Preis­zer­fall bei Fe­ri­en­woh­nun­gen in den Ber­gen

Mehr als 9000 Fe­ri­en­woh­nun­gen und vie­le Lu­xus­häu­ser ste­hen zum Ver­kauf – auch sol­che von Pro­mi­nen­ten

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Ro­man Sei­ler

Da­vos Wer sich heu­te ein Fe­ri­en­do­mi­zil kau­fen will, hat die Qu­al der Wahl: In den rund 120 tou­ris­ti­schen Ge­mein­den der Schweiz wa­ren ge­mäss Da­ten des Im­mo­bi­li­enBe­ra­tungs­un­ter­neh­mens Wüest Part­ner En­de Sep­tem­ber 9117 Fe­ri­en­woh­nun­gen zum Kauf aus­ge­schrie­ben. Das sind 4 Pro­zent mehr als vor ei­nem Jahr. Die­ses Über­an­ge­bot lässt sich nicht schnell ab­bau­en. Da­her dürf­te sich der der­zei­ti­ge Preis­zer­fall fort­set­zen. In den Tou­ris­mus­or­ten sind die An­ge­bots­prei­se für Ei­gen­tums­woh­nun­gen seit 2014 um 15 Pro­zent ge­fal­len. Den höchs­ten Rück­gang ver­zeich­net das En­ga­din mit 20 bis 30 Pro­zent. Dort fehlt die frü­her wich­ti­ge Kund­schaft aus Deutsch­land und Ita­li­en. Aus­ser­dem hat sich das Rei­se­ver­hal­ten we­gen On­line­ver­mie­tungs­por­ta­len ver­än­dert.

Mit viel Ge­tö­se liess sich Us-prä­si­dent Do­nald Trump im Ja­nu­ar zum «Gol­de­nen Ei» chauf­fie­ren, dem Ho­tel In­tercon­ti­nen­tal in Da­vos. Wäh­rend des Welt­wirt­schafts­fo­rums (WEF) brummt das Re­sort, zu dem auch zwei Be­ton­bal­ken mit 38 Fe­ri­en­woh­nun­gen ge­hö­ren. De­ren Be­sit­ze­rin, ein Im­mo­bi­li­en­fonds der Credit Suis­se, will die­se seit lan­gem ver­kau­fen. Aber noch im­mer sind 15 zu ha­ben – trotz ei­ner Preis­re­duk­ti­on vor zwei Jah­ren um mehr als 10 Pro­zent. Für wei­te­re Preis­nach­läs­se ge­be es kei­ne Ver­an­las­sung, sagt ei­ne Spre­che­rin der Bank, da die noch ver­füg­ba­ren Woh­nun­gen durch de­ren Ver­mie­tung Ein­nah­men ge­ne­rier­ten.

Dank die­sem oft an­ge­wen­de­ten Ge­schäfts­mo­dell las­sen sich die Be­triebs­kos­ten von schwer ver­käuf­li­chen La­den­hü­tern ganz oder teil­wei­se de­cken. An­ge­bo­te gibt es näm­lich zu­hauf. Al­lein in Da­vos sind 257 Zweit­woh­nun­gen auf dem Markt. To­tal 9117 wa­ren es En­de Sep­tem­ber in den rund 120 tou­ris­ti­schen Ge­mein­den der Schweiz. Das zeigt die Aus­wer­tung von In­se­ra­ten durch das Im­mo­bi­li­en-be­ra­tungs­un­ter­neh­men Wüest Part­ner. Die­se Woh­nun­gen ha­ben ei­nen Wert von ins­ge­samt mehr als 4,5 Mil­li­ar­den Fran­ken.

Das An­ge­bot türm­te sich auf, weil nach An­nah­me der Zweit­woh­nungs­in­itia­ti­ve 2012 fast al­les ge­baut wur­de, was be­wil­ligt war. Des­halb sind seit Herbst 2012 stets zwi­schen 8000 und 10 000 Zweit­woh­nun­gen auf dem Markt. Zum Ver­gleich: 2003 wa­ren es noch 3513.

Die An­ge­bots­prei­se für Ei­gen­tums­woh­nun­gen in tou­ris­ti­schen Ge­mein­den sind laut Ro­bert Wei­nert von Wüest Part­ner zwi­schen 2008 und 2014 um rund 27 Pro­zent an­ge­stie­gen. Doch seit­her geht es berg­ab, und zwar bis da­to um 15 Pro­zent. Den­noch las­sen sich die in In­se­ra­ten ge­nann­ten Prei­se oft nicht rea­li­sie­ren. «Der Ver­kaufs­er­lös ist tie­fer», sagt Sa­scha Gi­nes­ta, der für den gleich­na­mi­gen Im­mo­bi­li­en­mak­ler den Bünd­ner Markt be­ar­bei­tet. Ein Grund da­für ist der star­ke Fran­ken. Er schreckt Aus­län­der von Käu­fen ab. Und Ver­käu­fer aus dem Eu­ro­raum oder Gross­bri­tan­ni­en er­zie­len selbst dann ei­nen ho­hen Wäh­rungs­ge­winn, wenn sie ei­nen Preis­nach­lass ge­wäh­ren. Da­zu sagt Ubs-im­mo­bi­li­en­ex­per­te Ma­ciej Skoc­zek: «Auch des­we­gen über­steigt die Zahl der aus­län­di­schen Ver­käu­fer von Fe­ri­en­woh­nun­gen die­je­ni­ge der aus­län­di­schen Käu­fer Jahr für Jahr um 500.»

Das An­ge­bot an Häu­sern, die zum Ver­kauf ste­hen, ist eben­falls gross. Da­zu zählt das ak­tu­ell teu­ers­te, mit ei­nem Preis­schild ver­se­he­ne Ob­jekt: ein Cha­let in Gstaad

Fo­to: Ni­co­la Pi­ta­ro

Vor dem «Gol­de­nen Ei» in Da­vos steht ein Neu­bau mit 38 Fe­ri­en­woh­nun­gen: 15 sind trotz Preis­re­duk­ti­on noch im­mer nicht ver­kauft

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.