Co­la light hat es schwer

Der Di­ät-klas­si­ker aus den 80er-jah­ren ver­schwin­det in der Schweiz aus vie­len Re­ga­len – Süss­ge­trän­ke sind im­mer we­ni­ger ge­fragt, im Trend liegt Ge­sun­des

SonntagsZeitung - - WIRTSCHAFT - Erich Bürg­ler

Die Da­men im Gross­raum­bü­ro sind ganz auf­ge­regt. Schnell ma­chen sie sich noch ein we­nig zu­recht. Ei­ne ver­steckt das Bild ih­res Gat­ten, die an­de­re öff­net den obers­ten Knopf ih­rer Blu­se. Nun schau­en sie al­le auf die Ein­gangs­tür, denn es ist Zeit für die Ge­trän­ke­lie­fe­rung. Ein jun­ger, sport­li­cher Typ tritt ein und bringt un­ter den schmach­ten­den Bli­cken der Frau­en Nach­schub an Co­ca-co­la light.

Der Us-ge­trän­ke­kon­zern kur­bel­te in den Neun­zi­ger­jah­ren mit sol­cher Wer­bung den Ver­kauf sei­ner zu­cker­frei­en Brau­se an. Heu­te wirkt der Spot völ­lig aus der Zeit ge­fal­len. Den Co­ca­co­la-mann hat der Kon­zern längst ein­ge­mot­tet. Nicht nur die Wer­be­bot­schaf­ten ha­ben sich grund­le­gend ver­än­dert, son­dern auch die Vor­lie­ben der Kon­su­men­ten. Schwei­ze­rin­nen und Schwei­zer grei­fen im­mer sel­te­ner zu Süss­ge­trän­ken. 2011 tran­ken sie jähr­lich noch 80 Li­ter pro Kopf, im ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren es noch rund 68 Li­ter.

Light er­in­nert an Ja­ne Fon­da, Ae­ro­bic und Stirn­band

Im­mer we­ni­ger Lust ha­ben sie da­bei of­fen­bar auf Co­ca-co­la light. Das Ge­tränk ver­schwin­det zu­neh­mend aus den Re­ga­len der De­tail­händ­ler und von den Ge­trän­ke­kar­ten in Re­stau­rants. Die Fast-food-ket­te Mcdo­nald’s bie­tet seit kur­zem in 60 Fi­lia­len bis auf wei­te­res kein Co­la light mehr an. Die Kun­den müs­sen mit Co­la Ze­ro vor­lieb­neh­men.

Die deut­schen Dis­coun­ter Lidl und Al­di ha­ben Co­la light in der Schweiz schon län­ger aus dem Sor­ti­ment ge­kippt. Kon­kur­rent Den­ner führt das Pro­dukt in vie­len Fi­lia­len nicht mehr im Kühl­re­gal. Co­la light sei we­ni­ger ge­fragt und un­ter den Co­la-ge­trän­ken auf dem ab­stei­gen­den Ast, sagt ein Spre­cher. Bei Co­op heisst es, Co­la Ze­ro lau­fe heu­te deut­lich bes­ser als Co­la light.

Laut Mar­ke­ting­ex­per­te Ca­ry St­ein­mann hat das Ge­tränk ein Image­pro­blem. «Co­ca-co­la light steht für die 80er­jah­re: 80 Li­ter 75 70 65 60 Ja­ne Fon­da, Ae­ro­bic und Stirn­band. Es sieht alt aus.» Schon der Be­griff «light» sei völ­lig ver­staubt. In Re­stau­rants sagt die Be­die­nung dem­ent­spre­chend im­mer öf­ter «wir ha­ben nur Ze­ro», wenn Gäs­te light be­stel­len.

Re­gio­na­le Ge­trän­ke sind ge­frag­ter als glo­ba­le Mar­ken

Beim Zürcher Ge­trän­ke­händ­ler In­ter­co­mes­ti­bles, der 400 Gas­tro­no­mie­be­trie­be be­lie­fert, sind die Um­sät­ze mit Co­ca­co­la light ein­ge­bro­chen. Im Ver­gleich zu vor zehn Jah­ren ver­kau­fe man heu­te fast 90 Pro­zent we­ni­ger da­von, sagt Ein­kaufs­lei­ter Kas­par Mü­ri. Der Trend zei­ge all­ge­mein klar hin zu we­ni­ger Süs­sem. Statt­des­sen sei­en bit­te­re Ge­trän­ke wie Chi­not­to und To­nic be­liebt. Wenn doch Süs­ses ge­wünscht wird, dann soll es aus der Nä­he kom­men. «Ge­trän­ke von re­gio­na­len Her­stel­lern sind sehr ge­fragt. Statt Spri­te wol­len die Gäs­te El­mer Ci­tro oder ein Pe­pi­ta. Neue, klei­ne Schwei­zer An­bie­ter ha­ben eben­falls Er­folg», sagt Mü­ri. Auch bei Co­la zieht Re­gio­na­les. In­ter­co­mes­ti­bles füh­re mitt­ler­wei­le Co­las von über zehn Her­stel­lern im Sor­ti­ment. Frü­her ha­be es kaum Al­ter­na­ti­ven zu Co­ca-co­la ge­ge­ben.

Co­ca-co­la Schweiz räumt ein, dass der eins­ti­ge Klas­si­ker im­mer we­ni­ger be­liebt ist. «Der Um­satz von Co­ca-co­la light ent­wi­ckelt sich rück­läu­fig über die letz­ten Jah­re», sagt ei­ne Spre­che­rin. Das Ge­tränk ha­be aber im­mer noch ei­ne sehr treue An­hän­ger­schaft. Co­la Ze­ro ent­wick­le sich da­ge­gen über­durch­schnitt­lich gut. Doch künst­lich ge­süss­ten Ge­trän­ken weht Skep­sis ent­ge­gen. Das be­ob­ach­tet der Nah­rungs­mit­tel­kon­zern Da­no­ne. «Schwei­zer Kon­su­men­ten ste­hen Ge­trän­ken mit künst­li­chen Süss­stof­fen kri­tisch ge­gen­über und be­vor­zu­gen ei­ne na­tür­li­che Re­duk­ti­on der Süs­se – al­so we­ni­ger, da­für na­tür­li­chen Zu­cker», sagt ein Da­no­ne-spre­cher. Das Un­ter­neh­men hat bei Schwei­zer Kon­su­men­ten zum The­ma ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Be­fra­gung durch­füh­ren las­sen.

Bei der Mi­gros ha­ben Mi­ne­ral­was­ser und leicht aro­ma­ti­sier­te Ge­trän­ke mit Frucht- oder Kräu­ter­zu­sät­zen in die­sem Jahr an Be­liebt­heit ge­won­nen. «Wir konn­ten ein stei­gen­des Ge­sund­heits­be­wusst­sein fest­stel­len, was ei­ne Ve­rän­de­rung der Trink­ge­wohn­hei­ten zur Fol­ge hat», sagt ei­ne Spre­che­rin. Auch Co­ca-co­la setzt ver­mehrt auf den Ge­sund­heits­trend und ver­kauft in der Schweiz zu­cker­re­du­zier­ten Bio-eis­tee und ve­ga­ne So­ja- und Man­del­d­rinks.

Ein Re­vi­val von Co­la light ist un­ter die­sen Um­stän­den äus­serst un­wahr­schein­lich. «Wenn ka­lo­ri­en­arm, dann wol­len trend­be­wuss­te Kon­su­men­ten ge­sun­de Ge­trän­ke mit Kräu­tern oder Früch­ten und nicht das Künst­li­che, das in ei­nem Co­la light steckt», sagt Mar­ke­ting­ex­per­te St­ein­mann.

Fo­to: Ala­my

Schon der Be­griff «light» sei völ­lig ver­staubt, sagt ein Mar­ke­ting­ex­per­te über zu­cker­frei­es Co­ca-co­la

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.