Frau Trumps Tro­pen­helm

Die Gar­de­ro­be der First La­dy auf ih­rer Afri­ka-rei­se er­in­ner­te an ei­ne Mot­to­par­ty

SonntagsZeitung - - GESELLSCHAFT - Bet­ti­na We­ber

Sie tut ei­nem im­mer ir­gend­wie leid, die First La­dy der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Nicht we­gen ih­res Gat­ten, den hat sie ja frei­wil­lig ge­ehe­licht. Son­dern weil sie durch des­sen Wahl in ei­ne Rol­le hin­ein­ge­ra­ten ist, in der sie sich of­fen­kun­dig un­wohl fühlt. Den gros­sen Auf­tritt je­den­falls sucht sie nicht: Ge­mäss der of­fi­zi­el­len Pres­se­sei­te des Weis­sen Hau­ses hielt Me­la­nia Trump in ih­rem ers­ten Amts­jahr ge­ra­de mal acht Re­den. Zum Ver­gleich: Bei Lau­ra Bush wa­ren es 42, bei Mi­chel­le Oba­ma 72 An­läs­se, an de­nen die bei­den ehe­ma­li­gen First La­dies das Wort er­grif­fen.

Die ak­tu­el­le First La­dy sagt al­so nicht viel. Wes­halb es um­so ku­rio­ser war, dass sie sich am En­de ih­rer ers­ten Aus­land­rei­se oh­ne The Do­nald, die sie ei­ne Wo­che lang von Gha­na über Ma­la­wi und von dort nach Ke­nia und Ägyp­ten ge­führt hat­te, in ei­nem In­ter­view dar­über be­klag­te, sie wür­de nur auf ih­re Klei­dung re­du­ziert. Ja wenn sie doch sonst nichts sagt! Und man doch um die non­ver­ba­le Bot­schaft der Tex­ti­li­en weiss!

Ih­re zwei­fel­los sorg­fäl­tig kom­po­nier­te Gar­de­ro­be für den Aus­land­ein­satz je­den­falls sprach ei­ne deut­li­che Spra­che: Das sah al­les aus, wie wenn sich ei­ne schlech­te Sty­lis­tin beim Stich­wort «Afri­ka» der ab­ge­dro­schens­ten Kli­schees be­dient hät­te, die ei­nem da­zu ge­mein­hin so ein­fal­len.

Die As­so­zia­tio­nen rei­chen von Ko­s­tüm­ball bis Ko­lo­nia­lis­mus

Oder auch: Das sah Tag für Tag al­les aus wie an ei­ner Mot­to­par­ty mit dem Ti­tel «Afri­ka». Als In­spi­ra­ti­on dien­te un­über­seh­bar Me­ryl Streep in ih­rer Rol­le als Ka­ren Bli­xen in «Out of Af­ri­ca» von 1985, und so stand Me­la­nia Trump in ei­nem dun­kel­weis­sen An­zug mits­amt bis zum Hals zu­ge­knöpf­ten Hemd und Kra­wat­te und Stroh­hut vor den Py­ra­mi­den in Gi­zeh.

Da war über­haupt viel Weiss und Beige im Kof­fer, es gab auch Pumps in Leo­par­den­mus­ter und ca­mel­far­be­nem Wild­le­der, Klei­der mit auf­ge­druck­ten Nas­hör­nern, ka­ki­far­be­ne Ho­sen und Sa­fa­ri­hem­den, und, al­len Erns­tes, ei­nen Tro­pen­helm. Der sah nicht nur nach Ko­s­tüm­ball aus, der schrie auch sehr un­gut Ko­lo­nia­lis­mus und war so takt­los wie un­pas­send.

Wo­mög­lich ist First La­dy Me­la­nia Trump aber sub­ver­si­ver, als wir al­le den­ken. Und dis­kre­di­tiert ih­ren Mann, wo im­mer sie nur kann – schwei­gend mit ih­ren Klei­dern.

Fo­to: Reu­ters

Schwei­gend und ganz in Weiss: Me­la­nia Trump auf dem schwar­zen Kon­ti­nent

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