No­var­tis will 4 Mil­lio­nen für ei­ne ein­zi­ge Be­hand­lung

Der Bas­ler Phar­ma­kon­zern hat ei­ne neue Gen­the­ra­pie ge­gen ei­ne schwe­re Form von Mus­kel­schwund in der Pi­pe­line

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Do­mi­nik Bal­mer und Nik Wal­ter

No­var­tis prä­sen­tier­te die­se Wo­che ei­ne spek­ta­ku­lä­re Neu­ig­keit: Der Bas­ler Phar­ma­kon­zern hat ei­ne Gen­the­ra­pie ge­gen ei­ne schwe­re Form von Mus­kel­schwund ent­wi­ckelt. Sie soll be­reits Mit­te 2019 auf den Markt kom­men – und wird ver­mut­lich ei­nen ex­or­bi­tan­ten Preis ha­ben. Den Wert ei­ner Infu­si­on be­zif­fer­te No­var­tis am Mon­tag an ei­ner In­ves­to­ren­kon­fe­renz auf 4 Mil­lio­nen Fran­ken. Ei­ne ein­zi­ge Infu­si­on soll aber zur Ge­ne­sung aus­rei­chen.

Die Zu­las­sun­gen in der EU, den USA und in Ja­pan hat No­var­tis be­reits be­an­tragt. Auch in der Schweiz dürf­te der An­trag um Zu­las­sung bald fol­gen – auch wenn sich ein Me­dien­spre­cher von No­var­tis noch nicht da­zu äus­sern woll­te. Ei­ne Ober­gren­ze, wie viel ein Me­di­ka­ment oder ei­ne The­ra­pie kos­ten darf, gibt es in der Schweiz nicht. Ein Preis von 4 Mil­lio­nen Fran­ken ist aber laut dem Bun­des­amt für Ge­sund­heit theo­re­tisch mög­lich. Mit im­mer teu­re­ren The­ra­pi­en und stei­gen­den Ge­sund­heits­kos­ten stellt sich für die Po­li­tik die Fra­ge nach dem Wert des Le­bens. Die neue No­var­tis-the­ra­pie ist für Kin­der kon­zi­piert, die mit ei­ner spi­na­len Mus­kela­tro­phie des Typs 1 ge­bo­ren wer­den. Die­ser Gen­de­fekt ge­hört zu den schlimms­ten Erb­krank­hei­ten über­haupt. Be­trof­fe­ne Ba­bys kön­nen we­der selbst­stän­dig at­men noch schlu­cken. Fast al­le ster­ben vor dem zwei­ten Le­bens­jahr. In der Schweiz wer­den jähr­lich bis zu zwölf Ba­bys mit die­sem De­fekt ge­bo­ren.

Die neue Be­hand­lung von No­var­tis be­kämpft die Krank­heit ur­säch­lich. Über mo­di­fi­zier­te Vi­ren wird ein Gen in den Kör­per der kran­ken Kin­der ein­ge­schleust, das die De­ge­ne­ra­ti­on der Mus­keln stoppt. In ei­ner ers­ten kli­ni­schen Stu­die mit 15 be­trof­fe­nen Kin­dern zeig­te die The­ra­pie laut No­var­tis ei­ne durch­schla­gen­de Wir­kung. Al­le Kin­der wa­ren nach zwei Jah­ren noch am Le­ben. Ei­ni­ge konn­ten be­reits ge­hen.

Den ho­hen Wert der The­ra­pie recht­fer­tig­te No­var­tis mit dem Ge­winn von durch­schnitt­lich 13 zu­sätz­li­chen Le­bens­jah­ren für die be­trof­fe­nen Kin­der. An­de­re Me­di­ka­men­te und The­ra­pi­en sind laut No­var­tis in ei­nem Zehn­jah­res­ver­gleich bei ähn­li­chem Nut­zen teu­rer.

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