«Die AFD schürt Angst. Grau­sam und übelst»

Her­bert Grö­ne­mey­er über die Stim­mung in Deutsch­land, al­ber­ne «Män­ner» und die Schweiz

SonntagsZeitung - - FOKUS - Si­mon Wid­mer

In ei­nem Zim­mer des vor­neh­men Ber­li­ner Ho­tels Das Stue emp­fängt ein bes­tens ge­laun­ter Her­bert Grö­ne­mey­er. Der 62-Jäh­ri­ge lacht im Ge­spräch mehr­mals schal­lend. Von der Me­lan­cho­lie, die vie­le sei­ner Al­ben durch­zieht, ist we­nig zu spü­ren. Die ver­ein­bar­te Zeit über­zieht er bei wei­tem. Das Ge­spräch wird erst be­en­det, als der Ma­na­ger dar­auf auf­merk­sam macht, dass das Zim­mer nicht den gan­zen Tag re­ser­viert ist.

Sie sag­ten ein­mal, Ih­re Al­ben wür­den wi­der­spie­geln, wo Sie als Mensch ste­hen. Was sagt «Tu­mult», Ihr neus­tes, über Her­bert Grö­ne­mey­er im Jahr 2018 aus?

Ich bin be­sorgt. Wir müs­sen se­hen, wie wir uns als Ge­sell­schaft neu sor­tie­ren kön­nen.

In­wie­fern?

Wir ste­hen in Deutsch­land vor drei gros­sen Her­aus­for­de­run­gen. Ers­tens die Fra­ge, wie wir mit den Flücht­lin­gen um­ge­hen und ih­nen Schutz ge­wäh­ren. Zwei­tens die Tat­sa­che, dass Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, die seit vie­len Jah­ren in Deutsch­land le­ben, sich hier nicht mehr wohl­füh­len. Und drit­tens die Wie­der­ver­ei­ni­gung des Lan­des, die nie voll­zo­gen wur­de. Ein The­ma, das in Deutsch­land un­ter den Tep­pich ge­kehrt wird.

Was mei­nen Sie, wenn Sie sa­gen, die Wie­der­ver­ei­ni­gung sei nie voll­zo­gen wor­den?

Wir ha­ben den Men­schen aus der frü­he­ren DDR ein­fach ein neu­es Sys­tem auf­ge­zwun­gen. Ein west­li­ches Sys­tem, das sie gar nicht kann­ten. Man dach­te wohl, über­trie­ben ge­sagt, es wür­de rei­chen, Geld in den Os­ten zu schi­cken und die Stras­sen zu sa­nie­ren. Die kul­tu­rel­len Un­ter­schie­de zwi­schen Ost und West wa­ren nie ein The­ma. Es hiess ein­fach: «Wir spre­chen bei­de Deutsch, das reicht. Fer­tig.»

Wie un­ter­schei­den sich denn die Men­schen im Os­ten von je­nen in West­deutsch­land?

Die äl­te­re Ge­ne­ra­ti­on war an ein

«Rock­mu­sik muss ner­ven und pro­vo­zie­ren»: Her­bert Grö­ne­mey­er, 62

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