Wah­re Hel­den und neue Ko­lum­nis­ten

SonntagsZeitung - - RAIFFEISEN - Ar­min Mül­ler, Mit­glied der Chef­re­dak­ti­on ar­min.mu­el­ler@sonn­tags­zei­tung.ch www.face­book.com/sonn­tags­zei­tung

«Die wah­ren Hel­den der Markt­wirt­schaft sind die Chefs der Gross­ge­nos­sen­schaf­ten», be­haup­te­te ein Ka­pi­ta­lis­mus­kri­ti­ker vor neun Jah­ren. Mit Ge­nos­sen­schaf­ten hät­te es kei­ne Fi­nanz­kri­se ge­ge­ben, weil sie kei­ne An­rei­ze für Gier bö­ten, so­zi­al, lang­fris­tig und ver­ant­wor­tungs­voll agier­ten. Es war ei­ne Feh­l­ein­schät­zung, wie spä­tes­tens der Fall Raiff­ei­sen zeig­te. In Ge­nos­sen­schaf­ten fehlt die Kon­trol­le durch die Ka­pi­tal­ge­ber und oft auch die kla­re Tren­nung zwi­schen Auf­sicht und Ge­schäfts­lei­tung. Die Ma­na­ger kon­trol­lie­ren sich sel­ber.

Mit der Wahl von Prä­si­dent Guy Lach­ap­pel­le und dem Ab­gang von CEO Pa­trik Gi­sel ist der Weg frei für ei­nen Neu­an­fang. Die Cor­po­ra­te­go­ver­nan­ce-re­geln müs­sen si­cher­stel­len, dass der Ver­wal­tungs­rat die Ge­schäfts­lei­tung kon­trol­liert – nicht um­ge­kehrt.

Und nun zu et­was ganz an­de­rem. Auf un­se­rer Dop­pel­sei­te Stand­punk­te im Fo­kus-bund (Sei­te 18/19) be­grüs­sen wir zwei neue Ko­lum­nis­ten, die ge­gen­sätz­li­cher kaum sein könn­ten.

«Wir be­grüs­sen zwei neue Au­to­ren, zwei völ­lig ge­gen­sätz­li­che Stim­men»

Da ist ein­mal Ta­ma­ra Fu­ni­ci­el­lo, 28, Prä­si­den­tin der Ju­so Schweiz, Vi­ze­prä­si­den­tin der SP Schweiz und seit März Mit­glied des Gros­sen Rats des Kan­tons Bern. Sie be­schreibt sich als Fe­mi­nis­tin, «stol­zer Gut­mensch» und «So­zia­lis­tin mit Leib und See­le».

Sie wird sich im Zwei­wo­chen­rhyth­mus mit un­se­rem bis­he­ri­gen Ko­lum­nis­ten Mi­lo Rau ab­wech­seln. «Das Volk hat nicht im­mer recht», lau­tet der Ti­tel ih­rer ers­ten Ko­lum­ne.

Un­ser zweiter Neu­zu­gang war als Stu­dent eben­falls ein über­zeug­ter Lin­ker. Mar­kus Somm, 53, hat sich aber seit­her in die po­li­tisch ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung be­wegt. Der His­to­ri­ker wur­de 2010 Chef­re­dak­tor der «Bas­ler Zei­tung» und führ­te die­se auf ei­nen rechts­bür­ger­li­chen Kurs. Nach der Über­nah­me der «Bas­ler Zei­tung» durch Ta­me­dia, die auch die Sonn­tags­zei­tung her­aus­gibt, wird er die Chef­re­dak­ti­on spä­tes­tens En­de Jahr ab­ge­ben. «Der Glau­be der Un­gläu­bi­gen», heisst sei­ne Start­ko­lum­ne. Wir freu­en uns auf die­se neu­en Stim­men.

Gleich­zei­tig ver­ab­schie­den wir uns mit herz­li­chem Dank von zwei Au­to­ren, die als si­che­re Wer­te die De­bat­ten auf un­se­ren Mei­nungs­sei­ten be­rei­chert ha­ben. Su­san­ne Ho­chu­li hat uns in rund 120 Ko­lum­nen seit 2014 mit ih­ren Be­ob­ach­tun­gen und Ge­dan­ken un­ter­hal­ten, aus ih­rem Le­ben als Aar­gau­er Re­gie­rungs­rä­tin oder von ih­ren Wan­de­run­gen durch Deutsch­land er­zählt. Rei­ner Ei­chen­ber­ger, Wirt­schafts­pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Frei­burg und ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Öko­no­men in der Schweiz, über­rasch­te uns in den letz­ten zwei Jah­ren im­mer wie­der mit wirt­schafts­po­li­ti­schen Ana­ly­sen, un­or­tho­do­xen Ar­gu­men­ten und ori­gi­nel­len Lö­sungs­vor­schlä­gen.

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