Bern steigt in die For­mel E ein – es ist der per­fek­te Zeit­punkt

Die Haupt­stadt er­setzt Zü­rich und be­her­bergt die Elek­tro­renn­se­rie am 22. Ju­ni 2019. Was auf Bern zu­kommt

SonntagsZeitung - - SPORT - Re­né Hau­ri

Die For­mel E elek­tri­sier­te Mit­te Ju­ni die Mas­sen: 150 000 Zu­schau­er ström­ten nach Zü­rich zum ers­ten Rund­stre­cken­ren­nen in der Schweiz seit über 60 Jah­ren. Es war ein Fest mit ei­nem pa­cken­den Ren­nen mit­ten durchs En­ge­quar­tier mit Tem­pi jen­seits von 200 km/h. Ale­jan­dro Agag, Gründer der Wm­se­rie mit Elek­tro­bo­li­den, ju­bi­lier­te: «Das ist das neue Mo­na­co der For­mel E.»

Doch Zü­rich und die For­mel E, das war nicht nur ei­ne Lie­bes­ge­schich­te. Es gab Miss­tö­ne, An­woh­ner stör­ten sich an Lärm und Dau­er der Auf- und Ab­bau­ar­bei­ten, die Park­an­la­ge Ar­bo­re­tum am See litt. So kam der Stadt­re­gie­rung An­fang Sep­tem­ber in den Sinn, dass 2019 Zü­ri-fäscht und Pri­de Fes­ti­val ist: Drei Gross­an­läs­se wür­de die Stadt nicht ver­kraf­ten. Die For­mel E wur­de (vor­erst) ver­bannt.

Nun sind die gröss­ten Spon­so­ren der Se­rie in der Schweiz an­ge­sie­delt, ent­spre­chend setz­te Ale­jan­dro Agag al­les dar­an, den An­lass hier­zu­be­hal­ten. Das ge­lang: Bern wird am 22. Ju­ni 2019 in die Bre­sche sprin­gen. Wie in Zü­rich wird der Ver­an­stal­ter Swiss E-prix Ope­ra­ti­ons AG sämt­li­che Kos­ten tra­gen. In der Mit­tei­lung vom Frei­tag steht: «Der Ge­mein­de­rat sieht das For­mel-e-ren­nen als Chan­ce für die Stadt Bern, sich ei­nem gros­sen Pu­bli­kum als mo­der­ne und at­trak­ti­ve Stadt im Her­zen Eu­ro­pas zu prä­sen­tie­ren.»

Es ist der per­fek­te Zeit­punkt für den Ein­stieg in die For­mel E. Aus die­sen Grün­den:

Das Bat­mo­bil kommt: Es war ein Graus für Mo­tor­sport­fans, die­ses Wech­seln des Au­tos zur Hälf­te des Ren­nens, weil die Bat­te­rie­leis­tung nicht aus­reich­te für die gan­ze Dis­tanz. Das war mit ein Grund für hä­mi­sche Kom­men­ta­re aus der Sze­ne. Doch in der Sai­son 2018/19 ist vor al­lem Stau­nen an­ge­sagt. Der Welt­ver­band FIA hat ein fu­tu­ris­ti­sches Ge­fährt ent­wor­fen, das an das Au­to des Co­mic-hel­den Bat­man er­in­nert: ag­gres­si­ve Li­ni­en­füh­rung, ver­klei­de­te Vor­de­r­und Hin­ter­rä­der, zwei­ge­teil­ter Heckf lü­gel. Die Bat­te­rie un­ter der at­trak­ti­ven Hül­le, die nicht mehr von Wil­li­ams, son­dern neu von Mcla­ren stammt, leis­tet 54 Ki­lo­watt­stun­den und da­mit fast dop­pelt so viel wie ihr Vor­gän­ger in der Pre­mie­ren­sai­son 2014/15. Da­mit sie auch si­cher durch­hält, dau­ern die Ren­nen nur noch rund 40 statt wie bis­lang 50 bis 60 Mi­nu­ten. Die Ma­xi­mal­leis­tung wird von 200 (im Ren­nen 180) auf 250 Ki­lo­watt (im Ren­nen 200) er­höht. Die Au­tos er­rei­chen bis 280 km/h. Ob die Höchst­ge­schwin­dig­keit wie bis an­hin auf 225 km/h be­schränkt wird, steht noch nicht fest.

Die Gros­sen stei­gen ein: Die Au­to­her­stel­ler ha­ben die For­mel E als Spiel­feld für die Tech­no­lo­gie der Zu­kunft ent­deckt. Im Renn­mo­dus kön­nen sie sich mit der gröss­ten Kon­kur­renz auf dem Fahr­zeug­markt mes­sen und gleich­zei­tig ei­ne gros­se Platt­form für ih­re Elek­tro­au­tos nut­zen. Bis­lang wa­ren Kon­zer­ne wie Ma­hin­dra, Re­nault und Ja­gu­ar un­ter sich, doch nun kom­men wei­te­re Grös­sen da­zu. Au­di war be­reits in der ver­gan­ge­nen Sai­son erst­mals als Werks­team am Start – und ge­wann gleich den Kon­struk­teur­s­ti­tel. Nun er­setzt Nis­san für die nächs­te Sai­son, die am 15. De­zem­ber in Saudiarabien be­ginnt, Re­nault. Neu stellt auch BMW ein Team. 2019 fol­gen Mer­ce­des und Por­sche. Und Ja­gu­ar darf erst­mals im Rah­men der For­mel E die I-pace etro­phy mit sei­nen ei­ge­nen Renn­wa­gen durch­füh­ren.

Der klin­gen­de Na­me: Bis­lang war­te­te die For­mel E auf die ganz gros­sen Fah­rer. Nun hat das War­ten ein En­de. Fe­li­pe Mas­sa steigt als Pi­lot des Teams Ven­tu­ri ins Cock­pit. Der 11-fa­che Grand-prix­sie­ger der For­mel 1 er­gänzt ein il­lus­tres Feld. Auch Nel­son Pi­quet ju­ni­or ( Ja­gu­ar), For­mel-e-vor­jah­res­sie­ger Je­an-eric Ver­g­ne (Te­chee­tah), Lu­cas di Gras­si (Au­di) oder der Schwei­zer Sé­bas­ti­en Bu­emi (Nis­mo), der seit der ers­ten Sai­son da­bei ist und 2016 den Wm-ti­tel ge­wann, fuh­ren schon in der Kö­nigs­klas­se. Nun könn­te auch noch Stof­fel Van­door­ne da­zu­stos­sen, der beim Renn­stall HWA, dem Vor­bo­ten von Mer­ce­des in der For­mel E, als Fa­vo­rit auf den zwei­ten Sitz ne­ben Ga­ry Paf­fett gilt. Der Bel­gi­er muss bei Mcla­ren in der For­mel 1 sei­nen Platz räu­men.

Das dich­te Pro­gramm: Al­les an ei­nem Tag, lau­tet die De­vi­se der For­mel E: zwei Trai­nings, vier Qua­li­fy­ings, ei­ne Au­to­gramm­stun­de, das Ren­nen. Zum ei­nen soll die Ein­ta­ges­ver­an­stal­tung die Städ­te ent­las­ten, zum an­de­ren den Zu­schau­ern ei­nen bes­se­ren Über­blick ver­schaf­fen. Da­ne­ben gibt es ein Rah­men­pro­gramm mit Kon­zer­ten und Ren­nen am Si­mu­la­tor. Au­to­bau­er prä­sen­tie­ren ih­re neu­es­ten Er­run­gen­schaf­ten in der Elek­tro­mo­bi­li­tät, Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men zei­gen mög­li­che Kon­zep­te für den Ver­kehr der Zu­kunft auf. Der Ber­ner Ge­mein­de­rat hält fest: «Mit dem Ren­nen und dem Rah­men­pro­gramm wer­den die Elek­tro­mo­bi­li­tät so­wie der Dis­kurs rund um öko­lo­gi­sche Mo­bi­li­tät und neue Tech­no­lo­gi­en ge­för­dert.»

Bern und die For­mel E: Vi­el­leicht wird das ja zur gros­sen Lie­bes­ge­schich­te.

Das Bat­mo­bil kommt: Der Welt­ver­band FIA hat für das Jahr 2019 ein fu­tu­ris­ti­sches Ge­fährt ent­wor­fen

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