Der ewi­ge Streit Oba­ma ge­gen Trump

Sie ste­hen auf kei­nem Wahl­zet­tel, den­noch do­mi­nie­ren die bei­den Prä­si­den­ten die Us-zwi­schen­wah­len

SonntagsZeitung - - INTERNATIONAL - Mar­tin Su­ter New York

Hin­ter den ame­ri­ka­ni­schen Zwi­schen­wah­len baut sich ein Schat­ten­ren­nen auf – zwi­schen Do­nald Trump und Ba­rack Oba­ma. In der End­pha­se vor dem Ur­nen­gang vom Di­ens­tag be­herr­schen die zwei Us-prä­si­den­ten mit ih­ren Auf­trit­ten die Po­lit­schlacht, ob­wohl sie gar nicht zur Wahl ste­hen.

Trump mischt in den «Mid­terms» mit wie kein Prä­si­dent vor ihm. Seit En­de Som­mer trat er an über 30 Wahl­kampf­an­läs­sen auf. Al­lein ges­tern sprach er vor ju­beln­den Fans in Mon­ta­na und Flo­ri­da, wo­für er im Prä­si­den­ten­jum­bo Air Force One 6154 Flug­ki­lo­me­ter zu­rück­leg­te.

Ex-prä­si­dent Oba­ma da­ge­gen ist der na­tio­nal do­mi­nie­ren­de Wahl­kämp­fer der De­mo­kra­ten ge­wor­den. Be­geis­ter­te An­hän­ger mach­ten am Frei­tag in Flo­ri­da klar, dass die Par­tei seit Hil­la­ry Cl­in­tons Nie­der­la­ge von 2016 kei­ne eben­bür­ti­ge Füh­rungs­fi­gur auf­bau­en konn­te.

Kon­kret geht es in den Wah­len in zwei Ta­gen um den Us-kon­gress so­wie um Gou­ver­neu­re und ge­setz­ge­ben­de Kam­mern in vie­len Glied­staa­ten. Im Re­prä­sen­tan­ten­haus wer­den al­le 435 Sit­ze neu ver­ge­ben. Hier ha­ben die De­mo­kra­ten die bes­ten Chan­cen, den Re­pu­bli­ka­nern ih­re bis­he­ri­ge Mehr­heit zu ent­reis­sen. 23 Sit­ze brau­chen sie für den Macht­wech­sel; laut Vor­her­sa­gen könn­ten sie 30 bis 40 Re­prä­sen­tan­ten hin­zu­ge­win­nen.

Schlech­ter sieht es für die Op­po­si­ti­ons­par­tei im Se­nat aus, wo 33 von 100 Sit­zen neu zu be­stel­len sind. Pro­gnos­ti­ker er­war­ten, dass die Re­pu­bli­ka­ner ih­re knap­pe Mehr­heit so­gar um ein bis zwei Sit­ze aus­bau­en wer­den. We­ni­ger be­ach­tet, aber sehr wich­tig sind die 36 Gou­ver­neurs­ren­nen. Nicht nur wer­den sich die Exe­ku­ti­ven der Glied­staa­ten an der bald fäl­li­gen Neu­zeich­nung vie­ler Wahl­krei­se be­tei­li­gen. Gou­ver­neu­re kön­nen auch in den 2020 statt­fin­den­den Prä­si­dent­schafts­wah­len den Kan­di­da­ten ih­rer Par­tei un­ter die Ar­me grei­fen.

Für Trump ist die Ein­wan­de­rung das zug­kräf­ti­ge The­ma

Weil es um so viel geht, kämpft Prä­si­dent Trump, als ste­he sein Na­me auf den Wahl­zet­teln. Er preist die am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten, stu­pend gu­ten Job-zah­len: Im Ok­to­ber wur­den in den USA 250 000 neue Ar­beits­plät­ze ge­schaf­fen, die Ar­beits­lo­sig­keit ver­harrt auf tie­fen 3,7 Pro­zent, und neu ist der Durch­schnitts­lohn um 3 Pro­zent ge­stie­gen. Am meis­ten pro­fi­tier­ten da­von Ar­beit­neh­mer oh­ne Col­le­ge­aus­bil­dung. Weil aber gu­te Nach­rich­ten nie­man­den an die Ur­ne lo­cken, hat Trump zu­sätz­lich die Ein­wan­de­rung als Schre­ckens­the­ma auf­ge­grif­fen. Vor dem vi­su­ell ein­präg­sa­men Hin­ter­grund der «Ka­ra­wa­nen» mit­tel­ame­ri­ka­ni­scher Mi­gran­ten pro­pa­giert er ei­ne kom­pro­miss­lo­se Ab­wehr­hal­tung. Trump ge­lob­te, die Ar­muts­flücht­lin­ge nicht her­ein­zu­las­sen, und be­fahl Sol­da­ten an die Gren­ze.

Li­be­ra­le Me­di­en be­zeich­nen die Angst­ma­che als ten­den­zi­ell ras­sis­tisch. Doch Trumps Ap­pell rich­tet sich pri­mär an Re­pu­bli­ka­ner, und bei ih­nen ist Ein­wan­de­rung laut Um­fra­gen nach wie vor das zug­kräf­tigs­te po­li­ti­sche The­ma.

Das gros­se Mo­bi­li­sie­rungs­the­ma der De­mo­kra­ten ist die Ge­sund­heits­po­li­tik, ob­wohl die «Oba­ma­ca­re»-re­form von ih­nen ge­gen den Wil­len der Re­pu­bli­ka­ner durch­ge­setzt wur­de. Trump und sei­ner Par­tei wird vor­ge­wor­fen, sie woll­ten den Ver­si­che­rungs­schutz für be­reits be­ste­hen­de Krank­hei­ten ab­schaf­fen und das So­zi­al­pro­gramm Me­di­caid ab­bau­en.

Ins­ge­samt dreht sich der Wahl­kampf we­ni­ger um Lo­ka­les als um Trump und sei­ne Po­li­tik. Oba­ma ver­höhn­te die neu­en Im­mi­gra­ti­ons­mass­nah­men mit den Wor­ten: «Jetzt nimmt man so­gar un­se­re mu­ti­gen Trup­pen ih­ren Fa­mi­li­en weg, und das für ei­nen po­li­ti­schen Gag an der Gren­ze!»

Trump wie­der­um ka­ri­kiert die De­mo­kra­ten als Par­tei der of­fe­nen Gren­zen. Die Wah­len dreh­ten sich um «Jobs statt Mobs» und «Re­sul­ta­te statt Wi­der­stand», sagt er mit grif­fi­gen Slo­gans. Bei­de Prä­si­den­ten be­zeich­nen die­se «Mid­terms» als die wich­tigs­ten, die es je gab. Das Er­geb­nis se­hen wir in der Nacht auf Mitt­woch.

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