FDP will Uno-mi­gra­ti­ons­pakt vors Volk brin­gen

SonntagsZeitung - - SCHWEIZ - Adri­an Schmid

Der Uno-mi­gra­ti­ons­pakt ge­rät in der Schweiz im­mer mehr un­ter Druck. Die FDP will jetzt so­gar da­für sor­gen, dass das Volk über das Ab­kom­men ab­stim­men kann. «Es reicht nicht, wenn der Bun­des­rat al­lei­ne dar­über be­fin­det», sagt der Zürcher Fdp-na­tio­nal­rat Hans-pe­ter Port­mann. Der Pakt be­tref­fe die Zu­wan­de­rung, und das sei ein «sen­si­bler Be­reich». Zu­dem sei­en die Fol­gen des Ver­trags­werks weit­rei­chend, die Schweiz müs­se sich ver­tieft da­mit be­schäf­ti­gen kön­nen. Port­mann for­dert des­halb vom Bun­des­rat, dass er mit der Un­ter­zeich­nung des Pakts zu­war­te, bis das Volk Stel­lung da­zu be­zo­gen ha­be.

Ei­gent­lich hät­te der Bun­des­rat im De­zem­ber an ei­ner Kon­fe­renz in Ma­rok­ko den Mi­gra­ti­ons­pakt un­ter­zeich­nen wol­len – oh­ne Ab­stim­mung im Par­la­ment oder im Volk. Dass er an die­sem Plan fest­hal­ten kann, wird im­mer un­wahr­schein­li­cher. Die SVP hat schon vor Wo­chen den Kampf ge­gen den Ver­trag auf­ge­nom­men. Nun äus­sern sich auch FDP- und Cvp-ver­tre­ter kri­tisch. Die Staats­po­li­ti­sche Kom­mis­si­on gab die­se Wo­che dem Bun­des­rat die Emp­feh­lung, den Pakt nicht zu un­ter­schrei­ben. Selbst Aus­sen­mi­nis­ter Igna­zio Cas­sis, der für das Dos­sier zu­stän­dig ist, lässt mitt­ler­wei­le ver­lau­ten, dass ei­ne spä­te­re Un­ter­zeich­nung «kei­ne Ka­ta­stro­phe» wä­re.

Was geht vor: Schwei­zer Recht oder der Mi­gra­ti­ons­pakt?

Dass jetzt aus­ge­rech­net die FDP, die Par­tei von Cas­sis, ei­ne Volks­ab­stim­mung for­dert, ist pi­kant. Al­ler­dings hat Cas­sis das Ge­schäft von sei­nen Vor­gän­gern über­nom­men – und es scheint, dass ihm da­bei nicht mehr wohl ist. Sei­ne Par­tei­kol­le­gen könn­ten ihm nun ei­nen Aus­weg zei­gen. Port­mann hat in der Aus­sen­po­li­ti­schen Kom­mis­si­on des Na­tio­nal­rats ei­nen An­trag ein­ge­reicht. Die­ser ver­langt, dass der Bun­des­rat dem Par­la­ment ei­nen re­fe­ren­dums­fä­hi­gen Be­schluss vor­legt. Nächs­te Wo­che wird die Kom­mis­si­on dar­über be­fin­den. Port­manns Vor­ge­hen ist mit der Par­tei- und Frak­ti­ons­spit­ze der FDP ab­ge­spro­chen.

«Ei­ne Volks­ab­stim­mung zum Uno-mi­gra­ti­ons­pakt ist wich­tig, weil Schwei­zer Recht be­trof­fen ist», sagt Port­mann. Wenn das Volk dar­über ab­stim­me, herr­sche im Streit­fall Klar­heit dar­über, ob die Be­stim­mun­gen des Pakts oder

Wenn über den Ver­trag ab­ge­stimmt wird, ist ge­mäss Frei­sinn die Selbst­be­stim­mungs­in­i­ta­ti­ve der SVP un­nö­tig

Schwei­zer Recht Vor­rang ha­ben. Da­mit zielt er auch auf die Selbst­be­stim­mungs­in­itia­ti­ve der SVP, über die dem­nächst ab­ge­stimmt wird. Port­mann be­tont zwar, dass es kei­nen di­rek­ten Zu­sam­men­hang ge­be. «Wenn aber das Volk über in­ter­na­tio­na­le Ver­trä­ge wie den Mi­gra­ti­ons­pakt ab­stim­men kann, braucht es die In­itia­ti­ve gar nicht. Das Volk ent­schei­det so von Fall zu Fall selbst, wel­che Ver­trä­ge es um­set­zen will und wel­che nicht.»

Der UNO-PAKT legt Grund­sät­ze im Um­gang mit Flücht­lin­gen und Mi­gran­ten fest und ist recht­lich nicht ver­bind­lich. Die Zie­le könn­ten je­doch in Wi­der­spruch zu Schwei­zer Recht tre­ten. Die Aus­schaf­fungs­haft für Min­der­jäh­ri­ge ab 15 Jah­ren et­wa ist hier zu­ge­las­sen. Der Pakt emp­fiehlt, da­von ab­zu­se­hen. Um­strit­ten sind zu­dem die hu­ma­ni­tä­ren Vi­sa und Um­sied­lun­gen für Mi­gran­ten, die ihr Hei­mat­land we­gen Um­welt­zer­stö­rung oder auf­grund des Kli­ma­wan­dels ver­las­sen müs­sen. Oder die Über­wei­sung von Geld in Her­kunfts­län­der, die ver­ein­facht wer­den soll. Die USA, Un­garn, Ös­ter­reich und Aus­tra­li­en ha­ben be­reits an­ge­kün­digt, den Pakt nicht un­ter­schrei­ben zu wol­len.

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