Kei­ner soll sa­gen, es ge­he um Lohn­kon­trol­le

SonntagsZeitung - - EISHOCKEY -

Das Do­ku­ment ist sprach­lich nicht ganz ast­rein, doch von un­ge­heu­rer Spreng­kraft.

«Be­trifft: 6. Aus­län­der» steht über dem An­trag, den Bern und Ser­vet­te am Mitt­woch in der Li­ga­ver­samm­lung zur Ab­stim­mung brin­gen. Ori­gi­nell die For­mu­lie­rung: Er sei «im An­schluss an die ver­schie­de­nen in­ter­nen Dis­kus­sio­nen be­tref­fend die Ein­däm­mung der In­fla­ti­on auf die Lohn­kos­ten» ein­ge­reicht wor­den. Al­so nicht et­wa «zur Ein­däm­mung der In­fla­ti­on auf die Lohn­kos­ten». Und ge­nau in die­sem De­tail steckt der Teu­fel.

Die Fra­ge, die sich je­der Club nun stel­len müss­te, lau­tet:

Sind sechs statt vier Aus­län­der ge­eig­net, die Lohn­in­fla­ti­on zu brem­sen? Die Fra­ge, die sich aber je­der Club in Wahr­heit stellt: Pro­fi­tie­re ich von die­sem Schritt mehr als die Kon­kur­renz – oder we­ni­ger?

So zeich­net sich die Stim­men­ver­tei­lung früh ab.

Am­bi­tio­nier­te Teams, die nächs­te Sai­son kei­nen star­ken Schwei­zer im Tor wis­sen, wol­len nicht ein Vier­tel ih­res Aus­län­der­kon­tin­gents für ei­nen Go­a­lie op­fern. Für Bern und Da­vos heisst das Ja, ein­zig Lu­ga­no schert aus. Nach lan­gem La­vie­ren spra­chen sich die Tes­si­ner letz­te Wo­che für den Sta­tus quo aus. Wei­te­re Be­für­wor­ter sind Ser­vet­te, das sich dank des Be­zie­hungs­net­zes von Sport­chef Mc­sor­ley ei­ne Auf­wer­tung ver­spricht. So­wie Lau­sanne, das Us-mil­li­ar­där Stick­ney zum «bes­ten Club Eu­ro­pas» ma­chen will. Er dürf­te zu­sätz­li­che Aus­län­der eher we­ni­ger als Spar­mass­nah­me se­hen.

Das hies­se vier­mal Ja, vier­mal aus ver­ständ­li­chen Grün­den.

Nur soll kei­ner sa­gen, es ge­he bei der gan­zen Cho­se um Lohn­kon­trol­le. Im Pro­fi­sport geht es um Er­folg, um nichts an­de­res. Das ist der Grund, war­um die Clubs an die Gren­zen ih­rer Bud­gets ge­hen – und dank Mä­ze­nen dar­über hin­aus. Das ist der Grund, dass Jahr für Jahr je­der Fran­ken, den sie zu­sätz­lich ein­neh­men, di­rekt in die Ta­schen je­ner wan­dert, die auf dem Eis über Sieg und Nie­der­la­ge ent­schei­den. Egal, ob Schwei­zer oder nicht. Ge­re­gelt durch Ver­trä­ge, die ein Sport­chef un­ter­schrie­ben hat. Und wä­re ei­ner so dumm, Li­zen­zen tat­säch­lich nur für Bud­get-aus­län­der zu ver­wen­den: Der Mann wä­re im Kri­sen­fall schnel­ler weg, als er «Ein­däm­mung der In­fla­ti­on auf die Lohn­kos­ten» sa­gen könn­te.

Phil­ipp Muschg über die Fan­ta­sie, mit mehr Aus­län­dern Geld zu spa­ren

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