Tur­bu­len­te Zeit für den SMI

Wenn die Zin­sen stei­gen, lei­den Schwei­zer Ak­ti­en

SonntagsZeitung - - WIRTSCHAFT - Ro­bert May­er

Am Don­ners­tag, als die Märk­te welt­weit von ei­ner Aus­ver­kaufs­wel­le über­rollt wur­den, zähl­te der Swiss-mar­ket-in­dex (SMI) in Eu­ro­pa zu den gröss­ten Ver­lie­rern. An die­sem Tag ver­zeich­ne­te er ein Mi­nus von fast 3 Pro­zent. Vor al­lem in­ter­na­tio­na­le An­le­ger mei­den die Pa­pie­re hei­mi­scher Vor­zei­ge­fir­men schon seit ei­ni­ger Zeit.

Über die letz­ten zwölf Mo­na­te sum­miert sich die Ein­bus­se des SMI auf et­wa 7 Pro­zent. Dass eu­ro­päi­sche Ak­ti­en, ge­mes­sen am In­dex MSCI Eu­ro­pe, im be­sag­ten Zei­t­raum noch et­was mehr ver­lo­ren, ist aus Schwei­zer Sicht be­mer­kens­wert. Denn zu­vor war es um­ge­kehrt ge­we­sen: Die Ti­tel der gros­sen Schwei­zer Fir­men hink­ten ih­ren eu­ro­päi­schen Pen­dants deut­lich hin­ter­her. «Der au­gen­fäl­li­ge Be­wer­tungs­rück­stand der Smi­ak­ti­en hat sich ver­flüch­tigt», sagt Pa­trik Lang, Lei­ter Ak­ti­en­ana­ly­se bei der Bank Ju­li­us Bär.

Die Be­son­der­heit des SMI liegt in der star­ken Ab­hän­gig­keit von Kon­zer­nen wie Nest­lé, No­var­tis und Ro­che – die al­le­samt re­la­tiv we­nig kon­junk­tur­ab­hän­gig sind und ih­ren Ak­tio­nä­ren ste­te Di­vi­den­den zah­len. De­ren Ak­ti­en, und da­mit der SMI ins­ge­samt, ha­ben we­gen die­ser Ei­gen­schaf­ten vom Ri­si­ko­pro­fil her ei­ne ge­wis­se Ähn­lich­keit mit An­lei­hen. Nach Aus­sa­ge von Lang re­agiert denn der SMI un­ter al­len eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­in­di­zes am emp­find­lichs­ten auf stei­gen­de Ren­di­ten deut­scher Staats­an­lei­hen.

Die­ser Um­stand er­weist sich für den Schwei­zer In­dex in Zei­ten stei­gen­der Zin­sen als Nach­teil. Eben das lässt sich seit 2016/17 be­ob­ach­ten, nach­dem die Us-no­ten­bank in ei­nen Zy­klus ste­ti­ger Zins­er­hö­hun­gen ein­ge­mün­det ist. Ih­re straf­fe­re Po­li­tik hat auch für Be­we­gung im eu­ro­päi­schen Zins­ge­fü­ge ge­sorgt: Die Ren­di­ten lang­fris­ti­ger Staats­an­lei­hen sind ge­stie­gen. Da­durch er­höht sich aus An­le­ger­sicht die At­trak­ti­vi­tät von An­lei­hen – ent­spre­chend schwin­det der An­reiz, in an­lei­hen­ähn­li­che An­la­gen wie eben den SMI zu in­ves­tie­ren.

In­län­di­sche Ak­ti­en lo­cken mit ho­her Di­vi­den­den­ren­di­te

Nach­dem die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Us-staats­pa­pie­re zu­letzt ra­sant auf bis zu 3,25 Pro­zent klet­ter­te, ste­hen die Märk­te ge­mäss Lang an ei­ner Weg­schei­de. Der Ex­per­te von Ju­li­us Bär sieht zwei Sze­na­ri­en: ei­ne Fort­set­zung des «zu­letzt ruck­ar­ti­gen Zins­an­stiegs» – mit ei­nem Brems­ef­fekt auf die glo­ba­le Kon­junk­tur – oder ei­ne mo­de­ra­te Er­hö­hung aus­ge­hend vom jet­zi­gen Ni­veau. Letz­te­res hält Lang für wahr­schein­li­cher: «Wir se­hen kei­ne fun­da­men­ta­len Grün­de für ei­nen star­ken Zins­an­stieg, auch über­mäs­si­ge In­fla­ti­ons­ängs­te schei­nen uns nicht ge­recht­fer­tigt.»

In ei­nem sol­chen Um­feld blie­ben Ak­ti­en ei­ne at­trak­ti­ve An­la­ge, er­gänzt Lang. Mit Blick auf ih­re re­la­tiv güns­ti­ge Be­wer­tung und ih­re ho­he Di­vi­den­den­ren­di­te – der SMI weist ei­ne sol­che von 3,5 Pro­zent auf, ver­gli­chen mit 2,5 Pro­zent auf glo­ba­ler Ebe­ne – dürf­ten Schwei­zer Di­vi­den­den­pa­pie­re eben­falls pro­fi­tie­ren.

Und wenn die Zin­sen wei­ter hoch­schies­sen? «Dann wer­den Ak­ti­en welt­weit un­ter Ab­ga­be­druck ge­ra­ten», sagt Lang. Wo­bei der SMI pa­ra­do­xer­wei­se wohl we­ni­ger stark be­trof­fen wä­re. Kä­me es zu ei­nem sol­chen Sturm, wür­den an­lei­hen­ähn­li­che Ak­ti­en wie Nest­lé & Co noch am ehes­ten wi­der­ste­hen.

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