P.S. Guar­di­an An­gels

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Pe­ter Schnei­der

Im­mer wenn von den so­ge­nann­ten So­zi­al­de­tek­ti­ven die Re­de ist, scheint es ein­zig um die Sor­ge zu ge­hen, die­se könn­ten den Ver­däch­tig­ten im Schlaf­zim­mer fil­men. Wo­her rührt die­se Schlaf­zim­mer­fi­xie­rung? Psy­cho­lo­gen er­klä­ren uns, das Schlaf­zim­mer sei ein Sym­bol für den Ute­rus. Aber das er­klärt sei­ner­seits noch nicht, war­um die Men­schen we­ni­ger be­fürch­ten, sa­gen wir, in der Kü­che oder im Wohn­zim­mer statt im Ute­rus ge­filmt zu wer­den. Zu­mal im neu­en Ge­setz aus­drück­lich gar nicht vom Ute­rus die Re­de ist.

Mir scheint, hier wer­den ge­zielt ir­ra­tio­na­le Ängs­te ge­schürt und all­fäl­li­ge Chan­cen sys­te­ma­tisch aus­ge­blen­det. Aus der Sta­tis­tik wis­sen wir, dass ein Drit­tel al­ler Schwei­zer un­ter Ein­ und Durch­schlaf­pro­ble­men lei­den. Man­geln­der Schlaf kos­tet nach Schät­zun­gen von Öko­no­men die Volks­wirt­schaft zwi­schen 4,9 und 8,6 Mil­li­ar­den Fran­ken. Je­des Jahr! Vie­le Men­schen mer­ken nicht ein­mal, was sie Nacht für Nacht volks­wirt­schaft­lich an­rich­ten. Ge­ra­de im Schlaf­zim­mer al­so wä­re Früh­er­ken­nung ein Ge­bot der St­un­de. Ge­nau die­se aber wird durch ei­ne ideo­lo­gisch be­grün­de­te Ab­leh­nung der Vor­la­ge zu ei­ner bes­se­ren Über­wa­chung der Schla­fen­den ver­hin­dert. Ap­noe, de­pres­si­ves Ge­dan­ken­krei­sen, rest­less legs, stö­ren­de Was­ser­adern oder elek­tro­ma­gne­ti­sche Stör­fel­der blei­ben so häu­fig un­ent­deckt und un­be­han­delt. Dar­un­ter lei­det dann frei­lich nicht nur die volks­wirt­schaft­li­che So­li­dar­ge­mein­schaft, son­dern vor al­lem auch der tüü­fe gsun­de Schlaf. Ist jetzt mei­ne Mei­nung.

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