Der bes­se­re Sil­ber­ge­win­ner

Die Schwei­zer schla­gen Deutsch­land 4:3 nach Pen­al­tys, es lockt der Tur­nier­sieg

SonntagsZeitung - - EISHOCKEY - Phil­ipp Muschg

Am Schluss ver­lor so­gar der Match­win­ner die Über­sicht. Li­no Mart­schi­ni war schon un­ter­wegs Rich­tung Lu­kas Flüe­ler, als der Ref ihn zu­rück­be­or­der­te. Das Pen­al­ty­schies­sen am Deutsch­lan­dcup ging nicht über drei, son­dern über fünf Schüt­zen pro Team. We­nigs­tens theo­re­tisch. Denn nach­dem Flüe­ler auch den vier­ten Deut­schen ge­stoppt hat­te, stand der Er­folg fest. Nach drei Nie­der­la­gen in Fol­ge wur­de Deutsch­land wie­der be­siegt.

Das Fi­na­le war pa­ckend, aus Schwei­zer Sicht un­nö­tig – und pass­te doch per­fekt zum Schlag­ab­tausch die­ser al­ten Ri­va­len, die bei­de in die­sem Jahr his­to­ri­sche Er­fol­ge ge­fei­ert ha­ben. Olym­pia­sil­ber die ei­nen, Wm-sil­ber die an­de­ren. Sie­ben deut­schen Hel­den aus Pyeong­chang stan­den vier Schwei­zer He­ro­en aus Ko­pen­ha­gen ge­gen­über. Und über 6000 Zu­schau­er schu­fen im Kö­nig­pa­last ei­ne Stim­mung, als fän­de hier und nicht ein paar Ki­lo­me­ter öst­lich Dort­mund ge­gen Bay­ern statt.

Sie sa­hen ei­ne Schwei­zer Mann­schaft, die tech­nisch bes­ser und läu­fe­risch über­le­gen war. Die es aber trotz­dem schaff­te, ei­ne 3:1-Füh­rung noch aus der Hand zu ge­ben. In der 51. Mi­nu­te pro­fi­tier­te Le­an Berg­mann von ei­nem Fehl­griff Flüe­lers. Und nach 59:19 traf Marcel Noe­bels zum Aus­gleich. Die Hal­le beb­te.

So warf auch das zweit­letz­te Spiel von Bun­des­trai­ner Mar­co Sturm im­mer­hin ei­nen Punkt ab. Und so konn­te Mart­schi­ni sei­ne Ge­nie­blit­ze noch ein paar Mi­nu­ten län­ger zei­gen. In der 65. Mi­nu­te, prak­tisch mit der Schluss­si­re­ne, schei­ter­te er noch knapp. Im Pen­al­ty­schies­sen dann ver­lud er Ni­k­las Treut­le nach al­len Re­geln der Kunst. Weil auch Yan­nick Her­ren ver­wer­te­te, war die Sa­che schnell ent­schie­den.

Mart­schi­ni und Her­ren hat­ten schon vor­her zu den Auf­fäl­ligs­ten ge­hört. Jé­rô­me Ba­chof­ner zeig­te ein gu­tes Län­der­spiel­de­büt, dem nur we­nig zum ers­ten Tor fehl­te. Und beim Come­back be­wies Lu­kas Flüe­ler mit meh­re­ren Glanz­pa­ra­den, dass er sich von ei­nem Zu­sam­men­stoss ge­gen Bern vor drei Wo­chen bes­tens er­holt hat. Aus­ser­dem be­stä­tig­te sich ei­ne Er­kennt­nis des Start­spiels: In die­ser Form ge­hört Lau­sanne-flü­gel Chris­toph Bert­s­chy in ein Wm-auf­ge­bot.

Ein per­sön­li­ches Er­folgs­er­leb­nis für Fi­scher

Und so kommt es heu­te, be­reits um 11 Uhr mor­gens, zu ei­nem Fi­nal ge­gen das rus­si­sche B-team. Wer ge­winnt, ist Tur­nier­sie­ger. Für Fi­scher wä­re es ein ganz per­sön­li­ches Er­folgs­er­leb­nis, nach­dem er bei sei­nem ers­ten und zu­vor ein­zi­gen Deutsch­land-cup vor zwei Jah­ren sämt­li­che Spie­le ver­lo­ren hat­te und hart in die Kri­tik ge­riet. Und für die Schweiz wä­re es der drit­te Tur­nier­sieg nach 2001 und 2007. Er mag nicht so be­deu­tend sein wie Sil­ber an ei­ner WM. Aber er wä­re der ver­dien­te Lohn für ei­ne Mann­schaft, die in Kre­feld bis­her auf der gan­zen Li­nie über­zeug­te.

Fo­to: Keysto­ne

Noah Rod traf zwei­mal ge­gen die Deut­schen mit Er­satz­goa­lie Ni­k­las Treut­le, das letz­te Spiel heu­te ge­gen Russ­land wird zum Fi­nal

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