­si­ke­rin und lebt mit ih­rer Fa­mi­lie in Wil­li­sau LU. www.ein­frau­or­ches­ter.ch

Nichts hält ewig. Dies­mal hat die Tief­kühl­tru­he aus dem Kel­ler ih­re Strom­fres­ser­ak­ti­vi­tä­ten ein­ge­stellt und ge­mein­sam mit dem al­ten Haus das Zeit­li­che ge­seg­net. Und so kam es, dass ich mit mei­nem Mann abends im In­ter­net In­for­ma­tio­nen ein­hol­te über mög­li­che Neu­er­wer­bun­gen. Wir ha­ben Prei­se ver­gli­chen und Li­ter­mas­se stu­diert, Ener­gie­spar­la­bels ge­gen­ein­an­der ab­ge­wo­gen und ver­schie­de­ne Schub­la­den­sys­te­me er­kun­det.

Wir ha­ben mehr­fach ei­ne Schnäpp­lig­frü­ri bei ei­nem On­line­händ­ler an­ge­schaut, um sie dann letz­ten En­des nicht zu be­stel­len. Zu ge­wagt, ein On­li­ne­kauf in die­ser Di­men­si­on. Und so gin­gen wir dann zum Händ­ler aus Fleisch und Blut. Wir ha­ben un­se­re Traumgfrü­ri bei ihm be­stellt, und ich hat­te schon gar nicht mehr dar­an ge­dacht, als mein Mann in die Woh­nung stürm­te und sag­te: «Du, die Schnäpp­lig­frü­ri steht vor un­se­rem Haus.»

Au­gen­blick­lich lief es mir ge­frier­schrank­kalt den Rü­cken run­ter. Hab ich die jetzt ver­se­hent­lich on­line be­stellt? Könn­te ja sein. Ir­gend­wo drauf­ge­klickt und drei, zwei, eins – meins! «Ich hab die nicht be­stellt. Ehr­lich!» Sag­te ich. Mein Mann sag­te: «Bist du si­cher? Weil: Sie steht vor un­se­rem Haus!» Mei­ne Gü­te, schoss es mir durch den Kopf. Wie mach ich das rück­gän­gig? So ei­ne Gf­rü­ri bringt man ja nicht ein­fach schnell wie­der zu­rück. Vor al­lem nicht zu­rück ins In­ter­net! Der Pöscht­ler wird kei­ne Freu­de an mir ha­ben. «Ich schwö­re. Das kann nicht sein. Ich hab die nicht be­stellt. Oder?» Mir war chli schlecht.

Es ist so ei­ne Sa­che mit die­sen On­line-be­stel­lun­gen. Die wer­den nicht zwin­gend von der Post ge­lie­fert, son­dern oft auch von den per­ma­nent un­ter Stress ste­hen­den Ku­rier­fah­rern. Sie het­zen von Haus zu Haus, wäh­rend ih­re weis­sen oder gel­ben Bus­se in zwei­ter Rei­he oder en­gen Qu­er­stras­sen vor sich hin warn­blin­k­len. Das letz­te Mal hat ei­ner ge­klin­gelt, und als ich die Tür öff­ne­te, lag das Pa­ket vor mir auf dem Bo­den, und ich sah den Bo­ten grad noch da­vons­eck­len. Da wir mo­men­tan ei­ne Bau­stel­le zu Hau­se ha­ben und so­mit kei­nen ad­äqua­ten Haus­ein­gang, ste­hen die Pa­ke­te mal da und mal dort. Wir ha­ben auch schon wel­che im Stall ge­fun­den. Ein­mal, wir wa­ren grad am Fuss des Ber­ges, auf dem wir woh­nen, kam uns von un­ten ein Ku­rier ent­ge­gen. Wir hiel­ten und frag­ten, ob die Lie­fe­rung ächt für uns sei. Da strahl­te der Ku­rier, schwang sich aus dem Bus und hän­dig­te uns das Pa­ket aus. So muss­te er den Berg nicht hoch­fah­ren und hat Zeit ge­spart. Das war das ers­te Mal, dass ich ei­nen Ku­rier lä­cheln sah. Das zwei­te Mal sah ich den glei­chen Ku­rier lä­cheln, als ich ihn noch wei­ter un­ten kreuz­te. Dies­mal hat­te er das Päck­li be­reits auf dem Bei­fah­rer­sitz plat­ziert. Das war ein lus­ti­ger Zu­fall.

We­ni­ger lus­tig fand ich den Zu­fall mit der Schnäpp­lig­frü­ri vor un­se­rem Haus. Ich war noch im­mer fie­ber­haft am Über­le­gen, wie das pas­sie­ren konn­te, als mein Mann an­fing zu grin­sen. Die Gf­rü­ri ge­hört dem neu­en Nach­barn. Der hat zu­fäl­li­ger­wei­se just die Schnäpp­lig­frü­ri be­stellt, die wir uns im­mer an­ge­schaut ha­ben. Und weil der Ku­rier das Haus des Nach­barn of­fen­bar nicht fand, hat er sie ein­fach vor un­ser Haus ge­stellt. Der woll­te Fei­er­abend. Und ich hab mich so er­schro­cken! Mein Mann neigt da­zu, in sol­chen Si­tua­tio­nen auch noch sei­ne Späss­chen zu ma­chen und mich zu ver­s­eck­len. Was nicht lus­tig ist – aber halt auch kein Schei­dungs­grund. Al­so muss ich da­mit le­ben. Die nächs­te Lie­fe­rung für mei­nen Mann wer­de ich höchst­per­sön­lich ver­ste­cken.

Mir lief es ge­frier­schrank­kalt den Rü­cken run­ter. Hab ich die Schnäpp­lig­frü­ri ver­se­hent­lich on­line be­stellt?

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