Wir ha­ben hier ein ernst zu neh­men­des Pro­blem

SonntagsZeitung - - NEWS - Tho­mas Speich, Re­dak­ti­ons­lei­ter tho­mas.speich@sonn­tags­zei­tung.ch www.face­book.com/sonn­tags­zei­tung

Die gu­te Nach­richt zu­erst: An den meis­ten Fuss­ball­spie­len der obers­ten zwei Schwei­zer Li­gen bleibt es weit­ge­hend fried­lich. Die al­les an­de­re als gu­te gleich hin­ter­her: Im Um­feld von 18 Pro­zent der Fuss­ball­matchs kommt es zu schwe­rer Ge­walt. Das zei­gen die qua­li­ta­tiv bes­ten Zah­len zu die­sem The­ma, die es in die­sem Land je gab. Er­ho­ben wur­den sie mit­tels ei­nes neu­en, na­tio­na­len Rap­port-sys­tems, an dem sich Po­li­zei­korps, die SBB und die Ver­ei­ne selbst be­tei­li­gen. Wohl­ge­merkt, es geht da­bei um schwe­re Ge­walt – al­so ver­letz­te Per­so­nen oder die Ge­fähr­dung von Men­schen­le­ben. Des­halb ist der Be­fund klar: Das ist viel zu viel, wir ha­ben hier ein ernst zu neh­men­des Pro­blem.

Sämt­li­che gros­sen Ver­ei­ne ha­ben in ih­rem An­hang no­to­ri­sche Kra­wall­ma­cher. Auf­fäl­lig ist aber, dass es bei Spie­len mit Be­tei­li­gung der bei­den Zürcher

Clubs GC und FC Zü­rich über­durch­schnitt­lich oft zu Aus­schrei­tun­gen kommt. Als wir die zwei Ver­ei­ne mit die­sem Fakt kon­fron­tier­ten, gin­gen sie so­fort in die De­fen­si­ve, moch­ten dies nicht kom­men­tie­ren. Of­fen­bar ist die Angst gross, ge­ra­de jetzt die The­men Fussball und Ge­walt zu ver­knüp­fen, schliess­lich steht ei­ne wich­ti­ge Ab­stim­mung an. Am 25. No­vem­ber ent­schei­den die Stadt­zür­cher an der Ur­ne über das ge­plan­te neue Fuss­ball­sta­di­on.

«Die Clubs müs­sen wei­te­re Op­tio­nen prü­fen, auch krea­ti­ve»

Statt zu schwei­gen, soll­ten die Zürcher Ver­ei­ne bes­ser laut und un­miss­ver­ständ­lich ge­gen die Fein­de in den ei­ge­nen Rei­hen vor­ge­hen.

Sie tun das zwar seit ei­ni­ger Zeit, mit ei­ner Mi­schung aus Über­wa­chung, Kon­trol­le und Re­pres­si­on. Die schlimms­ten und ge­walt­tä­tigs­ten un­ter ih­ren je­wei­li­gen Fans be­ein­dru­cken sie da­mit aber of­fen­bar kaum. Da­bei müss­te es im ur­ei­gens­ten In­ter­es­se je­des Clubs sein, die­se Min­der­heit in den Griff zu be­kom­men. An­sons­ten lei­det nicht nur das Image, son­dern auch die Ver­eins­kas­se. Zehn­tau­sen­de Fran­ken Bus­se sind das ei­ne. Zum an­de­ren tra­gen re­gel­mäs­si­ge Aus­schrei­tun­gen das ih­re da­zu bei, dass der Let­zi­grund oft nur spär­lich be­sucht ist (nebst ho­hen Ein­tritts­prei­sen und sport­lich nicht im­mer über­ra­gen­den Auf­trit­ten, na­tür­lich). Fa­mi­li­en­freund­lich ist es je­den­falls nicht, wenn der Heim­weg vom Sta­di­on durch ei­nen Trä­nen­gas­ne­bel führt.

Was al­so kön­nen die Clubs tun? Den ein­ge­schla­ge­nen Weg kon­se­quent wei­ter­ge­hen.

Und gleich­zei­tig wei­te­re Op­tio­nen prü­fen, durch­aus auch krea­ti­ve. Denn die gibt es. Bei ei­nem Hoch­ri­si­ko­spiel zwei­er Teams mit bis aufs Blut ver­fein­de­ten Fan­la­gern in Bra­si­li­en hol­te man sich vor ei­ni­ger Zeit Hil­fe von aus­sen: 30 Müt­ter der Hoo­li­gan-rä­dels­füh­rer wa­ren im Sta­di­on, in oran­gen Leucht­wes­ten mit der Auf­schrift «Se­gu­rança mãe» (Se­cu­ri­ty-mut­ter) ge­klei­det und zwi­schen den Fan­blocks so­wie am Spiel­feld­rand pos­tiert. Das Re­sul­tat: Erst­mals seit Jah­ren blieb es fried­lich.

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