Na­tio­nal­rä­te wol­len Ab­kom­men mit Sau­dia­ra­bi­en stop­pen

Nach dem Khas­hog­gi-mord ge­rät das eben erst aus­ge­han­del­te Steu­er­ab­kom­men un­ter Druck

SonntagsZeitung - - SCHWEIZ - Adrian Schmid

Bern Sau­dia­ra­bi­en droht Un­ge­mach aus der Schweiz. Po­li­ti­ker von links bis rechts grei­fen das Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men an, das die bei­den Län­der aus­ge­han­delt ha­ben. Sp-na­tio­nal­rä­tin Su­san­ne Leu­ten­egger Ober­hol­zer will da­für sor­gen, dass der Deal sis­tiert wird. «So­lan­ge die Um­stän­de des Khas­hog­gi-mords nicht ge­klärt sind und Sau­dia­ra­bi­en im Je­men Krieg ge­gen die Zi­vil­be­völ­ke­rung führt, kön­nen wir doch nicht ein­fach zur Ta­ges­ord­nung über­ge­hen», sagt sie. Ei­ne Sis­tie­rung wä­re das bis­her stärks­te Si­gnal der Schweiz an Sau­dia­ra­bi­en, das seit der Tö­tung des Re­gime­kri­ti­kers Ja­mal Khas­hog­gi in­ter­na­tio­nal un­ter Druck ge­ra­ten ist.

Die Wirt­schafts­kom­mis­si­on des Na­tio­nal­rats ent­schei­det be­reits mor­gen über ei­ne Sis­tie­rung. Und Wi­der­stand kün­digt nicht nur die SP an. Grü­nen-prä­si­den­tin Re­gu­la Rytz ver­langt vom Bun­des­rat ei­nen Zu­satz­be­richt, in dem Fra­gen zur Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te und zur Si­cher­heits­la­ge in Sau­dia­ra­bi­en ge­klärt wer­den sol­len. Nach dem Khas­hog­gi-mord stell­ten sich grund­sätz­li­che Fra­gen zur wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­ar­beit mit Sau­dia­ra­bi­en, sagt Rytz. «So­lan­ge die­se nicht ge­klärt sind, dür­fen wir das Ab­kom­men nicht un­ter­zeich­nen.»

Der Bun­des­rat war­tet beim The­ma Sank­tio­nen ab

Bür­ger­li­che äus­sern eben­falls Kri­tik. Mit Län­dern, die de­mo­kra­ti­sche Grund­sät­ze, rechts­staat­li­che Prin­zi­pi­en und Men­schen­rech­te miss­ach­te­ten, soll­ten kei­ne Ab­kom­men ab­ge­schlos­sen wer­den, sagt Cvp-na­tio­nal­rat Leo Mül­ler. «Sau­dia­ra­bi­en er­füllt die An­for­de­run­gen mo­men­tan nicht.» Kri­ti­sche Tö­ne hört man auch aus FDP und SVP. Die SVP ist grund­sätz­lich ge­gen neue Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men, weil da­rin Amts­hil­fe­leis­tun­gen ent­hal­ten sind, wel­che die Par­tei ab­lehnt.

Das Ab­kom­men mit Sau­dia­ra­bi­en soll da­für sor­gen, dass Per­so­nen und Fir­men nicht in bei­den Län­dern für die glei­che Sa­che be­steu­ert wer­den. Zu­dem wird der Aus­tausch von Steu­er­da­ten er­wei­tert. Wenn der Ver­trag nicht wie ge­plant um­ge­setzt wird, wä­ren da­von Schwei­zer Un­ter­neh­men be­trof­fen, die in Sau­dia­ra­bi­en tä­tig sind. Auch könn­ten Sau­dis von In­ves­ti­tio­nen in der Schweiz ab­ge­hal­ten wer­den.

Sank­tio­nen ge­gen­über Sau­dia­ra­bi­en ver­häng­te die Schweiz bis­her nicht. Der Bun­des­rat war­tet ab, was UNO und EU ent­schei­den. Ein­zig die Kriegs­ma­te­ri­al­ex­por­te stopp­te die Re­gie­rung. Zu­dem wird ge­prüft, ob Fi­nanz­mi­nis­ter Ue­li Mau­rer im nächs­ten Jahr an ei­ner ge­plan­ten Rei­se in den Golf­staat fest­hal­ten soll. Of­fen ist auch, ob die Schweiz im Herbst 2019 im Rah­men des be­reits be­schlos­se­nen au­to­ma­ti­schen In­for­ma­ti­ons­aus­tauschs Bank­da­ten an die Sau­dis lie­fert. Für Leu­ten­egger Ober­hol­zer sind zu vie­le Fra­gen un­ge­klärt, sie for­dert da­her ei­ne Ge­samt­stra­te­gie vom Bun­des­rat be­tref­fend Sau­dia­ra­bi­en. «Es kann nicht sein, dass je­des De­par­te­ment un­ko­or­di­niert ad hoc sei­ne ei­ge­ne Po­li­tik ent­wi­ckelt.»

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