Fe­de­rer geht ge­gen Co­ric in Chi­na un­ter

In Shang­hai schei­tert er klar am 21-jäh­ri­gen Kroa­ten, der heu­te in sei­nem bis­her gröss­ten Fi­nal auf den Ser­ben No­vak Djo­ko­vic trifft

SonntagsZeitung - - SPORT - Re­né St­auf­fer

So hat­ten sich das die un­er­müd­li­chen chi­ne­si­schen Fans von Ro­ger Fe­de­rer im Qi-zhong-sta­di­on von Shang­hai nicht vor­ge­stellt. Nicht ihr Lieb­ling dik­tier­te den Halb­fi­nal ge­gen Bor­na Co­ric, im Ge­gen­teil: Der Kroa­te do­mi­nier­te den 20-fa­chen Grand-slam-sie­ger mit ei­ner ver­blüf­fen­den Leich­tig­keit und liess ihm in 73 Mi­nu­ten kei­ne Chan­ce. «Das war ei­ne der bes­ten Par­ti­en mei­ner Kar­rie­re», sag­te er.

Das Re­sul­tat (6:4, 6:4) hät­te noch deut­li­cher aus­fal­len kön­nen. Co­ric bre­ak­te Fe­de­rer schon im ers­ten Ga­me oh­ne Punkt­ver­lust, er er­öff­ne­te auch den zwei­ten Satz mit ei­nem Auf­schlagd­urch­bruch und hat­te da­nach ei­ne Chan­ce zum 5:2. Der­weil muss­te er kei­nen Break­ball ab­weh­ren – Fe­de­rer ge­wann in sei­nen zehn Re­turn­spie­len nur neun Punk­te. So chan­cen­los sieht man ihn sel­ten. Der 21-jäh­ri­ge Über­ra­schungs­fi­na­list ser­vier­te auch bes­ser als der Ti­tel­ver­tei­di­ger, do­mi­nier­te das Ge­sche­hen von der Grund­li­nie und sorg­te da­für, dass Fe­de­rer kaum ei­ne Ge­le­gen­heit be­kam, ans Netz vor­zu­stos­sen.

«Co­ric war heu­te bes­ser als ich», sag­te Fe­de­rer. «Er hat­te mehr Punch hin­ter dem Ball und schlug ex­zel­lent auf. Ich star­te­te in bei­den Sät­zen schlecht, und in Shang­hai mit den schnel­len Be­din­gun­gen ist dies ei­ne schwie­ri­ge La­ge.» Vi­el­leicht ha­be er in die­ser Wo­che et­was viel Tennis ge­spielt, mut­mass­te er. «Aber so schlecht war mei­ne Leis­tung ei­gent­lich nicht.» Ins­ge­samt sei das ei­ne gu­te Wo­che ge­we­sen. «Ich bin froh, wie ich auf das US Open re­agie­ren konn­te.» In New York war er am Aus­tra­li­er John Mill­man ge­schei­tert.

Zwei­te Nie­der­la­ge in Fol­ge ge­gen Co­ric

Co­ric hat­te Fe­de­rer die­ses Jahr schon in In­dian Wells im Halb­fi­nal hart ge­for­dert, ihn da­nach im Fi­nal von Hal­le be­siegt – und die­se Nie­der­la­ge hall­te ges­tern nach. Der Mann aus Zagreb, der in der Start­run­de ge­gen Stan Wa­wrin­ka 4:6, 6:4, 6:3 ge­won­nen hat­te, wirk­te un­be­las­tet, sou­ve­rän und sie­ges­ge­wiss. Er steht heu­te erst­mals in ei­nem Mas­ters-1000-fi­nal und hat sich in Chi­na be­reits um sechs Po­si­tio­nen auf Rang 13 ver­bes­sert, ei­ne neue per­sön­li­che Best­mar­ke. Schon bald dürf­te er in den Top 10 auf­tau­chen. Im End­spiel trifft er zum drit­ten Mal auf den zehn Jah­re äl­te­ren No­vak Djo­ko­vic, der sei­ne letz­ten 17 Par­ti­en ge­won­nen hat. Der Ser­be liess im ers­ten Halb­fi­nal Alex­an­der Zverev nur drei Ga­mes (6:2, 6:1) und stand nur ei­ne St­un­de im Ein­satz. Er ver­drängt Fe­de­rer mor­gen vom zwei­ten Rang der Welt­rang­lis­te, und vie­les deu­tet dar­auf hin, dass er auch noch Ra­fa­el Na­dal über­ho­len wird, be­vor die Sai­son um ist. Der Wim­ble­don- und Uso­pen-sie­ger hat in Shang­hai in der gan­zen Wo­che noch kei­nen Satz ab­ge­ge­ben. Soll­te er das Tur­nier zum 5. Mal ge­win­nen, lä­ge er nur noch 135 Punk­te hin­ter dem we­gen ei­ner Knie­ver­let­zung pau­sie­ren­den Spa­nier.

Fe­de­rers mat­te Vor­stel­lung kam nicht ganz über­ra­schend und darf nicht als Rück­schlag be­trach­tet wer­den, be­stritt er doch schon sei­ne vier­te har­te Par­tie in­ner­halb von vier Ta­gen. Bei sei­nen Sie­gen über Da­niil Med­we­dew, Ro­ber­to Bau­tis­ta Agut und Kei Nis­hi­ko­ri war er drei­mal na­he­zu zwei St­un­den hart ge­for­dert wor­den und hat­te ins­be­son­de­re ge­gen den Ja­pa­ner bril­liert. Er kehrt mit sei­ner Fa­mi­lie nun wie­der ein­mal in die Schweiz zu­rück, nach ei­ner aus­ge­dehn­ten Welt­rei­se mit Tur­nie­ren in Cin­cin­na­ti, New York, Chi­ca­go (La­ver Cup) und Shang­hai so­wie ei­nem Ab­ste­cher nach To­kio.

En­det das War­ten auf den 99. Ti­tel in Ba­sel?

Der 37-Jäh­ri­ge dürf­te nun ge­nü­gend Zeit ha­ben, um vor den in acht Ta­gen be­gin­nen­den Swiss In­doors zu neu­en Kräf­ten zu kom­men. Nach­dem er nun fünf Tur­nie­re in Fol­ge hat ge­schla­gen ver­las­sen müs­sen, wä­re ein neun­ter Ti­tel­ge­winn an sei­nem Heim­tur­nier in Ba­sel um­so wert­vol­ler. Al­ler­dings wird auch dort die Kon­kur­renz ein­mal mehr gross sein, ge­mel­det sind auch Juan Mar­tin Del Po­tro, Alex­an­der Zverev und Ma­rin Ci­lic. Soll­te er es schaf­fen, hät­te er noch die­ses Jahr die Chan­ce, das Jahr mit dem 100. Tur­nier­sieg ab­zu­schlies­sen. Ob er zwi­schen Ba­sel und dem Sai­son­fi­na­le auch noch in Paris-ber­cy an­tre­ten wer­de, sei noch of­fen, sag­te er ges­tern. «Es hängt von Ba­sel ab.»

Für sei­ne chi­ne­si­schen Fans hat­te Fe­de­rer im­mer­hin noch ei­ne gu­te Nach­richt. «Ich hof­fe, dass dies nicht mein letz­tes Tur­nier hier war. Ich pla­ne de­fi­ni­tiv, nächs­tes Jahr zu­rück­zu­kom­men.»

Fo­to: An­dy Wong (Keysto­ne)

«Vi­el­leicht ha­be ich in die­ser Wo­che et­was viel Tennis ge­spielt»: Ro­ger Fe­de­rer nach sei­nem Aus in Shang­hai

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