Ein lei­ses «Dan­ke­schön» wä­re an­ge­brach­ter ge­we­sen

SonntagsZeitung - - EISHOCKEY -

Viel­leicht ist die Zeit ge­kom­men, sich zu ver­ab­schie­den

vom «al­ten» Eis­ho­ckey. Kürz­lich liess es der ka­na­di­sche Sen­der CBC noch­mals hoch­le­ben, im Coach’s Cor­ner, der Kult-sen­dung mit Don Cher­ry, des­sen Kri­ti­ker mo­nie­ren, er sei 100 Jah­re alt und sei­ne An­sich­ten noch äl­ter. Cher­ry (84) zeig­te, was frü­her (als al­les bes­ser war) pas­sier­te, wenn un­be­dach­te Stür­mer nach dem Ein­tritt in die Of­fen­siv­zo­ne in die Mit­te zo­gen: Dann kam Scott Ste­vens an­ge­braust, schon lag der Stür­mer am Bo­den, hin und wie­der ohn­mäch­tig. Ste­vens’ «Spe­zia­li­tät»: fie­se «Blind-si­de-hits».

Es wur­den Spie­ler ge­checkt,

die schon in ei­nen Zwei­kampf mit ei­nem Team­kol­le­gen von Ste­vens in­vol­viert wa­ren. Zu se­hen wa­ren Char­gen ge­gen den Kopf, Ell­bo­gen ins Ge­sicht, die Wucht ver­stärkt durch Ab­sprin­gen. Ste­vens wur­de ge­fei­ert, heu­te gä­be es nebst lan­gen Sper­ren viel­leicht noch Zi­vil­kla­gen. An­de­re Zei­ten, an­de­re Sit­ten, an­de­re Re­geln.

Das Spiel, es hat sich in so vie­lem ver­än­dert,

am dras­tischs­ten be­züg­lich Tem­po. Das hat Vor­zü­ge: Die noch jun­ge Nhl-sai­son zeigt das neue Eis­ho­ckey: noch schnel­ler, noch spek­ta­ku­lä­rer, mit ei­ner nie da ge­we­se­nen Fül­le an mo­bi­len Jung­stars. Das gibt Tor um Tor, 7:6 oder 8:5 steht da im­mer wie­der mal auf der Re­sul­tat­ta­fel. Selbst Ot­ta­wa, in al­len Pro­gno­sen auf dem letz­ten Platz, hät­te im Start­spiel zehn To­re schies­sen kön­nen (Chi­ca­go ge­wann 4:3), zu so vie­len Chan­cen kam das Team – dank Tem­po.

Das Tem­po. Es hat das Spiel auch ge­fähr­li­cher ge­macht.

Hir­ner­schüt­te­run­gen neh­men zu. Kürz­lich mach­te Wa­shing­tons Tom Wil­son den «Scott Ste­vens», die NHL sperr­te ihn für 20 Spie­le. Dras­ti­sche Sper­ren nach über­har­ten Ak­tio­nen, das scheint der Weg, der Pro­ble­ma­tik bei­zu­kom­men. Die­se Ein­sicht scheint bei Schwei­zer Clubs teil­wei­se noch zu feh­len. Nur so las­sen sich die Re­kur­se des ZSC im Fall Pet­ters­son (für ein Ver­ge­hen im Fi­nal 2018) und von Bern im Fall Scia­ro­ni er­klä­ren. Bei­de wa­ren zu Recht hart, mit je sechs Spiel­sper­ren, be­straft wor­den. Zwei­mal wä­re ein lei­ses «Dan­ke­schön» der Clubs die an­ge­brach­te­re Re­ak­ti­on ge­we­sen als ein Ein­spruch.

über Checks, Sper­ren so­wie Scott Ste­vens und sei­ne Imi­ta­to­ren

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