Ge­walt an je­dem drit­ten Fuss­ball­spiel

Erst­mals zei­gen Da­ten von Clubs und Po­li­zei, wel­che De­lik­te ran­da­lie­ren­de Fans ver­üben. Am meis­ten Vor­fäl­le gibt es in Zü­rich

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Ro­land Gamp

Mit ei­ner neu­en Soft­ware ge­hen Bund und Kan­to­ne ge­gen Hoo­li­gans in die Of­fen­si­ve. Po­li­zis­ten und auch Ver­tre­ter der Ver­ei­ne be­ob­ach­ten neu je­de Par­tie, tra­gen al­le De­lik­te in ein stan­dar­di­sier­tes Sys­tem ein. Ein hal­bes Jahr ha­ben sie das Ver­fah­ren ge­tes­tet.

Die ers­ten Re­sul­ta­te zei­gen: Beim Eis­ho­ckey kam es nur in je­dem zehn­ten Match zu ge­walt­tä­ti­gen Er­eig­nis­sen. Im Fuss­ball hin­ge­gen war je­de drit­te Be­geg­nung be­trof­fen, bei 18 Pro­zent der Par­ti­en ge­scha­hen be­son­ders schwe­re Ver­stös­se. Meist in Zü­rich: Der Gras­shop­per-club kam wäh­rend der Test­pha­se auf elf ent­spre­chen­de Spie­le, der FC Zü­rich auf acht.

Die Da­ten zei­gen auch, dass Fuss­ball­fans oft aus­ser­halb der Sta­di­en ran­da­lie­ren. Im Ge­gen­satz zum Eis­ho­ckey, wo sich die Ge­walt in den Hal­len ab­spielt. «Vor al­lem bei Py­ros ist das ein Pro­blem», sagt Andre­as Leu­zin­ger, Chef Si­cher­heit von Swiss Ice Ho­ckey. «Fans zün­den die­se un­ter rie­si­gen Cho­reo-flag­gen, was für je­den Zu­schau­er dar­un­ter le­bens­ge­fähr­lich ist.»

Nicht nur bei Eis­ho­ckey-chao­ten sind Pe­tar­den be­liebt. Bei 44 Pro­zent al­ler Fuss­ball­spie­le rap­por­tier­ten die Be­ob­ach­ter das Ab­bren­nen von Py­ro­tech­nik. Gleich häu­fig re­gis­trier­ten sie Sach­schä­den.

So­bald die neue Soft­ware aus­ser­or­dent­li­che Ge­walt an­zeigt, sit­zen die Ver­ant­wort­li­chen zu­sam­men. «Wir schau­en an­hand der Da­ten, was schief­lief. Und wel­che Re­ak­ti­on nö­tig ist», sagt Mar­kus Jun­go, Chef der Po­li­zei­li­chen Ko­or­di­na­ti­ons­platt­form Sport. Dies ge­schah zum Bei­spiel nach ei­nem Ho­ckey­spiel zwi­schen Am­bri und Lau­sanne. Das Sys­tem schlug we­gen ei­nes Py­ro-wurfs in die Men­ge an. Als Kon­se­quenz wur­den die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ver­schärft. Laut Soft­ware gibt es seit­her we­ni­ger Kra­wal­le.

Ge­walt soll früh­zei­tig er­kannt und ver­hin­dert wer­den

«Nach Ab­schluss der Test­pha­se wur­de ent­schie­den, das Sys­tem de­fi­ni­tiv ein­zu­füh­ren», sagt Jun­go. Mit den Da­ten wol­le man auch Mus­ter für die Zu­kunft er­ken­nen. «Dass wir schon wis­sen, wann die Hoo­li­gans wo zu wel­cher Art von Ge­walt grei­fen wer­den.»

Die Zu­schau­er selbst be­tei­li­gen sich nicht am neu­en Re­porting. Ur­sprüng­lich soll­te auch Fa­n­ar­beit Schweiz je­den Match rap­por­tie­ren. Doch der Dach­ver­band lehn­te ab: «Die Fa­n­ar­bei­ten­den se­hen sich nicht als In­for­ma­ti­ons­ge­ber», sagt Ge­schäfts­lei­ter Chris­ti­an Wan­de­ler.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.